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Sonntag, 6. Mai, 6.30 Uhr

„Bitte mein guter Freund“ steht im Betreff der Mail von Mr. Shi. Öffne ich also erst gar nicht. Außer dieser Spam nichts in der Mailbox. Bei diesem Wetter nicht ungewöhnlich. Wahrscheinlich schreibe ich auch den Sonntagfrühmorgensblog ins Nirwana. Macht aber nichts. Ich schreibe ihn sowieso vor allem für mich, als Aufwärmen für die Kolumne bzw. als allmähliche Verfertigung der Gedanken für die Kolumne im Blatt beim Schreiben im Blog. Oder so.

Gestern eine 95-km-Radtour gemacht. Die erste Hälfte gegen strammen Gegenwind. Da ich Batterie sparen musste, um nicht im Endspurt den 15-%-Berg hoch ohne „E“ strampeln zu müssen, war ich ziemlich geschlaucht. Am Ende hatte ich noch drei von fünf Balken auf dem Display. Hätte also nicht mich, sondern den Akku dem Gegenwind trotzen lassen können. Wie immer. Blöde Manie von mir. Gehe mit dem geladenen Akku um wie Dagobert mit seinem prallen Talerspeicher.

Auf der Tour mit viel Hinterland auch an offenbar geräumten Baracken hinter Stacheldraht vorbei gekommen. Wo sind sie jetzt alle, die 2015 auf herzliche Einladung der Kanzlerin und unter Beifall von halb Deutschland gekommen sind? Nein, von mehr als halb Deutschland. Die meisten Begrüßungsjubler wollen das aber vergessen. Ist ihnen peinlich. Zu recht.

Ähnlich wie bei Alex Meier (solch einen Bruch, solch ein Assoziieren von absurd Abgelegenem würde ich in der Kolumne nicht wagen. oder? Mal sehen). Mehr als die Hälfte der „Fußball-Gott“-Jubler, sofern sie schon vor zehn Jahren Eintracht-Fans waren, hatte Meier in seinen ersten Frankfurter Jahren als „Chancen-Tod“ beschimpft. in aller Unbescheidenheit: Ich nicht. Belege im Archiv nachlesbar.

„Fußball-Gott“ – immer unsäglich, angefangen bei Toni Turek. Auch Kohler, Zampach und was weiß ich wer waren schon „Fußball-Gott“.

Wo war ich? Rad-Tour … Baracken … wo sind sie hin … weiter im Text: Was uns jetzt beschäftigt, zum Beispiel der Mob gegen die Polizei, liegt nicht an der aktuellen Flüchtlingspolitik. Da bzw. mit der schlägt das Pendel in die andere Richtung aus, das trifft viele zu uns Gekommene, auch schon vor vielen Jahren Gekommene und auf dem Weg zur Integration gut Vorangekommene, um die wir uns kümmern sollten und die uns gut zu Gesicht stünden. Das Problem liegt im speziellen (Kanzlerin) und allgemeinen (Bahnhofsjubler) Blackout von 2015. Ich sah, hörte und las mir das perplex an. Die Folgen schienen mir klar. Moment, ich stöbere mal im Archiv … bin wieder da. Im Sommer 2015, inmitten des Überschwangs geschrieben: Deutschland  zwischen Flüchtlingsromantik und Flüchtlingsfeindlichkeit. Dazwischen nur ein schmaler Grat für Vernunft, von dem man schnell runter und auf die falsche Seite gekippt wird. Allerdings wird der Grat langsam breiter, denn die Flüchtlingsromantiker beginnen zu ahnen, welche Konsequenzen auf sie zukämen und zukommen.

Am meisten leiden darunter die echten Kriegsflüchtlinge, die Schlimmes erlebt haben. Und die alteingesessenen Migranten, die hier friedlich, unbehelligt und so gut integriert gelebt hatten, das man bei ihnen gar nicht mehr von Integration sprach. Wenn nur sie wählen dürften …

Am Schluss wird abgekackt. Leider. Während ich durch die Walachei radelte, war die Beste als sechsbeiniges Paar in Wiesbaden wettkampfsportlich aktiv. Hundesport. Disziplin: Working Test. Da wird der Hund vom Menschen mit Handzeichen und Pfeife zu weit vrstcktn … sch … das fstgglbt E ist vrrutscht. hrlich. Muss nu klbn.

… da bin ich wieder. „E“ sitzt wieder. Den Satz oben vervollständigen Sie bitte selbst. Also, der Hund muss im Wald verschiedene Aufgaben bewältigen. Hat unserer ganz prima gemacht, ein Medaillenplatz winkte. Auch die letzte Prüfung mit Bravour absolviert, sie kommt aus dem Wald zurück, ist fast im Ziel … da hockt sie sich vor dem Prüfer hin und … buchstäblich abgekackt. Durchgefallen. Auch buchstäblich. Durchfall vor dem Richter wird mit sofortigem Ausschluss bestraft.

Das sollte als Aufwärmübung genügen. Themen auf dem Zettel: Wenger, Meier (mit Gott, Chancentod, Teilzeit-Vertrag, Kitsch, Nicolai Müller), der Journeyman aus der Welt, Dreifach-Speer, Cheerleader olympisch, Fahrradkette, Twitter. Auf geht’s. Nein, natürlich noch nicht. Erst …. KKKK. Kaffee, Kuchen, Knicks und Kuss.

 

 

Baumhausbeichte - Novelle