Archiv für Mai 2018

Montag, 28. Mai, 8.55 Uhr

Rasen muss noch gemäht werden, aber er ist noch nass. Das sind so meine Sorgen. Ich hoffe, Sie haben ebenfalls keine größeren. Geschäftliches: „Ohne weitere Worte“ steht online und für die Kollegen auch schon auf der ersten Sportseite für morgen. Dazu die WBI-Auflösungskolumne für demnächst. Ich schaue mir jetzt mal einen Hotspot an. Bis dann.

Veröffentlicht von gw am 28. Mai 2018 .
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Sonntag, 27. Mai, 6.40 Uhr

Wie soll der Junge das bloß verkraften, aushalten? Niemand wird ihn mehr als „Flutschfinger“ verhöhnen, wie das in England zuvor getan wurde. Selbst der Gefühlloseste wüsste, dass „normale“ Bösartigkeit fast buchstäblich tödlich sein könnte. Karius wird viel Mitleid erfahren, Klopp, ein guter Christ, wird alles tun, um ihm zu helfen – aber kann man nach solch einem Desaster helfen? Die Bilder des Dramas werden ihn bis zu seinem Lebensende verfolgen, und sollte in hundert Jahren noch Fußball gespielt werden, werden auch diese beiden Szenen dann noch in den Köpfen und Bild-Archiven sein. Der arme Junge. Er weinte, man hätte mit ihm weinen können. Ich hatte einen Kloß im Hals.

Ich merke gerade, dass diese Blog-Zeilen auch die Kolumne eröffnen müssen. Sind aus mir rausgeflossen wie seine Tränen. Pragmatischeres: Ist Karius‘ Karriere beendet? Ich fürchte, ja. In Liverpool bestimmt, aber wer wollte ihn noch verpflichten? Ein Torwart muss Sicherheit, Souveränität ausstrahlen, vor allem auf die Mitspieler. Scheint kaum noch möglich, zumal, siehe oben, niemand Kiew vergessen wird.

Das Finale kippte aber schon früher. Eine Szene wie beim Wrestling. Arm einklemmen, über den Gegner abrollen und sich auf den eingeklemmten Arm fallen lassen und dem Gegner dabei scheinbar die Schulter brechen. Unterschied: Im Wrestling ist die Szene gefaked, das Opfer spielt mit, in einem virtuosen Paartanz-„Move“. Das Opfer tut sich nicht weh. Salah aber könnte sich tatsächlich die Schulter gebrochen haben (momentan ist noch nichts bekannt), zumindest ist er gravierend verletzt. Der Übeltäter wird belohnt, seine Aktion war mindestens so spielentscheidend wie Karius. Überhaupt wird Real belohnt, Spiel um Spiel sind sie nur durch Pleiten, Pech und Pannen der Gegner ins Finale gekommen, und dort kulminierte die Ungerechtigkeit der Fußballwelt.

Noch mal zu Karius: In den Meldungen der Nacht zeigte Bild mehr Fingerspitzengefühl als die FAZ. In der ersten Online-Schlagzeile sprach Bild von einem „peinlichen Doppel-Bock“, korrigierte das aber schnell zum „tragischen Doppel-Bock“, während die FAZ beim „Slapstick“ blieb. Slapsticks sind Sachen zum Lachen. Wer lachte da? Slapstick ist hier ein unmenschliches Wort.

Ach, mach ich halt doch auch mal ein Witzchen: Benzemas Tor hätte nicht zählen dürfen. Eine Torvorlage per Hand ist nur durch Einwurf erlaubt.

Mir wird immer klarer, dass dieser Sonntagfrühmorgensblog in wesentlichen Teilen in die Montagsthemen sollte. Dazu sicher auch die Strunz-Verarschung im Interview der Süddeutschen Zeitung (nicht er wird verarscht, er verarscht uns). Vielleicht noch der Journeyman, weil der auch mit Verarschung zu tun hat. Ob es nich zu einemSchlenker in die Leichtathletik reicht, weiß ich nicht. Interessiert vielleicht zu wenig (Baker 100m in 9,78, +2,4 Wind, dennoch wird „pers. Saisonbestleistung“ gemeldet, was mehrfacher Unsinn ist / außerdem Kugel, das unendliche Thema: Storl, als Talent mehrfach gesegneter als Crouser. In Eugene: Crouser 22,53, Storl 20,49).

Nein, noch was muss unbedingt rein, eine tolle Mail. In voller Länge stelle ich sie gleich online, für die Kolumne picke ich was raus.

Aus gegebenem Anlass schreibe ich die Ohne weitere Worte-Kolumne vor. Einige Zitate habe ich schon notiert, hier die „unsportlichen“, da ich sie wegen der anderen sportlichen Zitate nicht alle übernehmen kann, aus Platzgründen. Hier sind sie, als Wort zum Sonntag, in den Blog reinkopiert, bevor … da kommt sie schon …. KKKK.

 

»Eine gerechte Gesellschaft setzt nicht materielle Gleichheit voraus, wohl aber die Möglichkeit, sich gleichberechtigt zu begegnen. (…) Aber selbst im Sport sondern sich die Wohlhabenden inzwischen in der VIP-Lounge, in den USA Skybox genannt, vom Fußvolk der Fans ab. Die ›Skyboxification‹ (…) pflanzt sich durch die Gesellschaft fort, von der Schule bis zur Rente.« (US-Philosoph Michael J. Sandel im Spiegel-Interview)

»Das Erstarken des Rechtspopulismus ist ein Symptom des Scheiterns fortschrittlicher Politik.« (Sandel/Spiegel)

Wenn ich mir die Zahlen anschaue, dann halte ich es nicht für unmöglich, dass mein kleiner Sohn eines Tages in Deutschland zu einer Minderheit gehört. (Harald Martenstein in seiner Kolumne im Zeit-Magazin)

Viele muslimische Zuwanderer (…) halten wenig von Toleranz. So naiv, dass ich an die Allmacht der Sozialpädagogik glaube, bin ich nicht. Sie werden ihre Stärke nutzen, wie Mehrheiten das fast immer tun. (Martenstein/Zeit-Magazin)

Immer mehr meiner Freunde laufen zu den Konservativen über, mehr aus Verzweiflung als aus Überzeugung. (Martenstein/Zeit-Magazin)

„Ich glaube, dass der Kapitalismus unsere Lebensmüdigkeit nur zudeckt. (…) Konsumwahn, Kauflust und das ständige Denken an unsere eigene Sicherheit machen uns wenig Lust auf das Leben. (…) Diese Oberflächlichkeit führt zu Lebensüberdruss. Aber sie führt nicht dazu, dass die innere Leere unserer Gesellschaft reflektiert wird.“ (Schauspieler Edgar Selge im HörZu-Interview)

 

Veröffentlicht von gw am 27. Mai 2018 .
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Dienstag, 22. Mai, 23.15 Uhr

Zwei Antworten auf Pfarrer Lenz online gestellt. Bitte klicken Sie die „Mailbox“ an! Unterschiedliche Meinungen, aber eine Gemeinsamkeit: jenseits aller Dumpfbackigkeit beispielhaft für die Zerrissenheit unserer Gesellschaft. Meine Idealvorstellung: Menschen, die auf dieser Ebene konstruktiv diskutieren, einigen sich am Ende trotz aller bleibenden Streitpunkte auf einen humanen Grundkonsens denkender und fühlender Menschen. Naiv? Wahrscheinlich. Aber Grundbedingung für den Erhalt der extrem bedrohten Gesellschaft und ihrer Verfasstheit, immerhin der besten, die Deutschland bisher zu bieten hatte.

Veröffentlicht von gw am 22. Mai 2018 .
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Montag, 21. Mai, 7.00 Uhr

Erst sechs richtige Lösungen, nur wenige falsche (Raten war ja auch sinnlos), und heute ist Einsendeschluss: „Wer bin ich?“ war diesmal eine besonders harte Nuss. Soll ja auch so sein, um die Spitzengruppe zu sprengen, wie bei einem Tour-de-France-Anstieg. Mal sehen, was bzw. wer da noch alles nachkommt. Besonderheit in diesem Jahr: Bei jeder Etappe wird ein Punkt mehr zu gewinnen sein, in der dritten Runde also drei, so dass „Abgehängte“ gleich wieder aufschließen können.

Abgehängt fühlen sich auch manche, nein viele meiner Generation (ich nicht, ich war noch nie an den Zug der Zeit angehängt, sondern habe ihn schon immer nur beobachtet, als Ameisenzugforscher an der Bahnsteigkante.) Es brodelt in der Gesellschaft, viel mehr, als öffentlich bekannt wird. Ich sehe es vor allem auf Facebook und höre es auch, wenn ich mal in der Gruppe mit dem Rad unterwegs bin. Menschen meines Alters, meiner mehr oder weniger diffusen linkssozialromantischen Jugend, mit ähnlichem Lebensweg, beruflich erfolgreich bzw. gewesen, materiell abgesichert, oft Akademiker, oft ehemals erfolgreiche Sportler, alles andere als Dumpfbacken – aber wenn ich höre, was sie, wie jetzt ALLE bei einer Gruppen-Tagesfahrt, zur Lage der Nation, der Gesellschaft, der etablierten Politik, Europa, den Flüchtlinge usw. sagen, was aus ihnen herausbricht, dann wundere ich mich über das letzte Wahlergebnis. Noch grollen sie nur unter sich, noch ist die AfD für sie mehrheitlich keine Lösung, aber sie sind auf dem Weg dorthin und manche innerlich schon angekommen. Hauptthema auf der Rad-Tour: Weidel und ihre „ganz großartige“ Rede. Ich habe sie weder gehört noch nachgelesen. Ich hoffe zu meinen Gunsten, ich wäre entsetzt. Ich fürchte zu meinen Ungunsten, ich könnte vielem zustimmen.

Statt warmgeschrieben für die Kolumne habe ich mich kaltgeschrieben. Frühstückspause, dann frisch ans Werk. Dürfte leichtfallen, denn der Blogtext von gestern wird die Grundlage sein. Selbstausbeutung im Stein(es)bruch.

Veröffentlicht von gw am 21. Mai 2018 .
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Pfingstsonntag, 20. Mai, 6.40 Uhr

Der Bub, im Eintracht-Trikot, im alten Waldstadion. Vom Papa mit dem Eintracht-Bazillus infiziert, seitdem unheilbarer Fan. Wo ist das Foto? Bei ihm? Wenn ich morgen die Kolumne schreibe, werde ich es vielleicht in den Text einklinken. Mittlerweile ist der Bub 35 und selbst Papa. Der Tag gestern muss ihn für alle Enttäuschungen seines Eintracht-Lebens entschädigt haben.

Gestern im und nach dem Spiel einige Stichwörter gekritzelt. Kaum zu entziffern. Ich versuche es mal, sie zu enträtseln und hier im Stein(es)bruch für die Kolumne zu lagern:

Kovac hatte die bessere Spielidee als Heynckes. Der hatte gar keine.

Hummels beim 1:2 zu langsam (wäre er etwas spritziger, wäre er für mich der beste Innenverteidiger der Welt; so aber, obwohl mit Kopf und Routine das Manko bekämpfend, wird er mit zunehmendem Alter, in dem man bekanntlich nicht schneller wird, zunehmend zum Sicherheitsrisiko.)

Kein gutes Omen für die WM. (neben Hummels: Kimmich schwächelt, Boateng verletzt und fraglich, Neuer ohne Spielpraxis, Müller auch nicht mehr der alte Quirl)

Besseres WM-Omen: 1954. (damals verlor der 1. FC Kaiserslautern, der FC Bayern  seiner Zeit, das deutsche Endspiel gegen Rot-Weiß Essen mit fünf späteren Weltmeistern, ich glaube, mit 4:5. Danach gab es Diskussionen, was Herberger mit den gedemütigten Verlierern bei der WM überhaupt will. – Wo die Parallele aufhört: Bei Rot-Weiß Essen, quasi die Eintracht in diesem Finale, spielte der spätere Siegtorschütze von Bern mit.)

13.00 Uhr: So ein Quatsch! Ich lasse es zur Strafe stehen und hänge nur die Korrektur von Pfarrer Ulrich Lenz an: „1954 gewann Hannover 96 unter Fifi Kronsbein mit 5:1 gegen den 1. FC. Kaiserslautern. Kein Hannoveraner im WM-Kader, aber fünf von den Verlierern. Von RW Essen war im Endspiel keine Rede, nur von Rahn im WM-Endspiel.“

 Hochzeit in London? Die wahre Hoch-Zeit des Tages begann erst um 20 Uhr.

Video-Hilfe! (wie lang und breit habe ich sie beschrieben! Länger, als der Bub Fan ist. Als einzig sinnvolle Version des sogenannten Video-Beweises. Und jetzt, zu Lasten der Bayern, erlebt sie ihre Premiere in Reinkultur: strittige Szene, Schieri sieht sie sich  noch einmal an – und entscheidet nach eigenem Gefühl, denn er hat die Oberhoheit auf dem Platz, auch über die Video-Hilfe. So soll es sein. So hätte ich auch im umgekehrten Fall gedacht. Nur nicht ganz so freudig …)

Das Eintel für beide, es ist da! (muss noch mal nachschauen, wie das Eintel mathematisch genau definiert wird.)

Ein Single kommt selten allein (war das nicht mal ein Film-Titel?)

Rebic! (habe ich ihn nicht mal als „ekligen“  Spielertypen beschrieben, gegen den niemand gerne spielt, den aber jeder gerne in seiner Mannschaft hat? Bei der WM hoffentlich nicht erneut ein Schreckgespenst vor allem für Hummels)

Verdient? Natürlich waren die Bayern besser. (rein fußballsportlich „verdient“ kann eine Frankfurter Eintracht nicht gegen die Bayern gewinnen, nur mit Herz, Kopf, Kampf und viel Glück)

Europapokal! (unter tausendfach besseren Bedingungen als mit Platz sieben, dem Schleudersitz)

Schlechte Verlierer. (nein, würde ich heute nicht mehr sagen. Spalier stehende Bayern, die traurig, aber sportlich fair applaudieren, das wäre zwar eine große sportliche Geste gewesen, nach der den Bayern selbst von ihren Hassern die Herzen entgegengeflogen wären, aber – auch wenn es jetzt süffisant klingt, es ist ernst gemeint -, diese Bayern-Generation weiß ja gar nicht, wie man sich in einer solchen Situation verhält: In nationalen Endspielen mussten in den letzten Jahren immer die anderen Spalier stehen, in internationale Endspiele sind sie erst gar nicht gekommen. Jetzt wissen sie es. Und könnten nächstes Jahr Spalier stehen. Aber dann müssen sie nicht, denn sie holen das Triple. Als ausgleichende Gerechtigkeit, es sei ihnen zu gönnen, auch von Eintracht-Fans)

Pfingsten pfing … (In unserer Gießener Ausgabe gab mir die Kollegin „kw“ am Samstag in ihrer Kolumne die Ehre, meinen uralten Pfingst-Gag zu erwähnen; eigentlich wollte ich ihn in Frieden ruhen lassen, habe ich letztes Jahr sogar schon, glaube ich, aber jetzt böte sich für die morgen zu schreibende Kolumne an, sie nicht damit zu beginnen, sondern zu beenden, ungefähr so: „Pfingsten pfing ja schon immer gut an, aber so gut wie in diesem Jahr fing Fingsten noch nie an … und hörte noch besser auf)

So, alle Kritzelei entziffert und ergänzt, das ist ja schon fast die Kolumne, die am Dienstag nicht mehr Montagsthemen heißt (den „Anstoß“-Titel denke ich mir morgen aus). Auf dem Zettel stehen nur noch zwei Notizen weit ab vom sporthistorischen Ereignis. Zu Sandro Wagner: Die Entscheidung gegen ihn war keine für Petersen, sondern für Gomez (und die ist richtig). Löw wird nicht drei Stürmer (Werner, Gomez, Petersen) mitnehmen, höchstens zwei (Werner, Gomez), vielleicht nur einen (Werner), denn wen aus der Schar der spielstarken Weltklasse-Offensiven von Özil bis Reus sollte er für einen Petersen opfern? Letzte Notiz, weit ab vom Frankfurter Pfingst-Schuss: Funkel sagt, „man darf sich als Trainer nicht allzu wichtig nehmen“. Wichtig zu nehmende Ergänzung: nicht nur als Trainer, vor allem auch als Mensch.

Schluss für heute. Beim Nachlesen festgestellt: Das könnte ja schon die Kolumne sein. Spontan und unverstellt, nicht stilistisch geglättet, nicht geschmeidig, mehr Sandro Wagner als Jens Petersen, aber das traue ich mich nicht. Da mache ich lieber den Löw. Morgen. Und jetzt: KKKK.

 

 

 

Veröffentlicht von gw am 20. Mai 2018 .
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