Beitrag ausdrucken Beitrag ausdrucken

Sonntag, 29. April, 6.35 Uhr

„HSV überrascht mehr als  Abba und Korea“, lese ich als erste Meldung der Nacht über  einem Bild-Online-Kommentar. Hirnrissig, mögen manche meinen. Für mich ist es die gute, alte Bild-Methode (es gibt auch die bösen alten und neuen), Unvereinbares überraschend vereinbart auf den Punkt zu bringen. Der Name des Kommentators flashbackt mich: Er, mittlerweile auf der Chefebene, hatte als fixer junger Bild-Sportreporter nach einem – mich wie so oft enttäuschenden – Wettkampf in Berlin meinen hilflosen Erklärungsversuch aufgeschnappt und, unsichtbar grinsend, als Zitat des Tages ins Blatt gebracht: „Wenn bei mir der Ausstoß nicht schnell genug ist, geht alles in die Hose.“

Auch bei dpa juxt sich offenbar in den Meldungen der Nacht ein engagierter junger Schlagzeilenkünstler aus: „Verkuppeltes Trauerschwan-Paar versteht sich prächtig.“ Na ja, ganz gut, aber noch etwas holprig und zu lang. Und hier: Dramatischer Sauerstoffmangel – Todeszone im Golf von Oman.“ Dito. Dann: „Menschen, die nach Luft schnappen.“ Zum Welt-Asthma-Tag. Zwar kurz, aber etwas zu empathielos.  Doch dann hat er sich warmgeschlagzeilt: „Hui auf dem Teller – Igitt auf dem Klo.“ Folgt die Erklärung, warum Urin nach Spargelessen stinkt. Bravo! Fürs Schlagzeilen, nicht fürs Stinken. Ich kenne es allerdings kaum. Spargel ist nicht mein Gemüse. Allerdings ist so gut wie kein Gemüse mein Gemüse.

Der achte Platz, den ich mal herbeigeunkt hatte, er rückt näher. Der siebte, der realistisch noch mögliche, wäre kaum besser. Er wäre … jetzt fällt mir das Wort für den Spieß nicht ein, den die Hilfs-Toreros dem Stier in den Nacken rammen, um ihn zu schwächen, bevor ihn der Matador austänzelt und zum Todesstoß ansetzt … also, er wäre das Dingens für die Eintracht, die schon vor der Saison durch Europa tingeln müsste. Wie heißt das Wort? Banderolen? Nee, die wickelt man um Zigarren. Bandoleros oder so? Wenn ich’s in die Montagsthemen übernehme, werde ich es noch rauskriegen, dank Google.

Stichworte für die Kolumne, gestern abend notiert, nach einem Klopp-Interviev auf Sky:

Zähne wie ein frisch gekalktes Haus auf einer griechischen Insel in der Ägäis / Fehlen nur die blauen Fensterläden / Lässt seine Mannschaften so spielen, wie er spricht / Überzeugt sie, dass Unmögliches möglich ist; dass der enttäuschende Punkt gegen Abstiegskandidat Stoke keine Enttäuschung ist, sondern ein guter Punkt; beinahe hätte ich ihm geglaubt.

Doch dann fiel  mir die Kürzestgeschichte von Hebel ein. Der Sohn, die Ohrfeige, die Mutter, der Vater. Mehr dazu vielleicht nachher in den Montagsthemen. Außerdem ein Heynckes-Zitat (Effizienz), die Bayern und Leopardi und mein Nanu-Erlebnis von gestern. Wäre, wäre Fahrradkette. Nach rechts unten geguckt: Wäre da nicht eine Fahrradkette, wenn alles mit rechten Dinge zuginge? War aber nicht. Ratlos stehe ich neben dem Rad. Zwei Radlerinnen, die ich gerade überholt hatte, kommen lächelnd näher. Eine hat die Kette in der Hand. Gerissen. Warum ist sie eigentlich immer rechts? Kommt auch in die Kolumne. Und Alex Meier und meine Vision. Und die Bayern jumping the shark. Und … nee, viel zu viel. Da muss noch gepflügt, geeggt, gesät und geerntet werden. Auf den Feldern sind sie erst beim Eggen, ich mach gleich alles auf einmal. Aber erst … Kaffee, Kuchen, Knicks und Kuss.

 

 

Baumhausbeichte - Novelle