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Montagsthemen (vom 30. April)

»Heute hatten wir die Effizienz, die uns am Mittwoch fehlte« (Heynckes). Warum bloß? Blöde Frage. Real war Stahlbad, Eintracht Wellness-Oase. Die großen Bayern relaxen, ihre Kleinen dürfen ran. Rutsch und Fun. Sogar sehr effizient. Die Liga als Ruhekissen. 34-fache Verführung zum Einlullenlassen. Morgen ist der Tag der (Schwerst-)Arbeit!
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Die Schwäche der Liga ist nicht die Schuld der Bayern, sondern deren Problem. Den privilegierten Status genießen und die Welt da draußen ignorieren, das hat schon den alten sizilianischen Adel ins Verderben gestürzt. Weil er (in Tomasi di Lampedusas Roman »Der Leopard«) die Mahnung des alten Fürsten Don Fabrizio nicht beherzigte: »Wenn wir wollen, dass alles bleibt, wie es ist, dann ist nötig, dass sich alles verändert.«
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Aber was, bitte, sollen die Bayern verändern? Die Liga-Sparringspartner stärker machen? Das müssen die schon selbst tun. Und sich nicht von Bayern-Bubis vernaschen lassen. Wie die erschreckend schwache Eintracht. Der von mir herbeigeunkte achte Platz, er rückt näher. Der siebte, der realistisch noch mögliche, wäre kaum besser. Die dazu notwendige Tingeltour vor der Saison wirkt wie Banderillas im Stierkampf. Die werden dem Stier in den Nacken gerammt, um ihn schon zu schwächen, bevor es richtig losgeht. Es endet fast immer mit dem Todesstoß.
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Plan B wäre die bessere Alternative: Sieg im Pokalfinale. Wenn schon träumen, dann mit meiner alten Vision, in der Alexander Meier zur Krönung und zum Abschluss seiner Karriere in der Schlussphase des Pokalfinales eingewechselt wird und das Siegtor gegen Manuel Neuer schießt. – Doch dann kommen die Bayern und lassen der FFFF (Fraktion Frankfurter Fußball-Fantasten) die Luft raus … ffff.
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Auch Kloppo-Fans fiebern dem Rückspiel entgegen. Dem in Rom. Klopp lässt seine Mannschaften so spielen, wie er spricht, schnell, zupackend, überfallartig, den Gegner überrumpelnd und die eigenen Spieler überzeugend, dass Unmögliches möglich ist … und dass der enttäuschende Punkt in der Generalprobe gegen Abstiegskandidat Stoke keine Enttäuschung ist, sondern »ein guter Punkt«. Beinahe hätte sogar ich ihm geglaubt.
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Ich kann allerdings kaum hinschauen, wenn Jürgen Klopp spricht. Dieses Gebiss! Ein Weiß, das in den Augen schmerzt. Weißer als Weißwandreifen der 50er Jahre. So weiß wie ein frisch gekalktes Haus auf einer griechischen Insel in der Ägäis. Nur die blauen Fensterläden fehlen. Solch ein Gebiss sah ich zuletzt vor Jahrzehnten in einer Fernsehwerbung. War es Rex Gildo, der die unnatürlich strahlenden Zähne bleckte und den Spruch aufsagte: »Pepsodent perlweiß ist klasse!«?
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Schlagzeile auf Bild online: »HSV überrascht mehr als Abba und Korea.« Hirnrissig, mögen manche meinen. Für mich ist es die gute, alte Bild-Methode (es gibt auch die bösen alten und neuen), Unvereinbares überraschend vereinbart auf den Punkt zu bringen. Der Name des Kommentators flashbackt mich: Er, mittlerweile auf der Chefebene, hatte als fixer junger Bild-Sportreporter nach einem enttäuschenden Wettkampf in Berlin meinen hilflosen Erklärungsversuch aufgeschnappt und als »Zitat des Tages« ins Blatt gebracht: »Wenn bei mir der Ausstoß nicht schnell genug ist, geht alles in die Hose.«
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Kongeniale dpa-Schlagzeile: »Hui auf dem Teller – Igitt auf dem Klo.« Es folgt die Erklärung, warum der Urin nach dem Verzehr von Spargel stinkt. Kein Problem bei mir. Spargel ist nicht mein Gemüse. Allerdings ist so gut wie kein Gemüse mein Gemüse.
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Noch’n hübscher Satz, gelesen in der Süddeutschen: »Fußball-Fans sind plötzlich alle Ägypter.« Klar, wegen Mohamed Salah. Aber warum müssen plötzlich auch alle anderen Fußball-Fans Ägypter werden? Ich jedenfalls gebe meinen hessischen Pass nicht ab.
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Zu schlechter Letzt die Diskriminierung im Hype um die »Abba-Überraschung«. Diesmal geht es nicht um den Rap-Dreck und sein(en) »Echo«. Der wiegt zu schwer, um ihn auf meine alberne leichte Kolumnen-Schulter zu nehmen. Ich nehme lieber mich selbst auf den Arm. Mich und meine Alterskohorte. Denn was erfahre ich zum sogenannten Comeback von Abba? Sie treten nicht original alt auf, sondern lassen im Video ihre jungen Avatare singen. Avatare sind »täuschend ähnliche Grafikfiguren, die einem Internetbenutzer in der virtuellen Welt zugeordnet werden, beispielsweise in einem Computerspiel« (Wikipedia).
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Original alte Säcke wie die heutigen Abbas, Sie und ich sind offenbar öffentlich nicht mehr zumutbar. Und so sieht die Welt beim Abba-Comeback nicht vier alte Schweden, sondern ihre knackig jungen Avatare. Also auch die junge blonde Engelsgleiche, die … nein, sorry, beinahe wäre ich sexistisch abgeirrt. Außerdem hat ja sogar mein Kopf über dieser Kolumne schon avatarische Patina angesetzt. Das Foto hat zehn Jahre auf dem Buckel. Sind wir nicht alle ein bisschen … Avatar? (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle