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So fern, so nah … („40 – 30 – 20 -10“ vom 19. April)

Vor 40, 30, 20 und vor zehn Jahren: Kleine Texte aus »gw«-Kolumnen, die heute nachdenklich stimmen können oder schmunzeln lassen. Oder beides. Heute mit Themen, die immer noch oder schon wieder aktuell sind. So fern, so nah …
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(Die folgende Bildunterschrift würde ich mir heute ganz sicher verkneifen – das sportsinnfreie Foto auch. Es bleibt in der Archiv-Kiste – und Ihrer Fantasie überlassen) Nicht nur als Windsurferin macht Claudia eine gute Figur. Sie soll unsere Leser sommerlich erwärmen, nachdem Tiefschnee beim Abfahrtslauf, vereiste Straßen in der »Nacht der Langen Messer«, Probleme beim Nordischen Skisport sowie Eis und Schnee auf Bundesligaplätzen für eine gar zu frostige Atmosphäre auf dieser Sportseite gesorgt haben. Die hübsche Windsurferin, die ihrem sportlichen Hobby auf Ibiza frönt, hat als »Playmate« eines Herrenmagazins ersten Ruhm geerntet. (27. Januar 1978/einigermaßen genderkorrekt wäre heute nur ein anderes Frauen-Bild – mit der Claudia von 2018, als stolze Bikini-Rentnerin auf dem Surfbrett)
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(Im Winter 1988 besuchte ich in Schrobenhausen Rudolf Mang, den »Bär von Bellenberg«, und seinen Trainer Josef Schnell. Dieser, ein außergewöhnlicher Selfmademan, machte nach den Winterspielen von Calgary einen bemerkenswerten Vorschlag) Josef Schnell, der sich mit ausgetüftelten Sportgeräten zum Millionär hochgearbeitet hat, will der Misere des bundesdeutschen Sports zu Leibe rücken: »Geld ist da, es ist nur falsch eingesetzt. Ich biete eine Wette an und setze 500 000 DM meines privaten Geldes aus, dass mein Plan Erfolg bringt: Das ganze Geld, das zur Förderung des Leistungssports gezahlt wird, muss auf einem Bankkonto deponiert werden. Allein die Mittel des Bundes machen in vier Jahren mit Zinsen weit über eine Milliarde DM aus. Dieses Geld bekommen die Olympia-Medaillengewinner. Ich wette, wenn die Athleten die Chance haben, mit erkämpften Medaillen Millionen zu verdienen, dann haben wir künftig wieder mehr Olympiasieger.« – Wetten, dass Schnell die Wette gewinnen würde, dass aber niemand wetten wird!? Anderenfalls müssten sich viele Würdenträger des bundesdeutschen Sports selbst für überflüssig erklären – und diese Wahrscheinlichkeit eines unwahrscheinlichen Ereignisses ist tatsächlich unwahrscheinlich. (7. März 1988/Josef Schnell starb 2010, der superschwere Weltrekord-Gewichtheber Rudolf Mang vor wenigen Wochen; Mang bleibt in der deutschen Sportgeschichte präsent, Schnell zumindest in vielen Sporthallen und Krafträumen – mit seinem Namen auf Hantelscheiben und Geräten)
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(»Nach Pleitenserie droht XY der Rausschmiss«, ist im Februar 1998 ein Artikel übertitelt. Über der Nachricht steht oben auf der Seite der traditionell gelb-rote »Anstoß«-Kasten, der erst 15 Jahre später farblos nach unten rutschen sollte. Überschrift dort: »Der liebe Herr XY«. Um wen geht es? Zunächst ein Auszug aus dem »gw«-Text:) Seit August 1996 hatte man das anachronistische, anheimelnde Gefühl, dass in der Bundesliga-Trainergilde auch ein völlig normaler, liebenswürdiger, von sich kein Aufhebens machender Mann ohne Psycho-Tricks oder martialisches Gehabe seinen geduldeten Platz finden kann. Nun scheint sein Stuhl zum letzten Mal zu wackeln, bevor er kippt. Nur zu gerne würden wir uns täuschen. (26.2.1998/und wie »wir« uns, also ich mich getäuscht habe! Denn dieser Trainer wurde damals in Stuttgart zwar in der Tat entlassen und tingelte danach recht unauffällig durch die Trainer-Stationen Fenerbahce, KSC, Adanaspor, Tirol und Austria Wien … doch später wurde aus dem »lieben Herrn XY« … der Weltmeister-Trainer Joachim Löw)
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(Vor 35 Jahren spielte Löw auch für die Frankfurter Eintracht. Vor zehn Jahren stellte diese ein neues Trikot vor. Das ging fürchterlich schief…)  … nicht wegen des Paradoxons eines breiten Kreuzes auf der Brust (das dem Gegner Stärke signalisieren sollte), sondern weil muffensausend schnell der Schwanz eingezogen wurde: Es könnte ja sein, dass islamische Gläubige das Kreuz als Affront auffassen könnten. Nun ist mir zwar piepegal, ob das Trikot von einem Kreuz, Adler, Bankenturm, Bembel oder einem Teller Handkäs mit Musik verziert ist, doch zwischen unnötiger Beleidigung Andersgläubiger und feiglingshafter Selbstverleugnung durch vorbeugende Demutsgesten gäbe es den gesunden Mittelweg des unbeugsam selbstbewussten, aber unaggressiven Miteinanders. (31. 3. 2008/heute ohne weitere Worte gültig) (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle