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Montagsthemen (vom 16. April)

Kovac zu den Bayern. Eigentlich nur einer der üblichen kurzfristigen Aufreger, weil (leider) einer der ganz normalen, geschäftsmäßigen, zwangsläufigen Mechanismen des Metiers. Eigentlich also kein Thema, jedenfalls nicht für mich. Eigentlich …
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… doch dann kam Hoeneß. Sein Auftritt im Live-Interview bei Sky. Wie ein gefilmter Tweet von Trump. Rücksichtslos, aggressiv, egomanisch, dem Gegner Fake News vorwerfend, um ihn mit eigenen Fakes zu kontern.
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Unverschämt. Nicht er, sondern Bobic. Unprofessionell. Nicht er, sondern Bobic. Denn es ist superprofessionell eine Lücke in Kovac’ Vertrag auszunutzen. Die Lücke selbst: unprofessionell, amateurhafter Fehler von Bobic. Worte des Vorsitzenden Ulrich Hoeneß.
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Frage: »Wann haben Sie mit Kovac geredet?« Hoeneß: »Wir sind hier nicht bei der Staatsanwaltschaft!« Ja, das weiß keiner besser als er. Die alte Hybris, das Fremdwort Demut, die Trickserei, die Aggressivität, das überbordende Unrechtsbewusstsein … welche Bewährungsauflagen hat er eigentlich? Ach so, verjährt. Also weiter wie zuvor.
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Und die Eintracht? Will man das Gute sehen, kann sie in der nächsten Saison versuchen, ohne Kovac einen, wenn auch nicht in der Tabelle, dann wenigstens auf dem Platz gut anzuschauenden Fußball zu spielen. Das war das einzige Manko in der Kovac-Ära. Und bleibt es hoffentlich bis zum Ende der Saison, denn die genial-pragmatische Einstellung, das Optimum aus submaximalen Bedingungen herauszuholen und dem jeweiligen Gegner damit zu »stinken«, bietet die einzige Chance, das heiß gewünschte Europa-Ziel zu erreichen.
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Kein Vorwurf an Kovac. Er nahm ein Angebot an, das er nicht ablehnen konnte. Niemand hätte das getan. Oder Sie etwa? Dass die Sache dumm, saudumm gelaufen ist, dürfte ihn am meisten ärgern. Er weiß, dass die Durchsteckerei, sei sie unverschämt oder unprofessionell, kontraproduktiv laufen und seine Erfolgsbilanz schrumpfen lassen kann. Denn Kovac hat im Vergleich zu den Verheißungen, die er geweckt hat, in Frankfurt noch nichts erreicht, was über den Tag hinaus geht. Heynckes bei den Bayern auch nicht. Aber das ist deren Problem.
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Deren fieseste Argumentation, vom eifrig-braven Azubi »Brazzo« dem großen Meister nachgeplappert (und zugleich das uneingestandene, aber logische Zugeben, am Zeitpunkt zumindest nicht unschuldig zu sein): Es ist doch sehr kulant, fast überfreundlich, den Wechsel jetzt schon öffentlich zu machen und nicht erst in vier Wochen. Damit die Eintracht Zeit hat, einen Nachfolger zu finden. Ach, wie nett! Aber in diesen vier Wochen kann die Eintracht durch die entstandene kontraproduktive Gemengelage aus allen Träumen gerissen werden. Bisher hieß es: Champions League oder Europa-Liga? Jetzt droht der Komplett-Verlust. Schon heute macht der Blick auf die Tabelle keine Freude mehr, sondern Sorge. Am Ende wäre ein achter Platz objektiv eine sensationell gute Endplatzierung, subjektiv aber die schlimmst mögliche Enttäuschung.
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Verschwörungstheoretiker könnten behaupten: Das ist die späte Rache von Heynckes’ bestem Freund. Weil die in ihn verliebte Diva vom Main Heynckes erst die Füße geküsst hatte (und nicht nur die), um gegen den gescheitert Flüchtenden dann umso heftiger nachzutreten. Aber in Frankfurt wurde damals keinem weisen Papa Jupp übel mitgespielt, sondern ein selbstgerechter Sturkopf spielte der Eintracht übel mit und stürzte sie ins Verderben. So richtig rausgekommen ist sie nie. Und jetzt, da sie das Köpfchen reckt … rummms!
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Aber solche Verschwörungstheorie ist natürlich, wie so viele andere, verstusster Quatsch und gequirlter Quark, weil nur Bayern-Business as usual. Apropos,  Nachbemerkung zum »Sport-Stammtisch« vom Samstag: Auch der »Bevölkerungsaustausch«, über den zwei feindliche Lager (andere gibt es leider kaum bis gar nicht) so untrefflich streiten, ist keine hinterhältige Strategie der Merkel-Macht, wie abgedrehte Verschwörungstheoretiker raunen und brüllen, sondern eine durch den begrüßungskollektiven Kollaps (nicht zu vergessen: halb Deutschland war auf Merkel-Kurs) nur extrem zwischenspurtende demographische Zwangsläufigkeit.
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Und ich? Die mir Nahestehendsten wissen, dass ich, dürfte, müsste ich entscheiden, jedem Asyl und soziale Sicherheit geben würde, der mich bittend anschaut. Gerade deshalb darf nicht ich, sondern muss der Staat entscheiden, verantwortungsethisch dem größtmöglichen Glück der größtmöglichen Zahl seiner ihm schutzbefohlenen Mitglieder verpflichtet. Aber das ist ein anderes Thema und hat mit Sport eventuell nicht mehr allzu viel zu tun. (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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