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Ostermontag, 2. April, 7.00 Uhr

Dank Ostern ist der 1. April allseits unbeachtet vorüber gegangen. Bemühte Witzischkeit auf Termin ist unwitzig. Gelle, Bütt!?

Unfreiwillig witzig ist auch nicht immer unbedingt witzig. Obwohl ich gerne über eigene Doofheiten lache, finde ich den Sisyphus mit der Zisterne nicht zum Brüllen komisch. Für Sie ist er es vielleicht.

Es begann alles damit, dass ich im Spätherbst den Hahn an der Doppelzisterne öffnete und das Restwasser ablaufen ließ.  Denn Erfahrung macht weniger blöd, und die Erfahrung war, dass Eisklumpen die Plastik-Zisterne platzen lassen. Als die letzte (?) Frostperiode vorbei war, schloss ich den Hahn und wartete auf den Regen, der die Zisterne rechtzeitig zum Pflanz- und Gießauftakt füllen sollte. Der kam auch, danach aber auch noch mal der Frost. Aber richtig, wie Sie wissen. An die Zisterne dachte ich erst wieder, als die hintere platzte.

Akt 2: Die mit einem Schlauch verbundene Doppelzisterne hatten Fachleute aufgebaut. Nun ging der Laie ans Werk. Die vordere Zisterne war leer, die hintere voll mit einem gewaltigen Eispfropfen. Da ich den Schlauch nicht entfernen konnte (fragen Sie bitte nicht, warum), nahm ich die große Axtzange und kniff den Schlauch einfach durch. Dann schob ich die vordere und wuchtete die hintere Zisterne hervor. Leider scheiterte ich bei den Versuchen, die Anschlüsse herauszudrehen. Zu fest. Passendes Werkzeug hatte ich nicht. Mit der Axtzange richtete ich Unheil an. Auch die heile Zisterne war kaputt.

Akt 3: Da ich nicht die Hybris besaß zu glauben, eigenhändig eine Doppelzisterne einrichten zu können, beschloss ich, dass eine genug sei. Fuhr zum Baumarkt. Kaufte eine Zisterne mit Anschluss. Aber wie kommt das Loch hinein? Freundliche und fachkundige Beratung. Migrantisch aussehend, perfekt deutsch sprechend, übernational kompetent. Die Ideallösung. Seitdem habe ich einen Aufsatz, mit dem ich runde Löcher unterschiedlichen Durchmessers bohren kann (kennt jeder Heimhandwerker, nur ich bis dahin nicht).

Akt 4: Loch in die neue Zisterne gebohrt. Klappte prima. Aufsatz reingedreht. Pfiffigerweise Wasser reinlaufen lassen, bis zum Aufsatz. Alles dicht? Nee. Es tropft. Dritte Zisterne kaputt? Gefrustet zum externen Gärtchen gelaufen. Wo eine andere Zisterne ihren Dienst verrichtet, aber nicht mehr gebraucht wird. Habe ich spontan beschlossen. Zisterne in den Muttergarten geschleppt. Entdeckt, dass der Aufsatz an der Breitseite ist. Passt so nicht in die Zisternen-Ecke beim Regenrohr.

Akt 5: Die neue Zisterne untersucht, Aufsatz rausgedreht, Dichtung untersucht, wo kommt sie hin, hinten oder vorn? Beides ausprobiert, beide Male tropft es. Sicherheitshalber die Dichtung eines Aufsatzes von den alten Zisternen genommen und Dichtungen vorne und hinten eingesetzt. Regenrohr-Klappe runter, ins Loch des alten Deckels (irgendein Fachmann hatte dort ein großes ovales Loch gebohrt) gesteckt (den neuen, an den ich mich nicht wagte, könnte ich bei Ebay für 99 Cent verkaufen, wenn ich denn bei Ebay ver- oder kaufte). Es fing an zu regnen, zu schütten, bald war die Zisterne über den Aufsatz-Rand gefüllt, bald halb, bald mehr, es tropfte nicht. Der Wunderhandwerker war glücklich. Drei Zisternen standen unbrauchbar herum, aber eine funktionierte immerhin. Prima Quote für mich.

Akt 6: Wirklich alles dicht? Beim Vogelfüttern schaute ich noch mal nach. Plopp. Pause. Plopp. ES TROPFT! Wütend drehe ich mich um, bleibe mit dem Fuß in einer Ranke hängen, stürze, mit dem Plastikeimer voller Sonnenblumenkerne an die Brust gepresst, volles Rohr auf den Boden, der Eimer zerbirst an meiner Brust in tausend Stücke. Hans im Glück Sisyphus steht fröhlich auf: Super, nichts passiert. Das scharfe Plastik hätte mir ja die Puls- oder Halsschlagader zerfetzen können. Nur hinter mir macht es leider TROPF TROPF TROPF.

Akt 6 ist noch in der Planung. Ich beobachte das Tropfen und das Sinken des Wasserspiegels. Überschlägig berechne ich, dass die Zisterne etwa zehn bis zwölf Tage braucht, um leer zu laufen. Ein kräftiger Schauer füllt sie für drei bis vier Tage. Wenn ich Glück habe, kommen wir, Sisyphus und seine Zisterne, so über den Sommer. Es sei denn, eine lange Dürre kommt über uns.

Ersatzweise denke ich daran, ein Loch in die Schmalseite der ex-externen Zisterne zu bohren, dann passt sie in die Ecke. Aber wenn es dann tropft, ist auch sie hin.

Die Denkpause dauert. Im Garten stehen vier Zisternen. Eine vom Frost zerstört, eine von mir. Eine heil, die ex-externe. So lange, bis ich ran gehe. Eine neue in Betrieb. Von mir beschädigt. Tropf. Tropf. Tropf.

Man darf sich Sisyphus nicht unbedingt als einen glücklichen Menschen vorstellen. Manchmal ist er nur ein…

Tropf. Tropf. Tropf.

Einzige Freude daran: Ich habe es hiermit aufgeschrieben. Was ich jetzt aufschreiben muss, sind die Montagsthemen, die nach Ostern aber nicht mehr stur hessisch Montagsthemen heißen. Die Überschrift muss ich mir noch ausdenken. Vielleicht…TROPF?

Baumhausbeichte - Novelle