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Sonntag, 18. März, 6.40 Uhr

Draußen frische Schneedecke, es schneit und ist saukalt. Gehe gar nicht erst zum Briefkasten, der motorisierte FAS-Bote war noch nicht da. Kommt auch sicher so schnell nicht. Nur eine winzige Spur zu sehen, sie führt zur Katzenklappe. Zurück von der Jagd. Oder Jagd abgebrochen. Fallen heute die regionalen Fußballspiele aus? Ich wollte/will doch erstmals seit Jahren live dabei sein, Derby meiner beiden Heimatstädte. Gießen gegen Wetzlar, kein Verhältnis wie Frankfurt/Offenbach, sondern gar kein Verhältnis. Als trennte beide ein eiserner Vorhang.

Ich durchforste die Meldungen der Nacht. Bei Bild online schlafen sie wohl noch, sonst ließen sie Putin die Russenpeitsche schwingen und uns mit Schneekanonen beschießen. Dafür die hübsche Schlagzeile, dass Gladbachs Manager Eberl den Hoffenheimer Trainer Nagelsmann beschimpft: „Du kleiner Pisser.“ Eberl ist 1,74 m, Nagelsmann 1,90.

Bei dpa wird ein Theologe 90 und in Passau ein Dackelmuseum eröffnet. Dieser Satz ist, glaube ich,  ein Zeugma. Ein Joch, unter das ein Verb zwei Objekte zwingt.

Bei dem Kirchenmann, früher Freund, danach Gegner vom deutschen Papa Benedikt, denke ich immer an die Geschichte, dass er einmal rückwärts auf der Autobahn gefahren sein soll, weil er eine Ausfahrt verpasst hatte. Polizisten, die ihn stoppten, soll er ohne Unrechtsbewusstsein gesagt haben, er müsse zu einem wichtigen Termin. Gottes Wille bricht StVO.

Paralympics enden. Ich warte auf den behinderten Sportler, der das sagt, was ich gerne sagen würde. So in die Richtung: Abwertung durch Überbewertung. Ähnlich wie der „positive Rassismus“, von dem eine schwarze deutsche Hochspringerin sprach, die sich in der Schule Dinge leisten konnte, für die andere bestraft oder schlecht benotet wurden, was sich die Lehrer bei ihr nicht trauten. Weil  befangen. Angst vor Rassismus-Vorwurf.

Auch der Anti-Rassismus-Spieltag in der Bundesliga gehört zum Befangenheits-Komplex. Worte, nichts als Worte, die denen, die sie aussprechen, wohltun und die, an die sie gerichtet sind, nicht erreichen. Wohlfeile Worte. Kein Vergleich zur schwarzen Faust von Tommie Smith. Die fällt mir ein, weil er kürzlich in Dresden einen Preis bekommen hat. Kaum jemand hat’s mitbekommen. Smith und Carlos hatten es nach ihrer Aktion in den USA schwer. Ach, da fällt mir …

Nein, Breaking News: Der Streuwagen rauscht vorüber. Bravo, Jungs! Sind ja wohl Jungs. So weit geht die Emanzipation nun doch nicht

… Jesse Owens ein. Seine Kritik an den beiden, wie von einem weißen alten Redneck. Oder das Transparent am Gießener Stadttheater: „Garantiert ausländerfreundlich“. Oder die Vorgäner-Aktion in der Bundesliga, fünf Minuten ohne Rechtsaußen zu spielen. Was sehr apart war, denn es folgten 85 Minuten mit Rechtsaußen. Conclusio von Matthias Beltz: „Auch der Ausländer hat ein Recht darauf, ein Arschloch zu sein.“

Vor ein paar Tagen schrieb ich im Blog über den ersten Storch der Saison, den ich in der Lahnaue gesehen habe. Der arme Kerl. Was macht er heute bloß? Zurückfliegen ist keine Option.

So. Das war’s an dieser Stelle. Montagsthemen folgen. Blog vorher noch einmal nachgelesen. Im Flow geschrieben, liest er sich so, wie sich die Montagsthemen-Kolumne lesen sollte, ungezwungen, leicht und locker von einem Thema zum anderen springend. Wie im Training. Die Zeitungs-Kolumne ist der Wettkampf. Hoffentlich verkrampfe ich nicht. Oder verkacke ihn gar, so wie früher als Sportler. Vorteil Trainings-Blog und Wettkampf-Kolumne: Die Leistung vom Training kann im Wettkampf kopiert werden. Copy and paste heißt das heutzutage, glaube ich. Beziehungsweise auf meinem Laptop: „Strg A“. Ich glaube, diese Taste kommt heute wieder mal zum Einsatz. Aber vorher: KKKK.

 

Baumhausbeichte - Novelle