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Mit dem Doppelpass … (“Wer bin ich?” vom 15. März)

Fußball war immer meine Sportart Nummer eins. Angefangen habe ich bei meinem Heimatverein in der D-Jugend. Wir haben aber leider meistens zweistellig verloren, daher bin ich zu einem anderen Klub gewechselt. Und von dem wieder zu einem anderen, und wieder … ich war also ein früher Fußball-Wandervogel, bin dabei aber in der Heimatregion geblieben.
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Ich habe auch Basketball und Handball gespielt, war bei den Turnern und Tischtennisspielern, ich habe alles probiert, aber so richtig gepasst hat es nur im Fußball. Auf den habe ich mich dann auch konzentriert, habe in der B-Jugend Rechtsaußen gespielt und war ein echtes Talent. Drei andere Spieler von uns hatten ebenfalls lange Haare, was damals zumindest auf dem Land noch nicht sehr gerne gesehen wurde. Wir wurden als Netzer-Quartett beschimpft, was uns aber nichts ausmachte. Im Gegenteil, da wir fußballerisch viel drauf hatten, bestraften wir die Klotzköppe nicht mit Worten, sondern mit Toren.
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Ich sah mich schon in der Nationalmannschaft, doch in der A-Jugend riss ich mir die Bänder, mit der ganz großen Karriere schien es nichts mehr zu werden. Ich hing mit anderen Kumpeln herum, unser »Sport« bestand darin, regelmäßig einen Kasten Bier zu leeren, so dass ich schon nach ein paar Wochen zehn Kilo schwerer war.
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Beinahe wäre ich Sportjournalist geworden. Ein Volontariat hatte ich schon zugesagt bekommen – doch das sagte ich ab, denn mit dem Klub, der mich zuvor verpflichtet hatte, stiegen wir überraschend in eine höhere Liga auf, und diese Karriere schien mir dann doch lockender und lohnender als die eines Sportredakteurs. Zum Glück. Denn jetzt begann die große Profi-Karriere.
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Falls Sie immer noch nicht wissen, wer ich bin, verrate ich Ihnen, was mich als Spieler auszeichnet … nein, lieber nicht, das wäre mir etwas peinlich, das soll mal schön der Herr Sportredakteur machen. Leg los, Junge!
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Ja, also, ich sag mal, der Gesuchte ist ein prima Mannschaftsspieler. Die Defensive ist zwar nicht seine Stärke, aber das gleicht er mit seinen super Offensivleistungen aus. Er ist neben dem Platz ein Leiser, ein Lieber, aber auf dem Platz geht er voll aus sich heraus, gibt lautstark Anweisungen, spricht sich mit seinem bevorzugten Doppelpass-Partner schon vor dem Spiel ab, kreiert geniale Spielzüge, für die es oft genug Beifall auf offener Szene gibt. Aber er beherrscht nicht nur den Doppelpass, sondern streut gelegentlich Soli ein, die an einen anderen großen Solisten im Fußball erinnern: Jay-Jay Okocha. Was mir an ihm besonders gut gefällt: Bei aller Genialität ist er kein bisschen abgehoben, was seine Mitspieler bestätigen, ich auch, denn ich durfte ihn persönlich kennenlernen. Er ist, auf gut hessisch, einfach en eschte Kerl.
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Lass mal gut sein mit der Lobhudelei. Ich möchte Ihnen, liebe Leser dieser Zeitung, aber noch ein paar Tipps geben: Dass ich ein »eschte Kerl« sein soll, heißt nicht, dass ich der echte Herl bin, und obwohl gerade heute viele Menschen an mich denken, bin ich nicht Julius Caesar, auch nicht Asterix oder Obelix, sondern …. wer bin ich? (Einsendeschluss: 19.März) (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle