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Montagsthemen (vom 12. März)

Samstag Nachmittag zu Hause. Sky-Konferenz. Vier Spiele nur, der größere Rest ist  weggesplittert. Übliches Gekicke in Hannover, uninspiriert. Dito in Berlin, doch noch mehr Gewürge, vor halb leeren Rängen. Wolfsburg in Hoppenheim: unterirdisch. Dann Zuschauen beim Bayern-Trainingsspielchen. 11 gegen 11 wie 5 gegen 2. Weggeguckt beim HSV. Ihm können nur noch Sadisten zuschauen.
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Tags darauf lese ich in der FAS: »Der Fußball und das Geld – viele warten nur darauf, dass die Blase platzt.« Ich warte schon lange, »Anstoß«-Leser wissen es. Mit mir als Fallbeispiel. Siehe Samstag Nachmittag zu Hause. Kein teures Vergnügen mehr, sondern mit 50 Euro im Monat (+ Champions League) nur noch teuer. Aber bald nicht mehr. Ich kündige. Fernseher angeödet aus, raus in den Garten. Altes Laub wegrechen. Das recht sich nicht von selbst. Aber  die Bundesliga. Allerdings mit »ä«. Letztes Pusten in die Blase. Heute wieder. In Bremen.
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Noch einmal FAS. Auf derselben Seite geht es um »Big Data« im Sport, mit den Golden State Warriors als Beispiel, Prototyp und »Silicon-Valley-Start-up-Fabel«. Algorithmen übernehmen die sportliche Macht, das geht von simplen Erkenntnissen, dass man mit konsequentem Drei-Punkte-Spiel am erfolgreichsten ist (darauf wäre ich zur Not auch analog gekommen) bis zu Kompliziertheiten, die mir viel zu hoch sind, als dass ich sie auch nur referieren könnte.
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Der digitale Datenwahn hat längst auch den Fußball erfasst. Er ist maßgeblich am alltäglichen Bundesliga-Gewürge beteiligt, denn er würgt die Inspiration ab, will das Glück und den Zufall wegprogrammieren und taugt vor allem dazu, aus schlechten Mannschaften mittelmäßige zu machen, die guten das Leben schwermachen können. Ergebnis: allgemeines Gewürge.
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Big Data unaufhaltsam? Es gibt sogar schon Studiengänge dafür, genannt »Sports Analytics«. Sehr angesagt und krisensicher. Aber nur scheinbar. Denn wenn die Blase platzt, und sie wird platzen, was wird dann aus dem Studiengang ohne Stadiongang? Zumal zwei Blasen platzen werden: eine im Fußball und die andere im digitalen Raum. Ich weiß, das glaubt noch kein Mensch. Ich schon. Aber das ist ein anderes Thema.
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Am Thema Paralympics kann man sich die Finger verbrennen. Vorsichtige Annäherung: Laut Umfrage wissen 89 Prozent der Deutschen, dass es die Paralympics gibt, aber nur 22 Prozent interessieren sich dafür. Ann-Lena Forster, eine Moniskifahrerin, hat manchmal das Gefühl, dass sie nicht als Leistungssportlerin anerkannt wird, sondern als Mensch, dem man gerne mal was Gutes tut (Quelle: SZ). Das Gefühl teile ich und frage daher auch, ob es für die, zum Glück, vergleichsweise wenigen Behinderten zu viele Medaillen gibt? Zu viele (Schadens-)Klassen?
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Beim Gutseinwollen setzt sich manchmal das Schlechtere durch. Das würde mich zu einem ganz anderen Thema führen, dem Flüchtlingsproblem allgemein und dem aktuellen Fall Tellkamp/Suhrkamp speziell. Das aber lasse ich hier  lieber. Gutseinwollen und die Konsequenzen – wen’s interessiert, der möge den  Online-Ableger »Sport, Gott & die Welt« mit dem »gw«-Blog vom Sonntag anklicken.
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Außerdem orientieren sich die Paralympics mit ihren Medaillen nur an den Olympischen Spielen, deren »kleine Schwester« sie ja auch sind. Sagt Günter Eisinger, nicht nur als Extrainer von Ariane Friedrich eine gute Adresse im deutschen Sport. Der Friedberger liest den »Anstoß«, ist sogar »großer Fan« und hat sich kürzlich »köstlich amüsiert« über den beherzt gescherzten Vorschlag, im benachteiligten Eine-Medaille-Sport Eishockey die Disziplinen Torschützenkönig, bester Goalie und Penalty-Schießen einzuführen, verdoppelt durch Wettkämpfe mit langem und kurzem Schläger.
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Sehr albern, gab ich zu. Aber offenbar nicht albern genug für die alberne olympische Welt. Wie Günter Eisinger jetzt erfuhr, erwog das IOC dieser Tage in Pjöngjang, einen Sprint-Wettbewerb im Bob und beim Rodeln einzuführen, mit nur einem Lauf, bei dem die gewertete Zeit auf einem bestimmten Streckenabschnitt gestoppt wird (wie bei Trainingssprints der Leichtathleten mit fliegendem Start). Wirklich wahr! Selbst wenn der Rodel-Sprint nicht eingeführt wird – schon alleine die Erwägung beweist, dass Satire keine Chance gegen das wahre Leben hat.
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Zu viele Disziplinen hier, zu viele Schadensklassen dort? Zum Glück nur eine Frage des Sports und außerhalb eher unerheblich. Denn, ich wiederhole mich: Jeder Mensch ist eine Klasse für sich.  (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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