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Ohne weitere Worte (vom 6. März)

»Ich beobachte immer interessiert die Dynamiken auf einem Fußballplatz in ländlichen Gegenden. Dort, wo das ganze Dorf noch am Spieltag zusammenkommt. Die Leute (…), egal welchen Status sie haben, sitzen alle auf der gleichen, kleinen Tribüne.« – Sozialdemokratische Utopie in Reinform. – »Naja, die findet man durchaus auch in der Bundesliga.« (Fußball-Fan und Juso-Chef Kevin Kühnert im 11Freunde-Interview)
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Wo denn? – »Zum Beispiel in der Ultraszene während der Proteste um die Montagsspiele. Ich glaube, dass durch die Repressionen ein Bewusstsein dafür wächst, dass stellvertretend über eine Entwicklung gestritten wird, die wir in der gesamten Gesellschaft feststellen. (…) Vieles, was in Fankurven ausgehandelt wird, ist nicht viel anders als auf politischen Demonstrationen am Wochenende. Überwachung, Kommerzialisierung, Selbstbestimmung — und die übergeordnete Frage: Wem gehört das Ganze?« (Kühnert/11Freunde)
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Finden Sie auch, dass Sie manchmal ein bisschen wie Lukas Podolski aussehen? – »Ja! Vor allem wenn ich kurze Haare habe. Das liegt wahrscheinlich daran, dass wir beide einen polnischen Einschlag in der Familie haben. Einmal saß Lukas Podolski neben mir – ich konnte uns selber kaum auseinanderhalten. Ich wäre fast zum Training gegangen danach.« (Fernseh-Unterhalter Klaas Heufer-Umlauf in der Interview-Reihe »99 Fragen« von Moritz von Uslar im Zeit-Magazin)
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Es gab immer schon Profis, die konnten nur bis 35 rechnen, mit 35 war ihre Karriere zu Ende, das Geld weg. (…) Aus Helden der Südtribüne wurden Härtefälle des Sozialamts; auf dem Platz konnten sie mit den Beinen alles, im Leben danach bekamen sie kein Bein mehr auf die Erde. (Der Spiegel)
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»Ein guter Trainer kann aus einer schwächeren Mannschaft eine mittelmäßige machen, aus einer mittelmäßigen eine gute. Umgekehrt funktioniert das leider auch.« (Schalke-Manager Christian Heidel im Interview der Welt am Sonntag)
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Die 50 sind das Monster von Olympia, ein archaisches Drama. Wissenschaftler ermittelten mal, dass mit den Laktatwerten der Läufer Salat angemacht werden könnte, so übersäuert sind die Muskeln. (Patrick Krull in der WamS)
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Was ist mit der Individualität, mit der Einzigartigkeit des Einzelnen, was mit der Freiheit, zu entscheiden und zu handeln, wenn doch alles vorgespurt ist wie einst beim Pflichtprogramm im Eiskunstlauf? (Martin Ebel in der Süddeutschen Zeitung in einer Rezension des neuen Romans »Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt« von Peter Stamm)
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Ich komme aus Berlin, aus Tempelhof. Wer dort aufwächst, der muss einiges einstecken. Als kleiner Junge wurde ich adoptiert. Ich habe türkische Wurzeln, bin aber bei deutschen Eltern groß geworden. (…) Das ist eine gefährliche Mischung dort draußen auf den Straßen. Türken haben mich als Bastard beschimpft, weil ich kein Türkisch konnte. Deutsche haben mich angegriffen, weil ich Türke war. (…) Natürlich habe ich mich gewehrt, musste deshalb sogar in den Jugendknast. (…) Der Sport hat mich da rausgeholt. (Attila Hildmann, Kochbuchautor und Triathlet, in der Serie »Denk ich an Sport« der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung)
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»Er wollte aus mir einen sehr ruhigen, balancierten Kerl machen. (…) Mit meiner Persönlichkeit ist das schwer. Ich bin natürlich Deutscher, aber trotzdem habe ich was Russisches in mir, und die besten russischen Spieler waren immer ein bisschen verrückt.« (Alexander Zverev im Interview der Frankfurter Allgemeinen über die Trennung von Trainer Juan Carlos Ferrero)
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»Ich hatte von ihm (Anm.: Zverev) vor allem Respekt gegenüber dem Team verlangt. Ich hatte ihn unter anderem gebeten, pünktlicher zu sein.« (Ferrero, zitiert bei dpa)
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»Über Trump wird immer gesagt: Wir sollten auf alles vorbereitet sein, ihm sei jederzeit alles zuzutrauen. Das Gleiche gilt für Dylan. Wenn er demnächst in der Halbzeit des Superbowl in einem Werbespot für Chrysler auftauchte, ich wäre nicht überrascht.« (Joan Baez, Ex-Freundin von Bob Dylan, im Spiegel-Interview)
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Trump empfahl (…), künftig Lehrer zu bewaffnen. (…) Zur Überprüfung der Umsetzbarkeit dieses Vorschlags empfehlen wir ein Gedankenexperiment: Stellen Sie sich wahlweise Ihren ehemaligen Chemie- oder Erdkundelehrer mit einer halbautomatischen Waffe in einer Stresssituation vor. (Sascha Lehnartz in der WamS) (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle