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Sonntag, 4. März, 6.40 Uhr

Immendorff und der Affe. Später. Jetzt: Es hat noch mal geschneit. Etwa einen bis zwei Zentimeter. Ein letzter Gruß des Winters? Abseits der Straße ist alles noch tief verschneit. Hier oben auf dem Berg aber nur. Auf der Fahrt gestern von der Nordsee nach Mittelhessen war Deutschland links und rechts der Autobahn trotz der langen Kälteperiode so gut wie schneefrei. Nur auf einer ganz kurzen Strecke bei Flensburg türmte sich noch der Schnee (ach ja, der Spielausfall der Handballer).

Allerwichtigste Meldung der Nacht: Waldemar Hartmann wird in ein paar Tagen 70. Ein treuer Begleiter meiner Kolumnen. Der Mann mit der Aquabar. Völler, Weißbier usw. Alles noch bekannt. Beim Klick in mein Archiv stoße ich auf eine sogar mir unbekannte, weil vergessene, aber grandiose Stelle aus unseren (= Beltz, Altenburg, gw) Jahresendzeitgesprächen um die Jahrtausendwende.

Altenburg: »Ich verstehe ja gar nix vom Sport. Ich schaue mir das an wie ein Eskimo, der durch den Englischen Garten läuft und nicht anders kann, als sich dauernd zu wundern. Während der Weltmeisterschaft kam ich aus dem Wundern gar nicht mehr heraus. Für mich waren das alles Aliens: die Spieler, die Trainer, die Kommentatoren. Hätte ich nicht gewußt, daß er Sportjournalist ist, ich hätte Waldemar Hartmann, als ich ihn dieser Tage in einer Talkshow sah, sicher für den Vorsitzenden der DVU gehalten, als er zum Thema Kindererziehung sagte: A Watschn hat noch keim‘ geschadet.« In dieser Talkshow waren auch Sie Gast, Herr Beltz, haben mit Hartmann danach privat gesprochen und ihn als sehr nett empfunden . . . Beltz: »Komisch: Wenn man von jemandem sagt, als Kommentator finde ich ihn furchtbar, und dann trifft man sich . . . wahrscheinlich wäre es mir mit Adolf Hitler genauso gegangen. Wenn ich ihn in einer Kneipe getroffen hätte, dann hätte ich vielleicht gesagt, der Führer ist an sich, so ab elf am Abend, ein ganz netter Mensch. Weil er eben auch nichts getrunken hat und dadurch nicht so furchtbar gelallt hätte, und solche Leute hat man manchmal ganz gern. Es hat immer wieder etwas Überraschendes, wenn man Prominente aus Funk, Fernsehen und Reichsparteitag trifft, daß die manchmal eigentlich so sind, wie man auch selber sein könnte.« Altenburg: »Der Beltz hat’s gut, der scheint sich vor gar nichts zu ekeln, der kann sich sogar vorstellen, ein Hartmann zu sein.« Beltz: »Lieber Kollege, in jedem von uns schlummert ein Hartmann

Das ist ja das Schlimme. Aber ist das nicht grandios? Zum Bild: Einige rieten sogar weltweit umher, auf sehr originelle Weise. Walther Roeber wusste, dass es in Dänemark sein muss, Dr. Sylvia Börgens fand auch den Ort:  „Das sind Sie, warm bekleidet, vor einer Bunkerwand in Blavand/Dänemark, Ihrem winterlichen Ferien-Refugium. Das Graffito stellt vielleicht einen Affen dar mit einer Palme in der Hand. Ich erinnere mich noch an die Bunker-Pferde vor ein paar Jahren.“  Ah, ja, ich hatte vergessen, dass ich über die Bunker schon einmal (oder mehrmals?) geschrieben hatte. Andreas Hofmann bringt es auf den Punkt: „Das war leicht zu finden, da Sie schon einmal eine ähnliche Frage gestellt haben. Das ist der Affe von Jörg Immendorff am Strand von Blavand in Dänemark.“

So ist es. Dann wiederhole ich mich ausnahmsweise mal nicht und verweise Interessierte auf die Suchwörter „Immendorff“, „Blavand“ und zur Abrundung „Tirpitz-Stellung“.

Eine Woche an der erstmals vereisten Blavand-Küste, mit gefrorener Gischt im gefrorenen Watt. Zwar Zeitung gelesen, per Laptop auf dem Stand geblieben, aber gedanklich weit entfernt vom Sport, wie immer hier oben. Das wird schwierig mit den Montagsthemen. Meine ich zwar immer um diese Zeit, aber diesmal wird es das ganz bestimmt. Immer noch Sportleere im Kopf. Aber auf dem Anrufbeamter … ha, echt wahr, echter Verschreiber, das kommt auf den Zettel. Von den BVB-Beamten habe ich gelesen, das gänzlich unverbeamtete Spiel gestern gesehen … auf dem Anrufbeantworter höre ich, ihn nach der Rückkehr abhörend,  die Stimme von G. E. Lange nichts mehr von ihm gehört. Er ist „immer noch Fan deiner Kolumen“ und bittet um Rückruf, er habe da vielleicht etwas für mich.  Wenn G. E. das sagt, hat er ganz bestimmt etwas für mich. Aber ich kann ihn ja nicht in dieser Herrgottsfrühe zurückrufen, in der ich die Montagsthemen schreibe. Danach rufe ich an. Bin schon gespannt.

Jetzt erst einmal KKK. Ohne das vierte K. Der Kuchen hat es nicht nach Hause geschafft. Kaffee, Knicks und Kuss sind aber schon da.

Baumhausbeichte - Novelle