Archiv für März 2018

Karfreitag, 30. März, 12.10 Uhr

Sport-Stammtisch eingestellt. Nein, nicht für immer beendet, sondern online gestellt. Schwierig, die Sache mit den Wörtern. Im ersten Satz stand zuerst „Spanien schwellt die Brust“. Beim Nachlesen darüber gestolpert, zu „schwillt“ korrigiert. Gefiel mir aber nicht, noch einmal geändert, zu stolzgeschwellter Brust. Weiterführende (oder weiter führende) Verunsicherungen lasse ich verunsichert: stolzgeschwellter … stolz geschwellter … Stolz geschwellter… ist mir doch egal. Falls Korrektoren heute Dienst haben, mögen sie zur korrekten Tat schreiten.

Im hinteren Bereich zur absurden Multimillionen-Frage, ob Armstrong seinen Sponsor betrogen habe, schrieb ich zunächst: Wenn keinen, dann ihn! Nachgelesen, unsicher geworden: Müsste es logisch nicht heißen: Wenn keinen, dann ihn nicht? Entschieden habe ich mich für: Wenn einen nicht, dann ihn! „Wenn keinen, dann ihn!“ gefällt mir besser. Wäre aber falsch, oder? Ich fürchte, mir sind die Magen-Darm-Drecksäcke in den Kopf gestiegen, die mir vorne und hinten so viel Erleichterung verschafft haben, dass ich in einer Nacht drei Kilo leichter wurde. Jetzt verunreinigen sie den Kopf. Hoffentlich haben sie nicht auch noch den Sport-Stammtisch verunreinigt. Schnelle Leser, bitte für Zeitungs-Korrektur melden!

Ach so, ja: Frohe Ostern!

Veröffentlicht von gw am 30. März 2018 .
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Sport-Stammtisch (vom 31. März)

Spanien mit stolzgeschwellter Brust, Argentinien geknickt, Deutschland jauchzt erst halbhoch, ist dann mitteltief bedrückt, Brasilien feiert … Wiedergutmachung und Auferstehung gleichzeitig? Nichts von beidem, und auch alle anderen WM-Vorgefühle sind fehl am Testspielplatz. Auch Brasilien könnte bald wieder weinen. Für die Trainer gab es kleine individuelle Fingerzeige, für einige Spieler Positionsveränderungen im Nominierungsrennen, aber das war’s dann auch schon. Die Lage vor dem WM-Start ist unverändert, die Favoriten bleiben die gleichen, gleichauf und … viele: alle oben Genannten, dazu vor allem Frankreich und noch ein paar mehr, bis hin zu Belgien und, ja, auch England.
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Einer hat allerdings jetzt schon verloren. Nicht mal im Kader stand er. Mario Götze. »Was ist alles schiefgelaufen bei diesem Fußballspieler, den Trainer als Jahrhunderttalent bezeichneten?«, fragt die Zeit ziemlich ratlos. Ich weiß es natürlich auch nicht, habe nur eine Vermutung. Götze ist kein Instinktfußballer mehr, sondern ein Instagram-Kicker. Beim frühen Mario gab es zwischen Kopf und Fuß eine superschnelle Standleitung. Mit dem Aufstieg zum Teenie-Idol und Internet-Star kam ein Stopper in die Verbindung, ein zwischen die Einheit Kopf-Fuß eingebautes Verzögerungselement. Götze will sein Auftreten kontrollieren, gibt keine spontanen Interviews (was nicht falsch ist), produziert sich aber exzessiv in den sogenannten sozialen Medien, jeden Auftritt sorgsam inszenierend. So spielt er auch Fußball: Nicht mehr spontan, instinktiv, sondern kontrolliert und inszeniert – und daher wirken seine »Moves« nicht mehr verwirrend schnell, sondern träge.
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Na ja, vielleicht dummes Zeug. Vielleicht ist’s ja wirklich einzig und allein die mysteriöse Stoffwechselstörung. Jedenfalls: jammerschade. Wunderheilung gibt es nicht. Es sei denn … Klopp … Liverpool … beim Jung-BVB auf britische Art … wer weiß?
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Von Instagram, Twitter & Co. zum E-Sport ist’s nur ein kleiner Klick. Die GroKo hat dieses Tipp-Kick9.0 zum Regierungsauftrag erhoben und will »E-Sport als eigene Sportart anerkennen und bei der Schaffung einer olympische Perspektive unterstützen«. Rumgeschleime und Rangeschmeiße ans digital Hippe. Die Sporthochschule Köln schleimt mit und bescheinigt E-Sportlern eine weit höhere Leistungsfähigkeit als Normalbürgern, und die taz, natürlich, schmeißt sich vehement mit ran und schenkt dem E-Sport eine ganze redaktionelle Seite als unbezahlte Anzeige.
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E-Sport sei sportlicher als Schach, Bogenschießen oder Formel 1, behaupten seine Lobbyisten und verweisen auf »200 bis 300 Bewegungen von Gamern pro Minute«. Stimmt. In diesem Sinne war ich ein E-Sportler der ersten Stunde. Gibt es sie noch, den Gameboy und Tetris? Ich weiß es nicht und will es nicht wissen. Ich bin geheilt. Vor vielen Jahren spielte ich monatelang ein Fernduell mit meinem besten Freund. Einstürzende viereckige Klötze fugenlos einsortieren, immer schneller, immer schneller. Wir trieben uns zu Höchstleistungen, bis es in nervöse Ticks ausartete. Finger und Kopf zuckten noch lange nach der dicksten Rakete, die als Leistungs-Prämie auf dem Gameboy startete. – Tetris erfüllt die sportlichen Kriterien mindestens wie der E-Sport. Oder wie Ballerspiele. Mehr Sport bietet Paintball. Oder das nächtliche Raser-Duell in der Innenstadt. Noch mehr Sport gibt es nur bei der Ultimate-Fighting-Version von Hool-Derbies im Wald. Rein damit in den Koalitionsvertrag!
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Eines Tages erfuhr ich von einer offiziellen Tetris-Bestenliste in der Bravo und registrierte stolz, dass meine Punktzahl zu Platz drei gereicht hätte. Später Medaillenplatz für einen damals schon Ü50-Aktiven unter lauter schnellfingrigen Teenies. Erst als die Liebste aus meiner liebsten Zielgruppe ultimativ einschritt, gab ich auf, sah aber noch wochenlang Klötze vom Himmel regnen, schneller, immer schneller, immer sch…sch..sch…
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Mein Freund hatte am Schluss ein paar Punkte mehr auf dem Konto. Warum weiß ich das so genau, obwohl es ein unkontrollierbares Fernduell war, er in Berlin, ich in Hessen? Weil er es gesagt hat. Unter echten Sportlern gibt es keinen vorsätzlichen Betrug. Unvorstellbar, dass er mich oder ich ihn angelogen hätte.
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Unvorstellbar aber auch, was jetzt den australischen Nationalsport Cricket erschüttert: Der Nationalmannschafts-Kapitän stiftet einen Mitspieler an, den Spielball anzurauen, ein schweres Handicap für den Gegner. Die Sache fliegt auf, der schamgebeutelte Kapitän heult öffentlich, der Nationaltrainer tritt zurück, und die Australier, die so gerne als Saubermänner und Ankläger auftreten, sind geschockt (geschieht ihnen recht; kommt mir irgendwie bekannt vor).
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Im Kricket den Ball anzurauen ist vorsätzlicher Betrug. Dagegen ist die hässliche Schwalbe im Fußball »nur« eine spontane Vorteilsannahme. Übelster Betrug war das System Armstrong. Armstrongs Millionen-Prozess beginnt in Kürze, es geht um die absurde Frage, ob er seinen Sponsor US Postal betrogen habe. Wenn einen nicht, dann ihn! Auch Jan Ullrich hat Telekom nie betrogen, es sei denn, der Sponsor hatte Tomaten auf den Augen und Nullstrom im Sporthirn. Außerdem hat Ulle niemanden betrogen, der sich nicht die Jogginghose mit der Kneifzange anzieht, sondern sich gegen das System Armstrong notgewehrt.
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Ich weiß, ich weiß, alles Ansichtssache. Wie die arrogante Ignoranz, über Usain Bolts Fußball-Bemühungen abzulästern, »dass seine technischen Fähigkeiten kaum über die eines Drittliga-Fußballers hinausgehen« (SZ). Kaum? Also doch etwas, also schon zweitklassig. Stimmte es, wäre es eine phänomenale Leistung des Supersprinters. Am ehesten würdigen könnten dies … Drittliga-Fußballer.
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Zu guter, nein, zu schlechter Letzt noch abseits des Sports ein Wort zu Ostern. Dass in Deutschland aus wirtschaftlichen Gründen Jahr für Jahr 45 Millionen Küken geschreddert werden, ist so ungeheuerlich, dass wir lieber erst gar nicht darüber nachdenken wollen, was das für uns als gefühlt doch so empathische Wesen bedeutet. Frohe Ostern! (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Veröffentlicht von gw am 30. März 2018 .
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Erbarme! … zu spät (WBI-Auflösung vom 29. März)

Google half diesmal nichts, gar nichts. Es musste urplötzlich »Klick« machen … oder auch nicht, wie sogar echte WBI-Profis frustriert erfahren mussten, die auf der falschen Weide grasten – auf dem grünen Rasen und nicht auf der Bühne.
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»Klick« machen wird es bei allen, wenn sie noch einmal die Kurzfassung der Aufgabenstellung lesen und in Klammern das, was ich verschweigen musste, um die Lösung nicht kinderleicht zu machen. Los geht’s: Ein durchaus respektables Fußball-Talent verletzte sich in der A-Jugend schwer, die große Fußball-Karriere war beendet, bevor sie beginnen konnte. Der frühe Ex-Fußballer hing dann mit anderen Kumpeln (von den Rodgau Monotones) herum und nahm schnell zehn Kilo zu, woran etliche Kästen Bier nicht schuldlos waren. Beinahe wäre er Sportjournalist geworden. Ein Volontariat (bei der Frankfurter Neuen Presse) hatte er schon zugesagt bekommen – doch das sagte er ab, denn mit dem Klub, der ihn zuvor verpflichtet hatte (Rodgau Monotones) stieg er (mit »Erbarme, die Hesse komme!«) überraschend in eine höhere Liga auf, und diese Karriere schien ihm dann doch lockender und lohnender als die eines Sportredakteurs.
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Jetzt dürfte alles klar sein. Auch, dass er einen bevorzugten Doppelpass-Partner hat (Gerd Knebel), mit dem er geniale Spielzüge kreiert, für die es Beifall auf offener Szene gibt. Und er beherrscht natürlich nicht nur den Doppelpass (bei Badesalz), sondern streut gelegentlich Soli ein (als Sänger mit eigener Band).
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Des letzten Tipps hätte es dann gar nicht mehr bedurft, aber eben nur, wenn es schon vorher »Klick« gemacht hat: »Obwohl gerade heute viele Menschen an mich denken, bin ich nicht Julius Caesar, sondern …«
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… Henni Nachtsheim, der am 15. März, an dem diese WBI-Runde erschien, Geburtstag feierte, an den Iden des März also, die Julius Caesar zum Verhängnis wurden. Der 15. März wurde auch jenen Mitratern zum Verhängnis, die googelten, wer an diesem Tag Geburtstag hatte – und Bernd Nickel fanden. Reinhard Schmandt ließ sich nicht irritieren: »Der Hinweis auf den 15. März hatte mich ursprünglich zu Bernd Nickel geführt, der an diesem Tag geboren wurde und mit »Holz« immer wieder gern Doppelpass spielte, aber vieles andere stimmte nicht (Alter, Kreuzbandriss in Jugend, Volontariat!!).«
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Großes Pech hatte Wolfgang Egerer aus Rosbach-Rodheim: »Der Einsendeschluss naht, und ich habe keine Ahnung. Von Michael Herl (Pirmasens) über Heinz Kubsch (Pirmasens) bis zu Henni Nachtsheim (lt. »gw« en eschte Kerl) alles Erdenkliche gegoogelt und nix gefunden. Auch die Iden des März haben nicht weitergeholfen, also: Aufgabe.« – Erbarme! Zu früh aufgegeben.
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Der 15. März spielte auch bei Peter Hett aus Bad Nauheim eine irritierende Rolle: »15. März 1980, nicht nur für Eintracht-Fans ein bitterer Tag: Loddar grätscht Grabbi final ab. Daher entscheide ich mich für Jürgen Grabowski, Lieblings-Doppelpasspartner von Gerd Müller.« Bei Theo Nauheimer dagegen hatte es an der richtigen Stelle »Klick« gemacht. Er hatte fast schon aufgegeben, »als mir beim Stöbern das Buch ›Den Schal enger schnallen und in die Ohren spucken‹ in die Hände fiel. Schon auf Seite 8 fiel der Groschen.« Denn dort, aus meinem Vorwort zu Henni Nachtsheims Eintracht-Buch, hatte ich den Text übernommen und nur leicht verrätselt.
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Selten gab es so viele falsche Lösungen (Bernd Nickel und Uwe Bein wurden am häufigsten genannt), selten so wenige richtige. Nur diese acht kamen auf Henni Nachtsheim: Helmut Bender (Linden), Paul-Ulrich Lenz (Schotten), Dieter Neil (Buseck), Walther Roeber (Bad Nauheim), Karola Schleiter (Florstadt), Rüdiger Schlick (Reichelsheim), Reinhard Schmandt (Pohlheim), Jochen Schneider (Butzbach) – Herzlichen Glückwunsch! Auch von unserem Kolumnisten Henni Nachtsheim. (gw)
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(www.anstoss-gw.de  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Veröffentlicht von gw am 29. März 2018 .
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Ohne weitere Worte (vom 27. März)

Die Bundesliga ist (…) zum Schauplatz eines verkopften Schlaubergerfußballs geworden. (…) Im Ergebnis wird gar nicht mehr das Tor des Gegner angegriffen, sondern zum Beispiel dessen Stärke im Anlaufverhalten auf der linken Außenbahn. (…) Löw meint, dass Lionel Messi (…) in manchen Bundesligateams keine zehn Tore in der Saison schaffen würde. Weil diese Mannschaften ihn nicht in Position bringen würden. (Jörg Kramer in der Zeit)
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»Das ist mein Traum: Bayern München kommt um die Ecke und sagt: Wir wollen den Spieler von euch haben. Und ich kann antworten: Nein, den geben wir nicht ab! Wir sind jedoch Realisten. So schnell wird das nicht gehen. (Eintracht Frankfurts Sportchef Fredi Bobic im Interview der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung)
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»Bei Barcelona und Real Madrid sehe ich als mitgliedergeführte Vereine auch keine komplette Erfolglosigkeit. Und ganz generell sei gesagt, wir sollten uns mehr um einen spannenden Wettbewerb bemühen, als um das Rattenrennen um den potentesten Investor.« (St. Paulis Präsident Oke Göttlich im taz-Interview über das Festhalten an der 50+1-Regel)
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»Es wurde ein emotionales und populistisches Spektakel von Rettig (Anm.: Geschäftsführer des FC St. Pauli). Das ist das eigentlich Unglaubliche an diesem Ergebnis. (…) Es befremdet mich, dass ein Zweitligist, der nach meinem Kenntnisstand noch nie in einem europäischen Wettbewerb mitgespielt hat, auf einmal nicht nur eine so prominente, sondern auch dominierende Rolle einnimmt.« (Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge im Kicker über den Einfluss von St. Pauli auf die 50+1-Abstimmung)
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Was haben Usain Bolt und Mario Götze gemeinsam? Schon klar, der Speed verbindet die beiden nicht. (…) Am Freitagvormittag standen beide gemeinsam auf dem Trainingsplatz in Brackel. In der vierten Minute des Abschlussspiels köpfte Bolt den Ball ins Tor, die Flanke kam von Götze. (Michael Wittershagen in der »Schluss für heute«-Kolumne der FAS)
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Der Videobeweis (…) könnte die Geste der Zukunft auf den Straßen Moskaus werden: der mit ausgestreckten Armen und erhobenen Zeigefingern empört in die Luft gemalte Bildschirm. Mit dem die kleinen Leute den Mächtigen sagen: Stopp, das glauben wir nicht. Das wollen wir uns noch mal anschauen. (Peter Kümmel in der Zeit)
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Im Schnitt gucken sich durchgängig fast drei Millionen die weiße Pracht auf ARD und ZDF an. Sie können gar nicht genug bekommen von der Dauerwerbesendung mit angeschlossenem Sportbetrieb, von all dem zweckfreien Geloipel, Geschieße und Gespringe, das so eine herrlich sedierende Wirkung entfaltet. (Markus Völker in der taz)
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Ihr Song Seven Nation Army (…) ist auch eine Hymne, die europaweit in Fußballstadien gesungen wird. In München dröhnt der Song nach jedem Tor des FC Bayern aus den Lautsprechern. Bekommen Sie da jedes Mal Geld? – »Wenn die Fans den Song singen, nicht. Wenn er über die Lautsprecher abgespielt wird, dann schon.« (Jack White, »Erneuerer der Rockmusik«, im Interview des SZ-Magazins)
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Sie selbst haben es meist geschafft, Ihr Privatleben aus der Öffentlichkeit herauszuhalten, anders als andere deutsche Sportgrößen wie Boris Becker oder Franz Beckenbauer. Wie ist Ihnen das gelungen? – »(…) Vielleicht war mein Leben zu langweilig. Wenn ich mal verreist bin, war ich oft mit Holger (Anm.: Geschwindner) unterwegs – wirklich aufregend ist das wohl nicht für Paparazzi, mich mit dem alten Mann in Australien beim Bergsteigen zu fotografieren.« (Dirk Nowitzki im Spiegel-Interview)
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Herzlich gratulieren möchten wir Marika Kilius, die am Samstag fünfundsiebzig wurde und allerlei Privates verrät. »Ich bin Single, bin aber offen für die Liebe«, erzählt sie Bild. »Aber ich würde heute nicht mehr jeden Mann nehmen.« Was sie dann früher offenbar getan hat. (»Herzblatt-Geschichten« von Jörg Thomann in der FAS)
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»Jeder mag, wenn es ihm wohltut, so fremdenfreundlich sein, wie er will. Es gibt aber keine Pflicht zur Fremdenfreundlichkeit, sondern die Pflicht zur Hilfsbereitschaft und zur wechselseitigen Höflichkeit, vor allem aber die Pflicht, das Maß der Verträglichkeit zu bedenken.« (der Publizist und Philosoph Rüdiger Safranski im Spiegel-Interview)
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Germany’s Next Topmodel macht nicht etwa harmlose Unterhaltung, sondern verbreitet eine politische Botschaft: Das Ideal ist Unmündigkeit, die totale Unterwerfung unter eine Autorität. (Kerstin Hermelink in der FAS über »Heidis Regiment«) (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Veröffentlicht von gw am 26. März 2018 .
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Montagsthemen (vom 26. März)

»Die beste und hochwertigste Stunde, die ein deutsches Testspiel zu bieten hatte« (FAS), »ein außergewöhnlicher Fußballabend« (FAZ), ein »Hochgenuss« (FR). Stimmt. Doch nur, weil beide »sich ausprobierten« (auch so ein nerviges Modewort). Sie werden auf andere, weniger spektakuläre Weise an ihr Duell herangehen, sollte es bei der WM wieder zustande kommen. Dennoch ein Genuss. Für den Moment.
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Aber diese Trikots! Diese »eckige Scheiße« (ein Typograph im FAZ-Interview). Schrift hat die Aufgabe, lesbar zu sein. Falls nicht, ist sie bloßes Gekrakel, ob mit der handschriftlichen Sauklaue oder dem modernistischen Getue am Computer. Doch dieser künstliche Kubismus.2 stört mich weniger als das, was bei Adidas und dem DFB und all den anderen dahinter steckt, wenn sie Jahr für Jahr neue Trikots auf den Markt werfen: Geldschneiderei der übelsten Art, mit Kindern, die als Geiseln genommen und als Erpresser missbraucht werden.
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Schluss für heute mit Fußball. In den USA grassiert die March Madness. Das ist keine Grippewelle, auch nicht Vettels Auftaktsieg (trotz von mir verhängter Strafrunde wegen selbst verschuldeten Frisur-Unfalls), sondern die College-Meisterschaft im Basketball, bei der ein Deutscher, Moritz Wagner, mit Michigan im Halbfinale steht. Diese March Madness ist nicht zu verwechseln mit der Trump Madness, denn die kennt keine monatliche Begrenzung. Sie auszu … Achtung! … merzen, dazu reicht ein einziger March for Our Lives nicht aus. Aber er ist ein Anfang. Weckt Frühlingsgefühle.
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Die hat auch der Märzhase. So heißt der Rammler im März, weil er in diesem Monat als Subjekt nur an sein Verb denkt. Dann wirkt er »extrem verrückt und paranoid. Oft wirft er mit Dingen um sich«. So definiert Wikipedia nicht Trump, sondern den Märzhasen, und der nimmt bekanntlich an einer anderen Tea-Party teil – bei Alice im Wunderland.
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Uns droht demnächst eine Mai Madness, denn dann »kommt die Eishockey-WM, und ich lese jetzt schon die Schlagzeilen von Bild und Co.: Vize-Olympiasieger Deutschland blamiert sich bis auf die Knochen … ich darf gar nicht daran denken. Da wird mir jetzt schon schlecht«, mailt unser Leser Andreas Kautz, und ich fürchte, gegen diese Übelkeit gibt es kein Gegenmittel. Ich kenne sie aus der Leichtathletik. Da läuft, springt, wirft jemand herausragend gut, aber stets folgt … verfehlt aber den Weltrekord um XY Zentimeter/Hundertstel. Eben der ganz normale Wahnsinn, dieser mediale Märzhase, der ganzjährig verrückt spielt.
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Jetzt beginnt die Freizeitradler-Saison, ob mit oder ohne Akku. Doch Vorsicht, liebe Pedelec-Fahrer, lasst euch von einer verrückten Statistik nicht verrückt machen. Die besagt, dass die Unfälle mit Pedelecs 2017 um sagenhafte 28 Prozent gestiegen sind. Sie verschweigt aber, dass die Zahl der Pedelecs noch deutlicher gestiegen ist. Das erinnert mich an eine aktuelle statistische Zahl: 6000 Tote durch Stickoxide! Wenn man ähnliche Statistiken addiert (X Tote durch Asbest/Zucker/Salz/Alkohol/Ozonloch/Genmanipulation/Doping/Cholesterin und und und), wird einem angst und bange bei offenbar über 30 Milliarden Menschen auf der Welt.
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Bei einer anderen Zahl steckt der Wahnsinn im menschlichen Makel der Selbstüberschätzung. 80 Prozent der Autofahrer sind überzeugt, besser zu fahren als der Durchschnitt. Darüber kann man schmunzeln, nicht aber über einen anderen Effekt: Menschen, die sich überschätzen, zu dreistem Eigenlob neigen und sich auftrumpfend inszenieren, genießen mehr Einfluss, Respekt und Prominenz als andere, die fähiger sind. Wir kennen das ja, sind umgeben von Mini-Trumps und Mini-Vettels. Letztere werden uns im Einzelfall sogar gefährlicher, vor allem im Gegenverkehr.
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Andere Gefahren werden oft überschätzt. Wie gestern bei der Zeitumstellung. Das Gejammere vom Jetlag ähnelt der alarmistischen Überempfindlichkeit in anderen Umweltdingen. Nur echte Gewohnheitstiere, also Haustiere, leiden wirklich. Kühe zum Beispiel, die ihre Melkzeiten gewohnt sind. Hunde eher weniger. Zwar möchte unserer pünktlich gefüttert werden, das heißt bei ihm aber: IMMER!
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Zu schlechter Letzt: Unsere Leserin Doris Heyer »dachte, ich fall vom Stuhl«, als sie am letzten Mittwoch das ARD-Magazin extra3 sah, in dem die Zeitumstellung thematisiert wurde und der Moderator meinte, es sei in schönen Städten zwar wunderbar, wenn es abends länger hell ist »aber in Städten wie Gießen oder Bitterfeld gewiss nicht, wer will da abends noch länger unterwegs sein«. Mensch, Kerle: Gießen im Sommer abends an der Lahn ist ein süßes und kein bitter Feld! – Sorry, lieber Bitterfelder, ist nur ein Kalauer. Ich bin solidarisch mit euch!
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Zu guter Letzt: Die laufende »Wer bin ich?«-Runde ist abgeschlossen. Sehr selektiv, demnächst mehr dazu. Die letzte von nur acht richtigen Lösungen kam von Paul-Ulrich Lenz aus Schotten, »nicht gegoogelt, nicht gesucht – heute morgen beim Frühstückmachen«. Eingebungen ähnlicher Art wünsche ich zum Wochenanfang allen Lesern. Auch wenn sie nicht den Startvorteil von Paul-Ulrich Lenz haben. Er ist Pfarrer im Ruhestand, seine Inspiration kommt von ganz oben. (gw)
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(www.anstoss-gw.de  gw@anstoss-gw.de)

Veröffentlicht von gw am 25. März 2018 .
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Baumhausbeichte - Novelle