Archiv für Februar 2018

Donnerstag, 8. Februar, 10.20 Uhr

So, Winter-Wahnwitz aus dem Papierkorb geholt und auf die Seite (und wieder online/siehe gw-Beiträge Anstoß) gestellt.  Um mal das Procedere zu erklären: Ich sitze zu Hause am Laptop, verbinde mich mit dem Redaktionssystem und arbeite wie ein „normaler“ Redakteur. Das heißt, ich schreibe als „Autor“ meine Kolumne und bearbeite sie danach als „Producer“. Das sind die beiden heutigen Zweige der Redaktionsarbeit, mittlerweile ziemlich streng getrennt, früher, zu meiner Zeit, noch in einer Hand. Zum Glück, denn genauso gerne, wie ich geschrieben habe, habe ich auch Seiten layoutet, die Texte dafür ausgewählt und redigiert und immer darauf geachtet, dass jede Seite ein Handwerksstück ist, aus einem Guss, und möglichst jeder Text, jedes Bild, jede Überschrift miteinander abgestimmt. Ich war also Autor und Produzent. Heute „produziere“ ich nur noch, indem ich meinen Text redigiere, in den „Anstoß“-Rahmen stelle, Schusterjungen und Hurenkinder verhindere (was bei „Ohne weitere Worte“ oft schwierig ist, da durch die kurzen Zitate sehr viele Absätze entstehen), und zum Schluss den „Anstoß“-Kasten unten auf die noch leere Seite stelle (die Jungs in der Redaktion fangen später an, haben ja auch einen langen Arbeitstag), oft dann aber auch gleich noch mal an den Text gehe, weil mir der Textblock so groß geraten ist, dass die „Producer“ in der Redaktion kein optisch harmonisches Handwerksstück mehr fertigen könnten und die vorgesehenen Texte zu sehr quetschen müssten, wenn sie später in die Redaktion kommen und den „Riemen“ sähen.

Ich komme nur darauf, weil die komplette Seitengestaltung das einzige ist, was ich im Ruhestand vermisse. Was hab ich immer gebastelt! Nur jetzt, in diesen Tagen, vermisse ich es nicht. Winterspiele. Gehen mir, mit Ausnahme von einigen wenigen Kernsportarten, am Glutaeus maximus vorbei. Gingen sie schon immer, früher allerdings weniger (da gab es ja auch nur Kernsportarten). Dennoch musste und wollte ich als Redakteur die Seiten so gestalten, als interessierte mich der Inhalt genauso wie Eintracht Frankfurt, Bundesliga-Basketball oder Leichtathletik. Einziger Lichtblick war, wenn ich ein Kati-Witt-Foto auf die Seite stellen konnte (uiuiui, in diesen Tagen ein heikles Geständnis). Jetzt aber kann ich das tun, woran ich Freude habe – Kolumnen schreiben, den Inhalt selbst bestimmen und alles andere ignorieren, auch das, was mich als „Chef“ belastet hat (schwierige Entscheidungen, personell und perspektivisch; die Zukunft der Zeitung usw.)

Wie schön, wenn man im Ruhestand seinen Beruf weiter ausüben kann, sich nur das Angenehme daran heraussuchen darf (außer, siehe oben, Handwerksstück) und alles Unangenehme den aktiven Redakteuren und ihren Chefs überlassen kann. Nur kein‘ Neid!

Veröffentlicht von gw am 8. Februar 2018 .
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Mittwoch, 7. Februar, 9.30 Uhr

Für einige Minuten ploppte mein 40/30/20/10-Anstoß online auf, als ich ihn dann auf die Layout-Seite für morgen stellen wollte, war sie aber schon besetzt- mit einem Olympia-Auftakt-Anstoß. Kleine Kommunikationspanne. Macht gar nichts. Meine Kolumne im Papierkorb geparkt, morgen hole ich sie wieder raus. Wird ein echtes Kontrastprogramm (Titel: „Winterlicher Wahnwitz“). Mit Namen wie Hackl, Hadschieff, Mühlegg und „unserem“ Eiskunst-Paar (die Namen sind mir auswendig nicht geläufig).

Ein sehr erfreuliches winterliches Kontrastprogramm sind die morgendlichen Feld-und-Waldi-Gänge mit dem Hund. Monatelang dabei im Matsch versunken, dagegen schwebt man jetzt fast über die hart gefrorenen Fluren.

Ebenfalls ein schönes Kontrastprogramm für den Auto-Laien: Der Unterschied zwischen der alten Klapperkiste und dem neuen Wagen. Kenner würden ihn zwar nur unter „untere Mittelklasse“ einstufen, für mich aber ist er ein Wunderwerk der Technik. Alleine schon die Rückfahr-Kamera – da freut sich der Nacken.

Wenn wir in Dänemark waren, wo Taglicht-Pflicht herrscht und Autos ohne Licht aufgeregt angeherrscht werden, und nach Deutschland zurück fuhren, sinnierte ich oft, dass es nicht ungefährlich ist, wenn, wie bei uns, die Hälfte mit und die andere ohne Licht fährt. Ich dachte: Entweder auch bei uns Pflicht oder alle ohne, denn wenn in einer Kolonne ein paar Lichtlose mitfahren, sieht man sie unter den Beleuchteten schlecht und könnte zum Überholen verführt werden. Jetzt erfahre ich: Bei uns ist das Taglicht seit zwei Jahren Pflicht – in Neuwagen. Die gibt es gar nicht mehr ohne. Ich kann also nicht mehr ohne Licht fahren, selbst wenn ich wollte. Und die, die mir ohne Licht entgegen kommen, fahren alte Klapperkisten wie ich zuvor? Oder habe ich da etwas falsch verstanden?

Gestern eine schöne Mail in die Box gestellt, nachher folgt wieder eine. Beide mit Kritik, aber sehr, sehr feiner. Gestern Pool/Pole, heute der „kleine Doktor“. Muss ich beide unbedingt für die Samstag-Kolumne vormerken.

 

Veröffentlicht von gw am 7. Februar 2018 .
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Montag, 5. Februar, 11.00 Uhr

Die Zitaten-Kolumne „Ohne weitere Worte“ ist fertig und steht online. Sie ist richtig gut geworden, und das kann ich ohne anmaßende Einbildung behaupten, denn ob gut oder schlecht hängt nicht von mir ab, sondern von dem, was ich im Blätterwald finde. Besonders gut gefällt mir die neue Kolumne im Zeit-Magazin. Lapidare Beobachtungen in einem Satz, der nachhallt und sich im Kopf wie eine Kurzgeschichte entfaltet. Der Rollstuhlfahrer, dem als einzigem die Sammelbüchse nicht hingehalten wird … ein Moment nur, ein Nu, und doch steckt in ihm so viel.

In dieser Woche kommt eine Extra-Kolumne hinzu, wahrscheinlich für Donnerstag. Kein „Wer bin ich?“, denn dafür ist mir noch nichts Originelles und Informatives eingefallen. Dafür nach langer Zeit aber wieder einmal ein „40/30/20/10“. „40“ habe ich schon, Altes/Aktuelles zur Bundesliga. Bei der „30“ bin ich, und da stoße ich auf eine irre Geschichte von Calgary 1988, über die ich geschrieben, die ich aber längst vergessen hatte. Stichwort: Der Glöckner von Notre Dame. Wäre auch eine schöne Geschichte für „Wer bin ich?“, aber zu einfach für die WBI-Profis.

Veröffentlicht von gw am 5. Februar 2018 .
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Sonntag, 4. Februar, 6.20 Uhr

Ein leichter Hauch Schnee auf der Straße, Grießeln in der Luft, kalt, noch keine FAS im Kühlschrank … nein, Herr Freud, im Kasten. Winter im Februar, so ungewöhnlich nicht. Obwohl mir nach dem monatelangen Schmuddelwetter nicht nach klirrender Kälte ist, sondern schon nach Rössslein, die der Bauer anspannt. Im Märzen der Bauer … wäre schön, wenn das als neuer Wurm ins Ohr krabbeln würde, denn seit gestern Abend singt ein sehr alter Ohrwurm in meinem Kopf Mu-u-u-u-n-light, die Nacht ist schön. Furchtbar, raus mit Dir!

Und das kam so: Gestern vor dem Schlafen noch mal die Nachrichtenlage sondiert, wozu immer auch Bild online gehört, für die wichtigen Dinge des Lebens. Erfahren, dass Tina York Dschungelkönigin werden könnte (wurde sie nicht, lese ich jetzt, gewonnen hat die Schwester einer Katze, was mir nur ansatzweise etwas sagt .. ach ja, Costa Cordalis  seim Sohn ist der Kater). Tina York ist auch eine Schwester, die von Mary Roos. Schon beginnt das Kopfkino zu surren: Die beiden haben doch mal in der Nähe von Wetzlar gewohnt, in Braunfels, weil dort der Produzent (?) von Mary Roos herkam? Wetzlar, meine halbe Heimat (andere Hälfte: Gießen), in meinen Teen-Zeiten ein Schlager-Hotspot. Ted Herold hat dort eingeheiratet und ist geblieben, als Radio- und Fernsehtechniker. Ted Herold, der deutsche Elvis, der mit 17 „Ich bin ein Mann“ sang, ein Lied, das auf den Index der deutschen Radiosender kam, weil männlich suspekt (ja, das gab’s schon damals). Und Elvis kam einmal, als Soldat in Friedberg, ins Geschäft der Eltern meines Schwagers, der als kleiner Knirps aushalf und erleben durfte, wie Elvis bei ihm Kaugummis kaufte. Ewiger Ruhm war ihm gewiss, und der strahlt auch auf mich ab. Wenn ich jetzt meine Best-of-Elvis-CD höre (nur die Balladen, die rockigen Kiekser-Titel überspringe ich), habe ich das Gefühl, statt meines Schwagers im Laden zu stehen und Elvis die Wrigleys in die Hand zu drücken … wo war ich? … Ted Herold. Isabell-bellabell, Isabell. Und natürlich: Mu-u-u-u-n-light, die Nacht ist schön. Kennen Sie? Dann müssen Sie ganz schön alt sein. Mit Ted Herold verbinde ich auch eine peinliche Erinnerung. So peinlich, dass ich sie lange verdrängt hatte. Bei einem Klassentreffen wurde sie wieder ausgegraben. Als Primaner waren wir oft im Roten Salon in Wetzlar, der verruchtesten Bar, aber mindestens eine Niveaustufe höher als der Adlerkeller, eine Kaschemme, die wir auch oft frequentierten. Im Roten Salon schloss ich Freundschaft mit Sascha, der Bardame, die von mir, dem hessischen Jugendmeister, Kugelstoßen beigebracht bekommen wollte…erst jetzt, wenn ich das schreibe, geht mir der Doppelsinn auf. Damals nicht! Platonischer ging’s gar nicht, obwohl ich sie zum Stoßen sogar zu Hause abholte. Wahrscheinlich genoss sie die ritterliche Zurückhaltung des Primaners, im Job war sie anderes und andere gewohnt. Leider war ich im Roten Salon nicht ganz so zurückhaltend, sondern angetrunken, als wir mit der ganzen Klasse dort zechten, kurz vor oder nach dem Abi, und auch Ted Herold da war, in einer Ecke der Bar, und ich großspurig den anderen verkündete, für alle ein Autogramm vom verachteten Schlagerheini zu holen. Ich wankte hin, beugte mich, knapp zwei Meter groß, zum kleinen Ted und bestand darauf, dass er zwanzig Mal seinen Namen schrieb, ich weiß nicht mehr, worauf, auf 20 Zettel oder 20 Bierdeckel? Der eingeschüchterte Star schrieb und schrieb, das Primaner-Volk johlte, und ich schämte mich erst am nächsten Tag.

Ungefähr zur gleichen Zeit, nee, wohl zwei, drei Jahre vorher, wunderte ich mich in der Faschingszeit an einem Samstag auf dem Schulweg ins Goethegymnasium über eine Grölerei schon morgens auf den Straßen. Humbahumbahumbatäteräää! Die Geburtsstunde eines der größten Faschingshits hatte ich also abends zuvor verpassst, Mainz bleibt Mainz war halt noch nie meins. Der neue Hit von Ernst Neger, wie der alte (Heile, heile Gänsje) geschrieben von, und jetzt kommt die zweite Hälfte meiner Heimat … Breaking News: der Streuwagen fährt vorbei! … ins Spiel, Gießen, denn von dort kam Toni Hämmerle, der blinde Telefonist, der von Ernst Neger, dem singenden Dachdeckermeister, am Schluss immer auf die Bühne geführt wurde. Ernst Neger, dessen Sohn Thomas vor wenigen Jahren unfreiwillig in die Schlagzeilen geriet, weil er, ebenfalls Dachdecker, mit einem Logo für seinen Betrieb warb, auf dem ein … Sie ahnen es!  … zu sehen war. Was mich im Sonntagfrühmorgensflow zu Lübke bringt, keinem Dachdecker, sondern Bundespräsident, der bei einem Empfang in Afrika die Anwesenden so begrüßt haben soll: „Meine Damen und Herren, liebe Neger…“

Was damals kein Skandal war, sondern diese Expertise des Bundespräsidenten Lübke anno 66: »Der Ball war drin. Ich habe genau gesehen, wie er im Netz zappelte.« Ganz Deutschland schrie auf: Der hat doch einen Schuss!

Und ich hab nix auf dem Zettel für die Montagsthemen. Soll ich aus dem Flow etwas herausziehen? Neger, Lübke, Hämmerle, Wembley, Tina York? Ma gucke. Einen kleinen Stapel Zeitungsausschnitte habe ich aber schon neben dem Laptop liegen. Spiegel: „Vereine wie der Bundesligist Eintracht Frankfurt möchten Mitglieder loswerden, die auch in der Afd sind. Sind solche Aktionen sinnvoll? – FAZ: „Ariane Friedrich: Nachträglich Silber. – FR: „Die Mauer ist jetzt so lange weg, wie sie da war.“ – Noch mal FAZ: „Wie ein Gleicher unter Gleichen“ (Boris Becker beim Daviscup). – taz: „Die Flüchtlinge von heute sind die Arbeiter von morgen“ (Schlagzeile, Zitat aus einem Interview mit Linken-Chef Riexinger).

Die Arbeiter von morgen? Schön wär’s. Ist aber genauso illusorisch wie der Kommunismus. Um nicht zu sagen: So ein Quatsch, quätscher geht’s nicht.

Und dann noch aus der Welt „Die Achse des Guten“, die komplette Kolumne des alten Spötters Henryk M. Broder handelt von Gießen, von der Fake-Aktion des kostenlosen Nahverkehrs. Da kriegt der Initiator mal bundesweite Schlagzeilen, sogar einige positive, und kann sich nicht mal outen, weil’s ziemlich teuer würde. Da muss er schon alleine zu Hause im Dreieck springen und singen: Ach wie scheiß, dass niemand weiß, dass ich … heiß.

Heile, heile Gänsje, Humbatäterää,  Mu-u-u-u-n light, die Nacht ist schön.

Zugabe, von Tina Yorks Schwester Mary Roos: Wärst du Dussel doch im Dorf geblieben.

Aber jetzt kommt mein Hit: KKKK. Kaffee, Kuchen, Knicks und Kuss. Metoo!

 

Nachtrag 10.45 Uhr: Mitten im Kolumnenschreiben und soeben dabei, den Dussel, der im Dorf bleiben soll, mit Boris Becker zu verquicken, macht es Klick: Dorthe hat’s gesungen, die Ex-Frau des Wagner-Tenors Rene Kollo, nicht Mary Roos, die Schwester von Tina York. Noch hat es kein Schnell-Leser moniert. Schlaft Ihr noch?

 

 

Veröffentlicht von gw am 4. Februar 2018 .
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