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Ohne weitere Worte (vom 20. Februar)

Es wird so fantastisch viel geweint bei diesen Spielen. (…) Die ebenso bekannte wie gefürchtete Ein-Frage-Technik (…) wird in Südkorea 2018 zu bislang ungekannter Meisterschaft gebracht: »Wie fühlen Sie sich?«, wird in tausend Variationen wieder und wieder abgefragt. In der Hoffnung – ja, worauf eigentlich? Tränen der Überwältigung? Des Überdrusses? (…) Den Sendern ist’s egal. Die Tränen der Sportler sind ihre Medaillen. (Volker Weidermann im Spiegel)
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Irgendwann habt ihr, liebe Männer, mal (…) gelesen, die Evolution wolle es, dass Frauen große Männer mit kantigem Kinn toll finden. Seither denkt ihr, dass wir Mario Gomez unwiderstehlich finden. Nichts gegen Gomez, aber sein Spiel ist so eckig wie sein Kinn, seine Interviews sind uninteressant, und deshalb ist er nicht der Frauenschwarm, für den ihr ihn haltet. (Heike Faller im Zeit-Magazin)
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Viele Frauen finden Mesut Özil mit seinen Glubschaugen süß, weil er so was Kindliches hat. Oder Thomas Müller, der nicht der Hübscheste auf dem Platz ist, aber diesen Karl-Valentinhaften Humor hat und nie seinen Oberkörper trainiert, was souverän ist. (Faller/Zeit)
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Auf dem Olympic Channel ist gerade ein Filmporträt von Ihnen zu sehen, das ein wenig verstörend wirkt in der heutigen Zeit. Da treten Männer auf und loben Ihren Körper, ihr Aussehen. (…) Wie sexistisch sind die Verhältnisse im Eiskunstlauf? – »Ich habe es nie als sexistisch empfunden, wenn den Leuten mein Körper gefiel. Ich habe das immer als Kompliment genommen. (…) Ja, wir haben enge Kostümchen, kurze Röckchen, das ist einfach dieser Sport. Dann lasst die Jungs halt schwärmen.« (Katarina Witt im Interview der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung)
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Tragen Sie zu Hause Jogginghosen? – »Ich zeige Ihnen, was ich trage. (Holt einen königsblauen Fleece-Einteiler, der wie ein Sack mit Ärmeln aussieht und unten zwei Löcher mit Bündchen für die Füße hat.) Darin bleibe ich warm.« (Rudi Dutschkes Witwe Gretchen auf eine Standardfrage im Fragebogen des FAZ-Magazins)
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Man erzählt sich, Donald Trump sei Ihnen zu nahe getreten. – »Er gab mir seine Telefonnummer.« (…) – Und Sie haben ihn angerufen? – »Natürlich nicht. Später (…) habe ich ihn wiedergesehen. Er hatte mir zuvor schon Blumen aufs Zimmer geschickt. Lilien, ich hasse Lilien. (…) Trump kommt dazu und sagt: Sie sind die einzige Frau, der ich meine private Nummer gegeben habe – und die nie angerufen hat. Ich sagte: Irgendwer muss ja mal den Anfang machen. Und die Journalistin hat genau diese Szene in einem Artikel beschrieben.« (Witt/FAS)
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Mehr an einer anderen jungen Frau interessiert zeigt sich derweil Franz Josef Wagner. »Liebes Naturmädchen Laura« hebt er in seiner Bild-Ode an die Sportlerin Laura Dahlmeier an und schreibt: »Das Erstaunliche ist, dass Laura keine muskelbepackte Frau ist wie eine Hammer-Werferin.« Das finden wir, Wagner, eigentlich nicht ganz so erstaunlich: Laura Dahlmeier ist nämlich gar keine Hammer-Werferin, sondern Biathletin.« (Jörg Thomann in den »Herzblatt-Geschichten« in der FAS)
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Trump war begeistert, nehme ich an. – »Er hat sich gerächt, in seinem Buch. (…) Ich hätte ihm nachgestellt. Und dass er nie interessiert gewesen sei. Ich sei ein Kühlschrank, was (…)  ein Synonym für den Quarterback ist. Also für den athletischsten Mann im Team. Vier Seiten, um zu sagen, dass er nie interessiert war.« (Witt/FAS)
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Es sind aufgeregte und verunsicherte Zeiten, in die Martenstein seine Texte hineinschreibt. Zeiten, in denen Männer nicht mehr genau zu wissen glauben, was sie sagen, denken machen dürfen; Frauen dagegen angeblich genau zu wissen scheinen, was wie zu geschehen und zu gelten habe.« (Hilmar Klute in der SZ über »Star-Kolumnist Harald Martenstein“, der »mittlerweile viele Feinde hat«)
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Es fehle etwas (sagt Martenstein), das man die »pragmatische Mitte« nennen könne, also einen passablen Gang, der zwischen der empörten Gekränktheit der einen und dem aus allen Ecken quellenden Hass der anderen in ein besser durchlüftetes Diskurszimmerchen führt. (Klute/SZ)
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»Es gibt inzwischen Wutbürger jedweder Couleur und jedweder politischen Verortung. Ich sehe uns als Gesellschaft tatsächlich gefährdet, die Prinzipien des demokratischen Rechtsstaats und des zivilisierten Umgangs miteinander zu verlassen.« (die forensische Psychiaterin Nahla Saimeh im SZ-Interview)
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»Deutsch habe ich übrigens auch mit BILD gelernt. Ich habe die Artikel gelesen und versucht sie zu verstehen.« (Eiskunstlauf-Olympiasieger Bruno Massot im Bild-Interview)
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Kein, Wunder, dass er im Sprachtest für die Einbürgerung fünf Mal durchgerasselt ist. (aus dem Blog »Sport, Gott & die Welt«) (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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