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Sonntag, 18. Februar, 6.45 Uhr

Aus privatorganisatorischem Anlass sind die Montagsthemen fast schon fertig und der Sonntagfrühmorgensblog wird nur kurz, aber vielleicht gegen Mittag fortgesetzt. Draußen gibt’s weder nur Kännchen noch die FAS, obwohl kein Eis oder Schnee die Anlieferung behindert. Drinnen gibt es auch keine Meldung von Draußen, dass es irgendwelche winterlichen Probleme gäbe. Gut so. Unter den Meldungen der Nacht ebenfalls keine gravierenden. Kurzer dpa-Rückblick auf die olympische Gemengelage von 1972. Winterspiele in Sapporo, Karl Schranz wird gesperrt, Österreich rastet aus. Schuld ist das IOC mit seinem Boss Brundage. Wer sich an ihn erinnert oder mangels Erinnerung von ihm liest, sieht unseren deutschen Nachfolger in einem anderen, besseren Licht. Brundage, Hitlers williger Helfer 1936. Und nicht nur das. Ein ganz unangenehmer Patron. Ach ja, Schranz und die Sperre: Weil er gegen den Amateurparagraphen verstoßen habe. Der war damals (der Paragraph, nicht Schranz) der Popanz des Sports, die vor ihm her getragene Monstranz wie heute der Dopingparagraph. Dem wird es ein weiteres halbes Jahrhundert weiter ergehen wie heute dem Amateurstatut – er wird vergessen sein bzw. von denen, die ihn nicht vergessen haben, als absonderliche Zeiterscheinung gesehen werden. Wenn es den weltweit interessierenden Wettkampfsport überhaupt noch geben sollte, wird das Thema nicht Doping, sondern Betrug heißen. Denn Doping ist nur ein Wort, Betrug ein Verbrechen. Aber was verirre ich mich schon wieder in dem stinkenden Dickicht, ist doch sinnlos. So, und jetzt ran an die Montagsthemen, nachschauen, was ich schon geschrieben habe (das Kurzzeitgedächtnis verlässt mich bereits nach ein paar wenigen Stunden), korrigieren, letzte Hand anlegen, redigieren, druckfertig machen und vom Dorf in die Stadt unten auf die Sportseite 1 beamen. Längst Routine, längst eine Selbstverständlichkeit, aber immer noch für mich ein Wunder der neuen Welt. Goethe würde staunen.

Baumhausbeichte - Novelle