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Sonntag, 11. Februar, 6.40 Uhr

Es schneit, scheint aber schmuddelig zu werden. Aber nicht so schmuddelig wie in der SPD. Meldungen der Nacht: Abfahrt abgesagt, auf Donnerstag verschoben; Nowitzki, 22 Punkte, gewinnt mit Dallas gegen die Lakers; Vorbericht zum Valentinstag, der mich nicht interessiert und genauso überflüssig und nur wirtschaftlich be- und gegründet ist wie Halloween; Zwischenstand zur Fahndung nach den RAF-Opas: Sie tapern noch herum, denn die Polizei tappt noch im Dunkeln. Oder im Dunklen? Das habe ich doch früher schon mal nachgeschlagen und sogar im Blog – oder auch in der Kolumne? – behandelt. Vergessen. Ich schlage jetzt auch nicht noch mal nach. In der SPD, elegant rummse ich in den Übergang, wird nachgeschlagen und nachgetreten, dass es selbst Freunden anderer Parteien angst und bange wird. Und Nicht-Parteifreunde aller Art wenden sich mit Grausen. Und immer mehr von ihnen den Rändern zu, obwohl es dort noch viel irrer zugeht. Ich weiß, dass meine Texte, hier oder im Blatt, auch von extrem Konservativen und extrem Linken gelesen werden, ich weiß auch, dass viele Erzkonservative und, ja!, auch manche Kommunisten vernünftige und angenehme Menschen sind, als ein solcher erschien mir auch der Linken-Chef (der bundesweite; ein lokaler, ein Anstoß-Leser, scheint nicht nur so), doch als er jetzt im taz-Interview sagte, die Flüchtlinge seien die Arbeiter von morgen, wusste ich, dass ihm die Ideologie den Kopf verdreht hat. Unter den Arbeitern von morgen sind auch ein paar Flüchtlinge, aber ihre übergroße Mehrheit … ach, ist ja sinnlos, sich aufzuregen. Ich will der Alien-Forscher aus dem Andromeda-Nebel bleiben, der interessiert und distanziert beobachtet, wie sich diese seltsame Spezies Mensch verhält, spezialisiert auf die Unterart „satte deutsche Bürger“. Unter denen gibt es noch einige Unter-Unterarten, zum Beispiel den „suizidalen Sozialdemokraten“, kurz Sozi. Einer ihrer Anführer hat mich augenzwinkernd aufgefordert, in die SPD einzutreten, nachdem ich an anderer Stelle (FB) geschrieben hatte: „Wie wär’s damit: Abstimmen darf nur, wer schon Mitglied war, als das, worüber abgestimmt wird, beschlossen wurde. Nicht nur wg. GroKo/SPD, sondern in jedem Verein.“ Zum Schutz von bedrohten Arten bin ich zu fast allem bereit, aber nachdem Frau Bätschi… also da hat meine persönliche Sondierungsbeauftragte jegliche Kontaktaufnahme kategorisch verboten.

Bereit bin ich aber, für Gabriel und Schulz als Ghostwriter zwei persömliche Rückzugserklärungen zu schreiben, die ihnen und ihrer Partei ein paar Sympathien zurückgewinnen könnten. Gabriel: „In meiner tiefen Enttäuschung, nicht mehr Außenminister sein zu dürfen, habe ich mich zu einem kleinkindhaften Ummichschlagen („der Mann mit den Haaren im Gesicht“) hinreißen lassen. Das war politisch so unreif, wie mich viele schon immer zu kennen glauben. Ich zeige mir daher selbst die rote Karte und werde vier Jahre lang als einfacher Bundestagsabgeordneter still und fleißig zum Wohle meiner Partei und Deutschlands arbeiten.“ Schulz: „Ich weiß nicht, was mich geritten hat, eine neuerliche GroKo kategorisch auszuschließen, ich weiß nicht, was mich geritten hat, als Außenminister in eine neuerliche GroKo eintreten zu wollen, ich weiß auch nicht, was mich geritten hat, überhaupt Kanzlerkandidat zu werden, denn das ist alles eine Nummer zu groß für mich. Was jetzt aus mir wird, weiß ich erst recht nicht. Zu meiner Rechtfertigung möchte ich aber darauf verweisen, wie sehr mich meine Partei hochgejubelt hat zum Mister 100 Prozent, und vor allem, dass ich trotz allem als Verhandlungsführer einen Koalitionsvertrag ausgehandelt habe, in dem unsere 20-Prozent-SPD so viele Prozentanteile hat, dass sie bei einer Wahl zur absoluten Mehrheit reichen würde. Macht’s gut, ich hau ab.“

Da hat mich der Flow leider auf dem falschen Fuß erwischt und weit weg getragen, weit entfernt vom Stein(es)bruch für die Kolumnen. Was schreib ich bloß in den Montagsthemen, wenn der Zettel noch leer ist und das Thema Olympia  … na ja, Sie wissen schon. Kommt Zeit, kommt KKKK, kommt Rat.

 

Baumhausbeichte - Novelle