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Rosenmontagsthemen (vom 12. Februar)

Je mehr Gold »wir« gewinnen, desto mehr Blech wird geredet. Wäre ja auch eine olympiareife Leistung, die Jubelarien mit täglich neuem Text zu singen, ohne die alte Leier zu bemühen. Das ist keine Kritik an den großen Kollegen. Eher die Einsicht des Kleinen: Ich könnte das nicht und wäre dort fehl am Platze, fehler geht’s kaum. Am fehlsten wäre ich in der Bütt.
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Wichtigste olympische Disziplin zwischen Süd- und Nordkorea: Diplomatischer Slalomlauf. Kurz nach den Spielen steht das übliche Frühjahrsmanöver der südkoreanischen und der US-Armee an. Hoffentlich beginnt dann nicht der olympische Abfahrtslauf.
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Tätäää, Tätäää, Tätäää, Narrhallamarsch! Zugabe: Soeben lese ich den Zwischenstand der Fahndung nach den drei RAF-Opas. Sie tapern noch herum, denn die Polizei tappt noch im Dunkeln. Tätäää…
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Einen echten Tusch verdient sich die Frankfurter Eintracht. Was ist ihr Erfolgsrezept? Auf der Suche nach dem hessischen Geheimnis offenbart sich dieses in einem Spieler, der exemplarisch steht. Einen wie Ante Rebic muss man einfach gerne haben … aber nur in der eigenen Mannschaft.
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Lange nichts mehr gehört von Videobeweis/-hilfe/-assistent. Und das ist auch gut so. Selbst die Traditionalisten finden sich damit ab, zumal sich die Jungs im Videokeller mit Einflussnahmen zurückhalten. Nur noch ein paar versprengte Irrationalisten fordern: »Schafft den Videobeweis wieder ab!« Weil: »Der Fußball ist schön, weil er einer antiken Tragödie gleicht. Gerechtigkeit enthalten uns die Götter vor. Zum Fußball gehören daher auch die unfairen Siege, die falschen Niederlagen.« Ja, klar. Und wir schaffen auch gleich die elektronische Zeitmessung ab. Zum Beispiel demnächst beim verlegten Abfahrtslauf. Wer gewinnt, das entscheiden wir Pi mal Daumen.
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Ach so, ja, wer hat den Quatsch geschrieben? Natürlich kein Sportler. Sondern Peter-André Alt, Präsident der FU Berlin. In einem Gastbeitrag für die Frankfurter Rundschau. Frankfurter Rundschau? Die FR? Da war doch noch was? Ich komme im Moment nicht darauf. Muss mal unsere Verleger fragen.
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Apropos Fragen und Zeitungen. Sooo großer Fragebogen in der Zeit über das Wirtschafts-Wissen der Deutschen. Eine der Fragen: »Ein Tischtennisschläger und ein Ball kosten zusammen 1,10 Euro. Der Schläger kostet 1 Euro mehr als der Ball. Was kostet der Ball?« Kommt Ihnen bekannt vor? Klar. Die Frage ist ja auch uralt. Ich hatte sie schon 2012 im »Anstoß« gestellt, nachdem ich sie in einer Spiegel-Rezension von Daniel Kahnemans Buch »Schnelles Denken, langsames Denken« gefunden hatte. Sie tauchte 2014 in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung erneut auf, die damit das Finanzwissen ihrer Leser testete. Zusatzfrage aus IQ-Tests: Vervollständigen Sie bitte diese Zahlenreihe: 2012 (Spiegel) – 2014 (FAS) – 2018 (Zeit) – ??? (Süddeutsche?).
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Was kostet der Ball? Verrate ich nicht. Übrigens taucht im Zeit-Test auch die »Linda«-Frage wieder auf, die schon in den 80er-Jahren in einem Massentest und 2005 im »gw«-Anstoß für erstaunliche Ergebnisse gesorgt hatte. Die Frage zusammengefasst: Linda ist Studentin, intelligent, kritisch, sozial engagiert usw. Welche Wahrscheinlichkeit ist höher, die, dass Linda a) Bankangestellte oder b) Bankangestellte und aktive Frauenrechtlerin wird?
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Da schon mehrmals an dieser Stelle gefragt und beantwortet, lasse ich die Lösung im Dunkeln. Oh, noch einmal dieses Wort. Im Dunkeln? Oder im Dunklen? Ich lasse es in demselben, denn die Antwort stand ebenfalls schon in einem »gw«-Anstoß. Die Physik kennt jedenfalls »Dunkle Energie« als explosiven Brandbeschleuniger beim Urknall.
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Manche (ich auch) meinen, wer an den Urknall glaubt, habe selbst einen Knall. Aber dass die SPD einen  Knall hat, daran bestehen keine Zweifel. Welche brandbeschleunigende dunkle Energie treibt sie bloß an? Ein SPD-Vormann (und »Anstoß«-Leser) mit »Grips« forderte mich kürzlich augenzwinkernd auf, in die SPD einzutreten(»Ich fänd’s toll«), nachdem ich an anderer Stelle geschrieben hatte: »Wie wär’s damit: Abstimmen darf nur, wer schon Mitglied war, als das, worüber abgestimmt wird, beschlossen wurde.« Zum Schutz bedrohter Arten sei ich zu fast allem bereit, antwortete ich, aber nachdem eine schrille Frau Bätschi … also, da hat meine persönliche Sondierungsbeauftragte jegliche Kontaktaufnahme kategorisch verboten.
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Außerdem will ich der Alien-Forscher aus dem Andromeda-Nebel bleiben, der interessiert und distanziert beobachtet, wie sich diese seltsame Spezies Mensch verhält, und natürlich auch dessen  Unterart Susozi, der suizidale Sozialdemokrat. Forschungsberichte werden regelmäßig veröffentlicht. Hier in dieser Kolumne. Wer sich dadurch, als Susozi oder sowieso, auf den am Donnerstag nicht abgeschnittenen Schlips getreten fühlt, dem rufe ich am Rosenmontag wie in jedem Jahr zu: Allen wohl und niemand weh, das macht Fassenacht so schee.  (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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