Beitrag ausdrucken Beitrag ausdrucken

Sport-Stammtisch (vom 10. Februar)

Olympia, GroKo, Fasching – die großen Themen finden anderswo statt. Wir kümmern uns mit Hilfe unserer Leser um die kleinen. Buchstäblich. Wie zuletzt um den »kleinen Doktor« Rauball. Dazu kommt Kritik von Wolfgang Happich aus Möhnesee: »Was mir gar nicht behagt ist ›klein‹! Wir wollen uns doch verkneifen, die körperlichen Unzulänglichkeiten einer Person als Nachteil herauszukehren. Das ist schlicht mieser Stil – auch für ›gw‹. Da bitte ich um Fingerspitzengefühl.«
*
Reumütig bitte ich um Entschuldigung, zumal Wolfgang Happich, ein Gelegenheits-Rosbacher, »über so viele Jahre hinweg so gern den Sport-Stammtisch, den Anstoß und was es sonst von ›gw‹ gibt« liest. Er kennt Rauball zudem aus früheren Dortmunder Zeiten. »Reinhard parkte seinen weißen Lamborghini Miura stets im Halteverbot vor seinem Anwaltsbüro. Wenn wir ihn mal trafen, mussten wir ihn selbstverständlich damit anmachen, dass dies wohl das einzige Auto auf dem Markt sei, das er überschauen könne, wenn er davor stehe. – So viel zum Fingerspitzengefühl.«
*
Hach, wie schön, solch eine »Kritik«. Zur nächsten: Christoph Peters (Pohlheim) wollte mir »schon immer einmal schreiben, teils um Ihnen meine Zustimmung zu übermitteln, teil aber auch hier und da ein bisschen Kritik anzubringen.« In diesem Fall zu »Ihren Ansichten über den bezahlten Fußball«, denn unser Leser regt sich »schon lange vehement auf über die Machenschaften von Sky, das Mitmachen der Vereine und nicht zuletzt das Verhalten von ARD und ZDF«. Ich doch auch! Christoph Peters glaubt zwar völlig zu Recht, dass wir der gleichen Meinung sind, »gewundert hat mich jedoch, dass Sie vor Sky die Waffen strecken«. Nein, ich strecke die Waffen nicht. Da demnächst drei Abos nötig sind, um alle Bundesligaspiele zu sehen, läuft mein Countdown: 3 Abos? .. 2? … 1? … 0! Fortsetzung folgt.
*
Als ich kürzlich »Lassie« erwähnte, traf ich bei einigen Lesern einen nostalgischen Nerv. Wie bei Arno Baumgärtel (Gießen), der sich auch noch an »Fury, Flipper, Daktaris Clarence und Judy und etwa Skippy, das Buschkänguru« erinnert. Nebenbei erwähnt der Leser, seine Großmutter habe ihm oft vorgelesen, und »da sie die Rangbezeichnung nicht auf Englisch sprechen konnte, hörte sich ›Sergeant‹ so an: ›Sehr-ge-ahnt‹«.– Ja, der Sehr-ge-ahnt! Den habe ich auch lange als solchen gelesen, erst später wurde er von mir zum »Sartschent« befördert.
*
Lang, lang ist’s her. »Was sind wir gemeinsam alt geworden!« (Wolfgang Happich). Aber deswegen »wollen wir nicht depressiv werden. Obwohl wir merken, dass mit dem Alter der Abstand zu manchem Denken und Handeln in dieser Gesellschaft wächst. Wenn es beim Discounter schon Kraftnahrung zu kaufen gibt, ist die Selbstoptimierung scheinbar schon weit akzeptiert« (Heinz Wenzel/Lich).
*
Selbstoptimierung ist mir mit meinem »Pool-Dancing« nicht unbedingt gelungen. »Habe, wie fast immer, schmunzelnd Ihre Kolumne gelesen. Allerdings hat mich etwas stutzig gemacht: Was sind denn Pool-Dancer? Ist das eine neue Bezeichnung für Wasserballett? Oder Synchronschwimmen? Oder sollten doch Pole-Dancer gemeint sein, vom englischen pole= Mast, Pfosten, Stange?«, verulkt mich Uwe Lemke aus Wöllstadt. Ebenfalls völlig zu Recht. Aber für diese feine Art der Korrektur hätte ich den Fehler sogar gerne freiwillig gemacht.
*
Am Pole und im Pool ging es allerdings um Ernsthaftes. Stichwort Metoo. Wie sehr das Thema mit Sport zu tun hat, das habe ich schon in einer frühen Kolumne (»Frauen im Spitzensport«/1990) beschrieben. Für mich bleiben, weit jenseits von Bademänteln (Hollywood, Wedel) und Austria-Ski (SZ von gestern)  noch viele Fragen offen. Warum müssen sich Sportlerinnen vor Weltmeisterschaften und Olympia fast regelmäßig (wie auch jetzt) in Playboy & Co.nackisch machen? Warum laufen fast alle Leichtathletinnen seit einigen Jahren in einer Art Bikini? Leistungsvorteile kann es nicht bringen, sonst liefen auch die Männer im Zweiteiler. Und warum gab es nicht schon vor vielen Jahren einen Aufstand, als der Volleyball-Weltverband unter Androhung von Strafen knappe, sexy Höschen vorschrieb?
*
Und erst unsere alten linken Freunde! »Dieses knappe Kinderröckchen am samtlila Trikot, unschuldig und doch zu nichts anderem gut, als uns entgeisterte Blicke zu gönnen auf einen wahrhaft kostbaren, blühenden Arsch im Höschen.« Die Päderasten-Phantasie stammt nicht aus einem Kinderporno-Chat, sondern von der linken Autoren-Ikone Hermann Peter Piwitt. Der griff vor Jahrzehnten, obwohl einer der ersten selbsternannten Feministen, sexsabbernd zum Griffel, als er einst Denise Biellmann beglupschte, »die blonde Göttin meiner kleinen Tode«.
*
Hacke ich immer auf den Linken herum? Nein, die Rechten sind mir dazu genauso lieb. Und dass die Politik dazwischen eifrig damit beschäftigt ist, die Wut der Bürger immer weiter anzustacheln und sie dadurch aus der Mitte zu vertreiben, das habe ich schon lange vor der kleinen Gro-Ko … Sehr-ge-ahnt. Aber das ist ein ganz anderes Thema und hat mit Sport eventuell nicht mehr allzu viel zu tun.  (gw)
*
(www.anstoss-gw.de /  gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle