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Donnerstag, 8. Februar, 10.20 Uhr

So, Winter-Wahnwitz aus dem Papierkorb geholt und auf die Seite (und wieder online/siehe gw-Beiträge Anstoß) gestellt.  Um mal das Procedere zu erklären: Ich sitze zu Hause am Laptop, verbinde mich mit dem Redaktionssystem und arbeite wie ein „normaler“ Redakteur. Das heißt, ich schreibe als „Autor“ meine Kolumne und bearbeite sie danach als „Producer“. Das sind die beiden heutigen Zweige der Redaktionsarbeit, mittlerweile ziemlich streng getrennt, früher, zu meiner Zeit, noch in einer Hand. Zum Glück, denn genauso gerne, wie ich geschrieben habe, habe ich auch Seiten layoutet, die Texte dafür ausgewählt und redigiert und immer darauf geachtet, dass jede Seite ein Handwerksstück ist, aus einem Guss, und möglichst jeder Text, jedes Bild, jede Überschrift miteinander abgestimmt. Ich war also Autor und Produzent. Heute „produziere“ ich nur noch, indem ich meinen Text redigiere, in den „Anstoß“-Rahmen stelle, Schusterjungen und Hurenkinder verhindere (was bei „Ohne weitere Worte“ oft schwierig ist, da durch die kurzen Zitate sehr viele Absätze entstehen), und zum Schluss den „Anstoß“-Kasten unten auf die noch leere Seite stelle (die Jungs in der Redaktion fangen später an, haben ja auch einen langen Arbeitstag), oft dann aber auch gleich noch mal an den Text gehe, weil mir der Textblock so groß geraten ist, dass die „Producer“ in der Redaktion kein optisch harmonisches Handwerksstück mehr fertigen könnten und die vorgesehenen Texte zu sehr quetschen müssten, wenn sie später in die Redaktion kommen und den „Riemen“ sähen.

Ich komme nur darauf, weil die komplette Seitengestaltung das einzige ist, was ich im Ruhestand vermisse. Was hab ich immer gebastelt! Nur jetzt, in diesen Tagen, vermisse ich es nicht. Winterspiele. Gehen mir, mit Ausnahme von einigen wenigen Kernsportarten, am Glutaeus maximus vorbei. Gingen sie schon immer, früher allerdings weniger (da gab es ja auch nur Kernsportarten). Dennoch musste und wollte ich als Redakteur die Seiten so gestalten, als interessierte mich der Inhalt genauso wie Eintracht Frankfurt, Bundesliga-Basketball oder Leichtathletik. Einziger Lichtblick war, wenn ich ein Kati-Witt-Foto auf die Seite stellen konnte (uiuiui, in diesen Tagen ein heikles Geständnis). Jetzt aber kann ich das tun, woran ich Freude habe – Kolumnen schreiben, den Inhalt selbst bestimmen und alles andere ignorieren, auch das, was mich als „Chef“ belastet hat (schwierige Entscheidungen, personell und perspektivisch; die Zukunft der Zeitung usw.)

Wie schön, wenn man im Ruhestand seinen Beruf weiter ausüben kann, sich nur das Angenehme daran heraussuchen darf (außer, siehe oben, Handwerksstück) und alles Unangenehme den aktiven Redakteuren und ihren Chefs überlassen kann. Nur kein‘ Neid!

Baumhausbeichte - Novelle