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Montagsthemen (vom 5. Februar)

Wenn der Abstand vom Ersten zum Zweiten größer ist als der des Zweiten zum Himmel-oder-Hölle-Platz sechzehn, hat die Liga ein Problem. Mit dem lassen wir Sie heute aber allein.
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Britta Heinemann beendet ihre Fechtkarriere. Eine neue beginnt und wird irgendwo in Thomas-Bach-Höhen enden. A: Eine wie sie braucht keine Quote. B: Keine Frau, die sie nötig hätte, profitiert von der Quote. C: Aber jeder Mann könnte ohne Quoten-Zwang von weit mehr als 50 Britta-Prozent profitieren. Auch mit diesem Dreisatz lassen wir Sie heute allein.
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Zur nächsten starken Frau. Ariane Friedrich. Am vergangenen Donnerstag, neun Jahre nach ihrem dritten WM-Platz von Berlin, ist sie Hochsprung-Vizeweltmeisterin geworden. Wenn das so weitergeht, wird sie 2025 noch Weltmeisterin. Irgendwann ist dann ihr Friedberger Coach (und »Anstoß«-Leser) Günter Eisinger Trainer des Jahrhunderts, weil sein Schützling als Olympiasiegerin in ihrer gesamten Karriere ungeschlagen geblieben ist. Doch nichts kann Ariane Friedrich das Gefühl ersetzen, auf dem Treppchen eine Stufe höher gestanden zu haben. Aber mit dem Doping-Irrsinn lassen wir Sie heute ebenfalls allein.
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Frauen wie Heidemann oder Friedrich sind das Kontrastprogramm zu den albernen »Grid-Girls« der Formel 1. Dass sie ab sofort verschwinden müssen, finde ich gut. Dass es sie überhaupt gab, war bescheuert genug.  Aber noch nie verstanden habe ich die freiwillige  interne Frauen-Quote, nach der so viele immer noch als  Nummern-Girls durch den Box-Ring stolzieren, als höchstes Lebensziel eine Puschel-Wuschel-Karriere als Königin der Cheerleader anstreben, sich als Pool-Tänzerinnen um Stangen winden oder von den Klum-Dominae dieser Welt zur, sorry, Sau machen lassen.
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Boris Becker macht sich nicht mehr zum Affen, sondern tut dem deutschen Tennis gut. »Wie ein Gleicher unter Gleichen« (FAZ) wirkt er in Australien, ganz in seinem Element, das der Sport ist und nichts als der Sport. Und als Zugabe noch der eine alte (»Bin ich schon drin?«) oder andere neue Werbespot. Kennen Sie ihn? Boris sitzt auf einem Hotelbett, will verraten, wo »mein ganzes Geld geblieben ist«, lässt sich in die Kissen fallen und grinst: »Hier jedenfalls nicht.« Boris Becker war ein wunderbarer Tennisspieler. Wär’ der Dussel doch im Dorf geblieben, im Sport, nur mit Abstechern zu solchen Spots, er hätte sich und uns viel erspart.
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»Wärst du Dussel doch im Dorf geblieben« sangen wir einst, uns unheimlich witzig wähnend und Dorthes Ohrwurm verballhornend. Mich quälte gestern ein anderer Ohrwurm. Er stammt in etwa aus der gleichen Zeit und summt heute in meinem Kopf Mu-u-un-light, die Nacht ist schön.
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Und das kam so. Als ich las, was ich nie sah, nämlich dass Tina York Dschungelkönigin werden könnte (wurde sie nicht, weiß ich jetzt, sondern die Schwester einer Katze, deren Kater der Sohn von Costa Cordalis und dieser wiederum besser bekannt ist als griechischer Wintersport-Olympionike, aber ich schweife unmusikalisch ab), da fiel mir ein, dass Tina York die Schwester von Mary Roos ist, und schon begann das Kopfkino zu surren: Die beiden haben früher in der Nähe von Wetzlar gewohnt, in meinen Teen-Zeiten ein Schlager-Hotspot, denn auch Ted Herold hatte dort eingeheiratet, der »deutsche Elvis«, der schon mit 17 »Ich bin ein Mann« sang, ein Lied, das auf den Index der deutschen Radiosender kam, weil männlich suspekt (ja, das gab’s schon damals). Und was sang er? Neben anderen Hits natürlich Mu-u-un-light, die Nacht ist schön. Kennen Sie? Dann müssen Sie ja ganz schön alt sein.

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Mit Ted Herold verbinde ich auch eine peinliche Erinnerung. So peinlich, dass ich sie hier lieber verschweige (Klicken Sie mal den Blog »Sport, Gott & die Welt an …). Ungefähr zur gleichen Zeit wunderte ich mich in der Faschingszeit auf dem Schulweg über eine Grölerei auf den Straßen. Humbahumbahumbatäteräää! Die Geburtsstunde eines der größten Faschingshits hatte ich abends zuvor verpasst, »Mainz bleibt Mainz« war halt noch nie meins. Der neue Hit von Ernst Neger, wie der alte (Heile, heile Gänsje) geschrieben von Toni Hämmerle aus Gießen, ein blinder Telefonist, der von Ernst Neger, dem singenden Dachdeckermeister, am Schluss immer auf die Bühne geführt wurde. Negers Sohn Thomas geriet vor einigen Jahren unfreiwillig in die Schlagzeilen, weil er, mit einem Logo für seinen Betrieb warb, auf dem ein … Sie ahnen es! … zu sehen war.
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Und dann ist da noch »Die Achse des Guten«, die Welt-Kolumne des alten Spötters Henryk M. Broder, die diesmal ausschließlich von Gießen handelt, von der Fake-Aktion des kostenlosen Nahverkehrs. Da kriegt der wahnsinnig umtriebige Initiator mal bundesweite Schlagzeilen, sogar einige positive, und kann sich nicht mal outen, weil’s ziemlich teuer würde. Daher muss er alleine zu Hause den Rumpelstilz singen: »Ach wie scheiß, dass niemand weiß, dass ich … Humbahumbahumbatäteräää! (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle