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Ohne weitere Worte (vom 30. Januar)

Der Rückstand auf die Premier League, die so gewaltige Erträge erzielt, dass Englands Tabellenletzter noch dreimal so viel TV-Geld erhält wie der deutsche Meister, wächst rapide. (…) Dazu leidet die Anziehungskraft der Liga unter der Dauerdominanz der Bayern. (…) War in der letzten Saison noch fast die Hälfte aller Spiele ausverkauft, sind es im bisherigen Saisonschnitt nur 35 Prozent. (Christian Eichler in einem Leitartikel der Frankfurter Allgemeinen, Thema: »Der deutsche Fußball im Abseits?«)
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Gefährden manche Kommentatoren den Spaß am Fußball mehr, als es die Dominanz des FC Bayern München tut? Und kann man den Videobeweis auch dazu einsetzen, grobe Fouls der Moderatoren zu ahnden? (Matthias Kalle in der Zeit über den »Auftritt der Witzelsüchtigen«)
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Julian Nagelsmann ist ein Mann, der die Geschwindigkeit sucht. Wenn er eine Mannschaft Fußball spielen lässt, dann am liebsten schnell und nach vorne. (…) Und wenn Julian Nagelsmann redet, dann jagt ein Gedanke den nächsten, der eine Witz toppt den anderen. (…) Als er zum Beispiel im ZDF-Sportstudio saß, wurde er gefragt, ob ihn seine Freundin eigentlich noch sehe. Er antwortete: »Ja, sie sieht mich gerade im Fernsehen.« (Benedikt Warmbrunn in der Süddeutschen Zeitung)
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Alles in allem hat man das Gefühl, im Stadion neben (Wolff-Christoph) Fuss sitzt kein Assistent, sondern ein Gagschreiber – manches klingt dabei, wie nachts um drei in einer Kneipe auf den Bierdeckel gekritzelt. (Kalle/Zeit)
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Hat sich die Einstellung der heute Anfang Zwanzigjährigen (…) im Umgang mit Schmerzen oder aggressivem Spiel verändert? – Lars Bender: »Wir haben uns auch schon mal darüber aufgeregt: Warum springen gewisse Leute hoch, wenn’s eng wird? Für uns war das nie eine Option.« (…) – Sven Bender: »Die Besten bleiben immer stehen.« (aus einem Interview der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung mit den Bender-Zwillingen)
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Bela Rethy (…) verwechselt ständig die Münchner Spieler David Alaba und Kingsley Coman und scheint auch sonst von der Schnelligkeit des modernen Fußballs überfordert zu sein. (Kalle/Zeit)
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»Es ist ein bisschen wie bei einem Fußballspiel, aber bei einem Fußballspiel kann es leicht aggressiv werden. Deshalb gehe ich nicht gern zum Fußball, ich mag die Energie nicht.« – Bei einem Fußballspiel geht es aggressiver zu als beim Metal-Konzert? – »Ich denke ja. Natürlich sind die Fußball-Hooligans eine Minderheit, aber eine dumme und bedeutsame.« (Bruce Dickinson, Leadsänger der Heavy-Metal-Band Iron Maiden, im FAS-Interview)
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In der ARD hat es Steffen Simon geschafft, dass seine Kommentare ganz ohne Verben auskommen. (Kalle/Zeit)
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»(Vlado) Stenzel war ein sehr guter Trainer mit tollen Ideen, aber manchmal war er auch verpeilt. Es kam vor, dass er zwei Leute aus- und dafür nur einen wieder einwechselte. Auch im Finale passierte das, deshalb habe ich mich kurz vor Schluss noch einmal selbst eingewechselt.« (Dieter »Jimmy« Waltke aus dem Handball-WM-Team von 1978 im Spiegel-Interview)
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(Alexander) Bommes’ Stil könnte man mit Schnoddrigkeit bezeichnen, tatsächlich aber ist er von Gefallsucht ergriffen. (…) Bommes lacht gerne trocken aus der Nase – und erinnert dabei an die Witzfigur Bernd Stromberg. (Kalle/Zeit)
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Sie stammen aus Ostwestfalen mit drei Bundesligisten im Umkreis von 30 Kilometern. War immer klar, dass Sie Handballer werden würden? – »Ich hätte auch Leichtathlet werden können. Im Mittel- und Langstreckenlauf war ich auf Kreisebene gleichauf mit Thomas Wessinghage, der später Europameister wurde. Noch lieber hätte ich Fußball gespielt, aber in meiner Heimat (…) hattest du da keine Chance.« (Waltke/Spiegel)
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Die Kommentatoren, deren Namen kaum einer kennt, weil sie weniger mit Fußball zu tun haben (…), sind oftmals die besten: Andreas Witte zum Beispiel, ein Basketball-Kenner. Oder Florian Naß, der gerade die Handball-EM kommentiert. (Kalle/Zeit)
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Real Madrid (…) spielt die schlimmste Saison seit Erfindung des Farbfernsehens. (Florian Haupt in der taz)
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Jupp Heynckes (…) hat mehrmals erklärt, dass er im Sommer wieder zurück will zu seinem Hund, seiner Frau und seinem Bauernhof, möglicherweise in dieser Reihenfolge. (Christof Kneer in der Süddeutschen Zeitung) (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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