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Sonntag, 21. Januar, 6.40 Uhr

Zuerst dpa gesichtet. Lkw mit tiefgekühlten Garnelen bei Glatteis von Brücke gestürzt. Garnelen wohlauf, Fahrer nur leicht verletzt. Also nicht viel los gewesen heute nacht. Eine andere Nachricht, nachts bei dpa noch einmal zusammengefasst, ist selbst für schwärzesten Humor zu schrecklich: Sechsjähriger beim Schwimmkurs ertrunken. Das Kind, die Eltern, die Kinder, der Kursleiter – man darf gar nicht daran denken. Selbstbezogen: Ich darf nicht daran denken, sonst kann ich keine Montagsthemen schreiben.

Ablenkung bei Bild online gefunden. Drei Schlagzeilen aus Beziehungs-Himmel&Hölle. „Glückliche Paare schlafen getrennt“, „1600 Euro Strafe, weil Frau Mails ihres Mannes liest“ und „In Gretes Herz (91) war nur Platz für einen Mann (seit 65 Jahren verheiratet)“.

Warum beschäftigt mich die MeToo-Debatte so sehr? Ist doch in der öffentlichen Aufbereitung vor allem Hollywood, also mit viel Ballyhoo Ablenkung vom wahren Problem. Aber das ist es wahrscheinlich: das wahre Problem, und da liegt der Sport als „Miniaturkopie der Arbeitswelt“ (Horst Eberhard Richter, den viele längst vergessen haben, einige meinen: zu recht) wieder einmal schrecklich weit „vorne“, denn in ihm ist, zumindest war übelster Missbrauch weniger Ausnahme als Methode. Aber die Welt, weibliche wie männliche, labert lieber über chic schwarz gestylte Hollywood-Diven, über einen neue Machthebel im gesellschaftlichen Geschlechterkampf hier und über Dumpfbacken dort, die sich mit schenkelklatschenden männlichen Stammtischparolen wehren. Ich denke an Trainer, die ich gekannt habe und von denen alle wussten, was ihr Erfolgsrezept war, und an Sportlerinnen, die nie und nimmer über ihre Erniedrigungen, die sie erst später als solche erkannten, reden würden. Und ich denke an den Teamarzt der US-Turnerinnen, der 30 Jahre lang sein Unwesen trieb und die ekelerregende Frechheit besaß, seine „‚Behandlungen‘ – in Form von vaginaler Penetration – damit zu rechtfertigen“, dass sie „‚der Entspannung der Beckenmuskulatur der Turnerinnen‘ dienen sollten“ (Welt). Dagegen sind dreckige Couchgeschichten a la Weinstein (oder a la deutschem W.) nur … eben Hollywood.

Habe ich nicht gestern bei Bild online einen hübschen Freudschen Verschreiber gelesen? Schlagzeile so ähnlich wie „Schießt Aubameyang zum Mond“, und im Text ein „Abschusstraining“?  Schaue ich gleich mal nach. Vielleicht ein Schmankerl, nee ich bin ja kein Ösi, vielleicht ein Gutsjen für die Montagsthemen. Ach ja, Österreich: Sogar die Ösis freuen sich über den deutschen Sieg auf der Streif. Weil Skilauf ihre Automobilindustrie ist und ebenso wie diese unter Existenzproblemen leidet. Da kommt ein neuer Hype aus dem wichtigsten Markt gerade recht. Außerdem scheint dieser Junge ein echter, ehrlicher, unverbrauchter, bodenständiger Typ zu sein, ein Sympathieträger ohne Sperenzchen. Hoffentlich täuscht das nicht, hoffentlich bleibt das so.

Irgendwo gelesen, dass die Existenzprobleme in den Alpen (wg. Klimawandel und den Grenzen des Wachstums) zu hilflosen Vorschlägen führen wie dem, doch auf martialische Begriffe wie „Schneekanone“ zu verzichten, um empfindliche Gemüter nicht abzuschrecken. Die Angst vor dem Jause-und Sause-Ende muss riesengroß sein …

Auch der Fußball hat Existenzprobleme, vor allem wegen des Endes des Wachstums. Das ist fast schon erreicht, auch wenn derzeit das Wachstum grenzenlos scheint. Scheinbar scheint, falls das kein weißer Schimmel ist.

Da fällt mir ein: Ich will, heute oder später, mal versuchen, die Fußballklubs mit Opernhäusern zu vergleichen. Auch dort schließen die Stars der Szene Verträge ab, von Spielzeit zu Spielzeit, wechseln wie sie wollen, kaum einer hat echte Wurzeln in und Langzeitbeziehung zu einem Haus, und niemanden stört es. Sogar Ultra-Fans gibt es dort. Da muss ich noch mal nachschauen, wie das mit Herzog, Kinski und der Oper im Urwald war. Bei Kinski könnte ich auch den Bogen zum Missbrauchsthema schlagen.

Warum ist die Eintracht auswärts so stark? Mich dürfen Sie nicht fragen. Aber es gibt genügend Experten, die schlau Bescheid wissen. Ich bin da „ganz nah bei“ Kovac. Der sagt, dass er es ebenfalls nicht weiß. Und das muss für heute früh genügen. Jetzt KKKK!

 

Baumhausbeichte - Novelle