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Sport-Stammtisch (vom 6. Januar)

Jetzt fallen die Vorentscheidungen. Wer Weltmeister wird, die Champions League gewinnt, den deutschen Titel holt … nein, das ist ja klar. Aber momentan wird um die internationalen Titel trainiert (und auch gegen den nationalen Abstieg). Mini-Winterpause, eine Herausforderung für die Trainingstüftler in dieser vollgepfropften Saison. Am Ende rufen die Fans der Kellerklubs wieder »Wir wolln euch kämpfen sehn«, und die Bewunderer der Superstars wundern sich über deren WM-Formschwäche. Und sie ahnen nicht, dass der Knackpunkt schon im Januar lag. Und die Grundlage dafür in der Saisonvorbereitung gelegt wurde. Und …
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… lahmer Einstieg? Leser vergraulend? Dann provoziere ich mal zwischendurch: Die Deutschen sind schlechte Verlierer. Sagen nicht nur die Polen. Weil: Hätten wir lamentiert und protestiert, wenn Stoch Freitags Missgeschick passiert wäre? Ich lamentiere jedenfalls nicht. Lamen…? Da war doch noch was? Ach so, ja, »Lameng«. Kürzlich geschrieben und gefragt: »Gibt es das Wort überhaupt?« Klaus-Dieter Willers (Hungen): »Das Wort gibt es, allerdings in der Schreibweise ›Lamäng‹. So klingt es auch etwas mehr nach dem französischen ›la main‹«.«– Ich hätte es wissen müssen! Löchriges Gedächtnis. Denn vor etwas mehr als einem Jahr schrieb ich: »Ursprung ist ›la main‹, also nicht unser geschlechtsumgewandelter Main, sondern die französische Hand.«
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Stichwort Main. Hier lebte einst eine launische Diva. Die Glamouröse ist längst verschieden, nun waltet eine züchtige, tüchtige Hausfrau. Nur einer wirft in ihrem properen Haushalt noch ab und zu Konfetti unters Volk. Kein Zutritt für AfD-Mitglieder! Schon wallt und wogt es hübb und drübb de Bach, da jauchzt die gute Seele, schwillt der böse Kamm. Leider ergibt hier minus mal minus nicht plus, sonst bekäme all der Nonsens zum Nonsens doch noch Sinn.
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Zurück zu unseren Lesern. Ich bin immer wieder baff und begeistert, wie engagiert sie, ja Sie, »ihre« Kolumne begleiten. Sie sammeln auch fleißig mit, wenn es um ein sprachliches Hobby geht. Werner Haaser (Gießen) zu einem Fund bei Spiegel online: »Diese Schlagzeile hätte Ihnen sicher Spaß bereitet, aber der Autor scheint ja durch Ihre Schule gegangen zu sein und hat’s vorsorglich klargestellt: Dieb reißt Frau Goldkette vom Hals und verschluckt sie (die Goldkette, nicht die Frau)
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Das war die 999. in der Online-»Mailbox« veröffentlichte Leser-Mail. Die tausendste kam von Dr. Sylvia Börgens (Wölfersheim), zu den letzten »Montagsthemen«, aber sie passt so richtig schön zum Jubiläum: »Dass Sie in Ihrer heutigen Kolumne den von mir hochgeschätzten H. D. Hüsch zitierten, brachte mich auf den Gedanken, Ihnen als Gruß zum Jahr 2018 eines meiner Lieblingsgedichte zu senden: Ich bin vergnügt, erlöst, befreit / Gott nahm in seine Hände meine Zeit … Lesen Sie bitte weiter in der »Mailbox«. Oder in Hüschs gesammelten Werken (Titel: »Psalm«).
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Eigentlich aber ist es erst die 999. Mail, denn eine musste ich löschen. Eine irre Geschichte. Als ich einmal erwähnte, dass auch mit Crystal Meth gedopt würde, schrieb ein Leser lapidar: »Ich brauch kein Crystal Meth, mir reicht Kristall und Mett.« Eingeklinkt in die Mail waren zwei kleine Bildchen, ein Weizenglas und ein undefinierbares Häufchen. Viele Monate später mahnte uns ein Anwaltsbüro sehr, sehr teuer ab, weil der Klops, der aussah wie ein Häufchen meines Hundes, aus einem Kochbuch stamme und unautorisiert übernommen worden sei.
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Das gibt es doch gar nicht!? Doch. Dass unsere Rechtsprechung manchmal der Logik des einigermaßen gesunden Menschenverstands widerspricht, weiß ich, seit mich ein hochrangiger Richter aufgeklärt hat, dass nicht die Logik über die Rechtmäßigkeit entscheidet, sondern das, was die Legislative im Gesetzgebungsgang für rechtmäßig erklärt und verabschiedet. Wie beim aus meiner naiven Sicht unlogischen Anti-Dopinggesetz. Das stellt selbst den Besitz kleinster Mengen an Dopingmitteln unter Strafe, und da auch Otriven-Nasentropfen und sogar Wick Medinait für Kinder auf der Dopingliste stehen (wegen Ephedrin), würde vor allem in diesen Erkältungstagen halb Deutschland in Dopinggefahr schweben – wenn das Anti-Dopinggesetz kein Sondergesetz für eine kleine Volksgruppe wäre. Da fehlt nur noch, diese Gruppe öffentlich kenntlich zu machen. Diesmal mit den olympischen Ringen als Aufnäher.
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Ich weiß, ich weiß, ist eine alte Schrulle, ein Spleen von mir. Eine Marotte halt, denn das ist die verniedlichende Verkleinerungsform von Marie, und so nannte man – im Gegensatz zur Marionette, die an Drähten hängt – eine Puppe auf einem Stab, die der Narr im Mittelalter vor sich her trug. Eine Marotte steht mir also zu.
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So, Kolumne geschafft, und keiner hat sich in meine Hardware gehackt. Hoffe ich. Denn die Gefahr ist viel realer, als wegen Otriven gesperrt zu werden. Überhaupt, diese Digitalisierung, dieses Wunderwerk unserer Zeit, das die Welt verändern und verbessern wird. Sie erinnert mich an die frühen Sechziger Jahre, als der Fortschritt zum Segen der Menschheit nicht Digitalisierung hieß, aber mit gleichlautenden Worten propagiert wurde. Das Zauberwort damals hieß Kernenergie. Aber das ist ein anderes Thema und hat mit Sport eventuell nicht mehr allzu viel zu tun. (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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