Archiv für Januar 2018

Sonntag, 28. Januar, 6.50 Uhr

Draußen nieselig, drinnen heimelig. Seltsame Meldung der Nacht: Mücken merken sich, wenn man nach ihnen schlägt, und stechen den Schläger nicht mehr, selbst wenn er vorbei haut. Widerspricht aller selbstempirischen Erfahrung … was? … selbstempirische Erfahrung? … Galoppel, galoppel, da prescht schon am frühen Morgen ein weißer Schimmel vorbei.  Jedenfalls bin ich ein gefundenes Fressen für Mücken, auf ihrem Schulhof mobben sie mich als ideales „Opfer“. Wenn ich neben ihr am Teich sitze, braucht die Allerbeste  keinen chemischen Mückenschutz. Allerdings bin ich auch ein lebender Seismograph für das Insektensterben. Im letzten Sommer blieb sogar ich fast unbehelligt. Auch beim Radfahren atmete ich viel weniger Getier ein.

Zoff beim BVB, titelt Bild online. Text lese ich später oder überhaupt nicht, ist ja klar. Die SPD hypt wieder, meldet die FAS als Aufmacher. „So viele Mitgliederanträge wie seit Willy Brandt nicht mehr“. Wenn die Neuen gegen/für GroKo abstimmen wollen, haben sie sich wohl getäuscht, wenn ich alles richtig verstanden habe, wird die SPD eine Deadline vorgeben. Alles andere wäre ja auch Quatsch. Sonst treten alle Konsens-Demokraten kurz vor dem AfD-Parteitag ein, wählen Flüchtlingsbeseelte in den Vorstand und Gauland & Co. ab. Dann treten sie wieder aus und in die CSU ein und verhindern Söder. Während eine kleine GroKo aus Linken, AfD und FDP in die CDU eintritt und Merkel abwählt.

Kleine GroKo ist auch ein weißer Schimmel, wenn es um die aktuelle geht.

Hilft mir alles nichts für die Montagsthemen. Mal im Stein(es)bruch gucken, was da so herum liegt … Fan-Streik Montagsspiele, Grafite, Pedelec 28 %, Liverpool/Heynckes, Lahm/Salihamidzic, Hoffen auf Reus, Leserausschnitte. Reicht noch nicht, da muss noch mehr kommen. Vor allem kommt aber erst …. da ist sie schön, KKKK.

Da ist sie schön? Schöner Freudscher Verschreiber. Und das nach über 30 Jahren.

 

Nachtrag 7.30 Uhr: Schon bei der ersten Lektüre merke ich, wieso ich im Tran/Flow des früheren Morgens auf Mitgliedschaften in Vereinen gekommen bin. In der Süddeutschen geht es um das gleiche Thema, wg. Eintracht, Fischer und der AfD, die ihre Anhänger aufgerufen hat, jetzt erst recht in die Eintracht einzutreten. Bzw. die Mitgliedschaft zu beantragen. Die Diskussion ist aber, meine ich, überflüssig. Zum einen kann ein Verein aufnehmen, wen er will. Niemand hat das Recht, in einen bestimmten Verein einzutreten , aber jeder Verein hat das Recht, Bewerber abzulehnen. Ist es nicht immer noch so, dass man Bürgen braucht, um in den Tennisklub aufgenommen zu werden? Das ist nicht nur rechtens, sondern vernünftig und selbstverständlich. Wenn ich zum Beispiel mit Gleichgesinnten einen kleinen Verein mit dem Zweck X gründe, muss ich bzw. mein Vorstand niemanden aufnehmen, der den Zweck Y propagiert. Die Eintracht muss niemanden aufnehmen, der den Zweck AfD propagiert, ja, sie muss auch niemanden aufnehmen, der den Zweck CDU propagiert (oder SPD, Linke etc.). Aufnahmekriterien sind willkürlich, dürfen es auch sein. Dennoch ist die Sache bei der Eintracht völlig überflüssig und von Fischer populistisch hochgepusht worden, denn rein sachlich dürfte er nicht unterscheiden zwischen den anerkannten, nicht verbotenen und bei der Bundestagswahl rechtens angetretenen Parteien, ob AfD, Linke, SPD oder CDU. „Wir wollen keine Rassisten“ ist okay, „Wir wollen keinen von der AfD“ ist, nun ja, nicht okay.

Veröffentlicht von gw am 28. Januar 2018 .
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Sonntag, 21. Januar, 6.40 Uhr

Zuerst dpa gesichtet. Lkw mit tiefgekühlten Garnelen bei Glatteis von Brücke gestürzt. Garnelen wohlauf, Fahrer nur leicht verletzt. Also nicht viel los gewesen heute nacht. Eine andere Nachricht, nachts bei dpa noch einmal zusammengefasst, ist selbst für schwärzesten Humor zu schrecklich: Sechsjähriger beim Schwimmkurs ertrunken. Das Kind, die Eltern, die Kinder, der Kursleiter – man darf gar nicht daran denken. Selbstbezogen: Ich darf nicht daran denken, sonst kann ich keine Montagsthemen schreiben.

Ablenkung bei Bild online gefunden. Drei Schlagzeilen aus Beziehungs-Himmel&Hölle. „Glückliche Paare schlafen getrennt“, „1600 Euro Strafe, weil Frau Mails ihres Mannes liest“ und „In Gretes Herz (91) war nur Platz für einen Mann (seit 65 Jahren verheiratet)“.

Warum beschäftigt mich die MeToo-Debatte so sehr? Ist doch in der öffentlichen Aufbereitung vor allem Hollywood, also mit viel Ballyhoo Ablenkung vom wahren Problem. Aber das ist es wahrscheinlich: das wahre Problem, und da liegt der Sport als „Miniaturkopie der Arbeitswelt“ (Horst Eberhard Richter, den viele längst vergessen haben, einige meinen: zu recht) wieder einmal schrecklich weit „vorne“, denn in ihm ist, zumindest war übelster Missbrauch weniger Ausnahme als Methode. Aber die Welt, weibliche wie männliche, labert lieber über chic schwarz gestylte Hollywood-Diven, über einen neue Machthebel im gesellschaftlichen Geschlechterkampf hier und über Dumpfbacken dort, die sich mit schenkelklatschenden männlichen Stammtischparolen wehren. Ich denke an Trainer, die ich gekannt habe und von denen alle wussten, was ihr Erfolgsrezept war, und an Sportlerinnen, die nie und nimmer über ihre Erniedrigungen, die sie erst später als solche erkannten, reden würden. Und ich denke an den Teamarzt der US-Turnerinnen, der 30 Jahre lang sein Unwesen trieb und die ekelerregende Frechheit besaß, seine „‚Behandlungen‘ – in Form von vaginaler Penetration – damit zu rechtfertigen“, dass sie „‚der Entspannung der Beckenmuskulatur der Turnerinnen‘ dienen sollten“ (Welt). Dagegen sind dreckige Couchgeschichten a la Weinstein (oder a la deutschem W.) nur … eben Hollywood.

Habe ich nicht gestern bei Bild online einen hübschen Freudschen Verschreiber gelesen? Schlagzeile so ähnlich wie „Schießt Aubameyang zum Mond“, und im Text ein „Abschusstraining“?  Schaue ich gleich mal nach. Vielleicht ein Schmankerl, nee ich bin ja kein Ösi, vielleicht ein Gutsjen für die Montagsthemen. Ach ja, Österreich: Sogar die Ösis freuen sich über den deutschen Sieg auf der Streif. Weil Skilauf ihre Automobilindustrie ist und ebenso wie diese unter Existenzproblemen leidet. Da kommt ein neuer Hype aus dem wichtigsten Markt gerade recht. Außerdem scheint dieser Junge ein echter, ehrlicher, unverbrauchter, bodenständiger Typ zu sein, ein Sympathieträger ohne Sperenzchen. Hoffentlich täuscht das nicht, hoffentlich bleibt das so.

Irgendwo gelesen, dass die Existenzprobleme in den Alpen (wg. Klimawandel und den Grenzen des Wachstums) zu hilflosen Vorschlägen führen wie dem, doch auf martialische Begriffe wie „Schneekanone“ zu verzichten, um empfindliche Gemüter nicht abzuschrecken. Die Angst vor dem Jause-und Sause-Ende muss riesengroß sein …

Auch der Fußball hat Existenzprobleme, vor allem wegen des Endes des Wachstums. Das ist fast schon erreicht, auch wenn derzeit das Wachstum grenzenlos scheint. Scheinbar scheint, falls das kein weißer Schimmel ist.

Da fällt mir ein: Ich will, heute oder später, mal versuchen, die Fußballklubs mit Opernhäusern zu vergleichen. Auch dort schließen die Stars der Szene Verträge ab, von Spielzeit zu Spielzeit, wechseln wie sie wollen, kaum einer hat echte Wurzeln in und Langzeitbeziehung zu einem Haus, und niemanden stört es. Sogar Ultra-Fans gibt es dort. Da muss ich noch mal nachschauen, wie das mit Herzog, Kinski und der Oper im Urwald war. Bei Kinski könnte ich auch den Bogen zum Missbrauchsthema schlagen.

Warum ist die Eintracht auswärts so stark? Mich dürfen Sie nicht fragen. Aber es gibt genügend Experten, die schlau Bescheid wissen. Ich bin da „ganz nah bei“ Kovac. Der sagt, dass er es ebenfalls nicht weiß. Und das muss für heute früh genügen. Jetzt KKKK!

 

Veröffentlicht von gw am 21. Januar 2018 .
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Mittwoch, 17. Januar, 10.30 Uhr

Es dauert eine Weile, bis ich alle Passwörter eingegeben habe, um loslegen zu können. Vor allem, wenn ich dabei mal kurz aus dem Fenster schaue, weil es wieder schneit und ich gerade erst Schnee geschippt habe. Mist, denke ich, und schwupps, bin ich raus aus dem Automatismus, der die Wörter am Bewusstsein vorbei in die Finger zu schicken pflegt. Ich beginne zu denken, das dauert, manchmal ohne Erfolg, dann muss ich suchen, wo ich sie notiert habe und ob überhaupt … und irgendwann schalte ich den Computer aus, an, befehle Nullstrom ins Hirn … und schon fließen die Wörter wieder.

 

Es sind Wörter, keine Worte. Beim Unwort des Jahres machen sich manche darüber lustig, dass es nicht ein Wort ist, sondern deren zwei. Wie bei Horst Hrubesch: „Ich sage nur ein Wort: Vielen Dank!“ Mein ewiges Unwort des Jahres hat sogar drei Wörter: „Unwort des Jahres“. Aber meine Alternative für alternative Fakten, quasi ein Synonym dafür, hat nur ein Wort: Trump. Lustig am Lustigmachen ist aber vor allem, dass man sich über die Sichlustigmacher lustig machen könnte, die den Unterschied zwischen Worten und Wörtern nicht kennen.

 

Wenn ich schon mal die Hürde der Passwörter (es sind keine Worte!) genommen habe, kann ich auch im Stein(es)bruch des Herrn St. arbeiten, Brocken für Brocken, zwecks eventueller späterer Formung und Polierung für die Kolumnen. Alex Meier, lese ich gerade, ist „vom Fußball-Rentner weit entfernt“. Er sagt es, er glaubt es, er will es glauben, ich kann es verstehen, weil es nur allzu sportsmännlich ist, aber ich weiß es, wir wissen es, und auch Meier selbst weiß es und verdrängt es, dass … nein lieber ein zehntes „es“: ES wäre gar zu schön, wenn Alex Meier, den ich schon in seiner Frankfurter Anfangszeit, als ihn die meisten Fans noch gnadenlos auspfiffen, als einmalige, außergewöhnliche Erscheinung mit überragender Spielintelligenz und einem golden Fuß empfunden und beschrieben hatte, zur Krönung und zum Abschluss seiner Karriere in der Schlussphase des Pokalfinales eingewechselt würde und das Siegtor gegen Manuel Neuer schösse, aber leider müsste das Fußball-Schicksal noch verschlungenere Wege gehen als ich mit diesem extrem verbauten hypotaktischen Satzgefüge, um den darin enthaltenen Wunschtraum wahr werden lassen zu können.

 

Mit der Zeitungs- und Zeitschriften-Sichtung bin ich in Verzug. Heute früh erst habe ich die Zeit durchforstet, morgen kommt schon die neue. Drei Seiten zur, nun ja, Seite gelegt: über Dagmar Manzel, die Afrikanische Schweinepest und das Interview mit Trump-Bestsellerautor Wolff.

 

Ebenfalls auf dem Stapel: „Sphinx ohne Geheimnis“ ein Porträt von Theresa May in der FAZ. Ohne Geheimnisse? Ich würde gerne wissen, woher Mays merkwürdige Körperhaltung kommt. Als Kind habe ich einen Befund auswendig gelernt, nach dem ich in ein Korsett gesteckt werden sollte: „Vermehrte Skoliose bei verminderter Reklination und Seitneige“. Hat sich zum Glück ohne das Schreckgespenst Korsett einigermaßen verwachsen.

 

Auch eine andere Diagnose aus der Kindheit habe ich mir gemerkt: „Senk-Spreiz-Knick-Füße mit ausgeprägtem Hallux Valgus.“  Ich war immer sehr enttäuscht über den Verlauf meiner sportlichen Karriere, aber ich hätte wohl sehr zufrieden sein sollen, denn wer stößt schon mit diesen Handicaps 20 Meter?

 

Die Alterserkennung bei jugendlichen Migranten soll ja, wenn überhaupt, nicht per Röntgen erlaubt werden. Wegen der Strahlenbelastung. Als Kind war ich fasziniert von dem Durchleuchtungs-Apparat  im Schuhhaus Darre im Gießener Seltersweg. Als Kind bekam ich zwar keine Schuhe gekauft, wir waren so arm, dass mir Lumpen um die Füße gewickelt wurden, aber ich schlich oft ins Darre und steckte meine Füße in den Apparat (und schnorrte an der Kasse ein Lurchi-Heftchen). So oft, dass mein halluxvalgusartiger Senkspreizknickfuß ganz sicher von dem Teufelsapparat kommt. Erspart den 30-jährigen Migrantenkindern mein Schicksal!

 

Ich kann auch ernsthaft. Interview mit Ungarn-Orban in der Welt gelesen. Was er über Flüchtlinge, Migranten, EU und Deutschland sagt, entspricht fast durchweg meinem Gefühl. Was mir peinlich ist, denn Orban gilt ja als menschliche No-go-Area. Zur Beruhigung habe ich noch mal den Wahlomat getestet. Ergebnis: Ich bin ein Mann der GroKo, mit nicht geringen Berührungspunkten mit allen anderen Parteien. Ja, auch mit der … Ich scheine also fast ein typischer Herr Mustermann der Bundesrepublik zu sein. Und genauso ratlos.

 

 

 

Veröffentlicht von gw am 17. Januar 2018 .
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Sonntag, 14. Januar, 6.35 Uhr

Kalt, klar, trocken. Obwohl – so richtig kalt ist es natürlich nicht, wir haben schließlich Hochwinter. Oder müsste das Gegenstück zum Hochsommer Tiefwinter sein? Wenn ich jetzt noch vom Gegenstück zum Frühlingserwachen schreibe, drifte ich schon zu Beginn des Sonntagfrühmorgensblog in den Halbwahnsinn ab. Aber es juckt mich. Also gut. Spätrechtseinschlafen. Jetzt aber Schluss damit. Dunkel war’s der Mond schien helle. Imposant, im Hintern Steine, im Arsch Geröll. Gibt es auch ein schriftliches Tourette-Syndrom? Hat es mich am Wickel? Zur Sprachberuhigung aktiviere ich meine Selbstheilungskräfte … aber jetzt kommt mir der Babycaust dazwischen, Favorit auf das Unwort des Jahres. Noch nie gehört, aber im nächsten Satz gelesen, dass es sogar aus Gießen kommt. Mein Unwort des Jahres bleibt wie jedes Jahr: „Unwort des Jahres.“

Cool down. Mit „am Wickel haben“. Woher kommt das? Neben mir liegt das Smartphone, ich gucke nach … aha, kommt nicht vom Wickeln des Babys, das man dann am Gewickelten halten kann, sonden … upps, zwischen „sonden“ und den drei Punkten liegt ein Systemabsturz, weil ich beim Hantieren mit dem Handy den Laptop dappisch berührt habe. Außerdem muss „sonden“ „sondern“ heißen. Also:…. sondern „entweder das Band, mit dem die Haare zusammengebunden wurden, oder die im Nacken zusammengebundenen Haare selbst“. Gleich danach die Einschränkung: Nichts Genaues weiß man nicht. Ist ja dappisch. Aber das schlage ich jetzt nicht nach. Habe ich bestimmt schon mal, und genauso bestimmt finde ich es im eigenen Archiv, denn in 45 Jahren „gw“-Schreiben habe ich die Prozedur bestimmt schon ein paar Mal durch – Wort schreiben, nachgucken, was es bedeutet, Bedeutung schreiben. Ich schau mal kurz in mein Papier-Stichwortverzeichnis rein. Geht von A (Aberglaube/16.12.97/Capello) bis Z (Zwanziger, Dr. Theo/14.7.2010/wg. Amerell). Die Unterabteilung „Sprache alphabetisch“ geht von „abängstende Machmänner (8.2.2010) bis „Zeugma“ (5.4.2003). „Dappisch“ ist gar nicht dabei.

Dappisch war der Fehlalarm  auf Hawaii. Da hat jemand einen noch größeren Atomknopf gehabt als Trump, einen so großen, dass er beim Hantieren mit dem Handy dappisch den Knopf berührt hat.

So, jetzt mal seriös: In einer der letzten Kolumnen verglich ich den Digitalisierungs-Hype mit dem um die Atomenergie in meiner frühen Jugend. Damals die große Enttäuschung im Kino, wenn der Vorfilm (ja, liebe Kinder, so was gab’s, dauerte manchmal eine halbe Stunde, mindestens gefühlt) wieder einmal eine öde Ode an die Kernenergie war. Mit Besuch im Atommeiler, alles blitzblank dort, futuristisch, aber soooooooooo langweilig. Bis endlich 20 ooo Meilen unter dem Meer kam.

Auf Hawaii gerieten auch die Golf-Profis in Panik. Einer von ihnen twitterte „mit meiner Frau, Baby und Schwiegereltern unter Matratzen in der Hotelbadewanne“. Die USA bleiben das Land der unbegrenzten Unmöglichkeiten. Wannen gibt’s da! In meine passe ich nicht mal halb, auf Hawaii tauchen ganze Familien in einer unter, mit Matrazen drüber.

In unserer deutschen Atom-Hype-Zeit genügte bei Gefahr eine Aktentasche, die man über den Kopf ziehen  sollte. Die beiden Alten, so an die 90, die ich sehr viel später sah, nach Tschernobyl, hatten keine Aktentaschen zur Hand, als es zu regnen anfing. Panisch hasteten sie humpelnd heran, unter unserem Vordach Schutz suchend. Spätschäden fürchtend.

Mich juckt es auch, das bis jetzt Geschriebene gleich noch einmal durchzulesen und einige der Albernheiten in die Montagsthemen zu übernehmen. Dazu schon seit gestern Abend auf dem Zettel: Diekmeier mit den meisten Einwürfen zum Gegner / Füllkrug kein lupenreiner Hattrick / Samstagnachmittag zu Hause, Rolf Italiander (?), Zustand der Liga / Moody Blues (B-Seite) / Julio Iglesias.

Ach, noch was, ist ja noch früh. Sachen gibt es, die sind so verrückt, dass man kaum noch daran denkt und sie für völlig normal hält. Zum Beispiel gestern. Zum Blumengießen in der Wohnung vom Bub. Der mit Kleinfamilie am anderen Ende der Welt überwintert. Monatelang hatte das Wasser in der neu bezogenen Wohnung keinen Druck, es tröpfelte nur aus dem Hahn, es nervte die Familie ganz gewaltig. Irgendein größeres Problem, der Hausbesitzer war ratlos, es dauerte und dauerte, es tröpfelte weiter. Gestern drehe ich den Hahn auf, und ein satter Strahl kommt heraus. Ich zücke das Handy, nehme das Wunder auf, beame es zigtausende Kilometer weit, und Sekunden später ploppt auf: Juhu! Wunder der … Digitalisierung.

 

Veröffentlicht von gw am 14. Januar 2018 .
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Sonntag, 7. Januar, 11.40 Uhr

Ich sollte öfter verpennen. Montagsthemen sind geflutscht wie selten. Ziemlich länglich geworden, obwohl der Themenzettel nicht abgearbeitet werden konnte. Zum Beispiel die Gemeinsamkeit von Jenninger und Özdemir. Oder MeToo und ein früherer Ersatztorhüter von Real Madrid (Ja, klar, Julio Iglesias). Oder Birkenstock, die Tennis-Socken und die Nogos von früher als Trendsetter von heute. Und und und. Aufgeschoben und aufgehoben.

Aus Umgestaltungsgründen meiner liebsten Innenarchitektin muss ich meine Bücherregale umstellen und, ja, das wird mal wieder Zeit, ausmisten. Aus weit über 2000 müssen ca. 1500 werden. Was manchmal einfach ist, wie bei diversen Griechenland-Führern, die ich drei- und vierfach habe, weil jeweils die neue, aktuelle Ausgabe gekauft (ja, liebe Kollegen dort draußen in der deutschen Welt, gekauft. Kennt ihr das Wort?). Das Ausmisten zieht sich aber hin, denn ab und zu rutscht aus einem Buch etwas heraus, ich nehme es in die Hand, sinniere… wie über den Parkausweis der „Commune di San Vito Lo Capo“. „Autorizzizione N.2613“, „Valida dal 05.09.97 al 08.09.97.“,“Veicolo: Fiat Tempra.“ Haben wir dort und damals nicht auf dem Hotelzimmer im Fernsehen Elton John gesehen, Trauerfeier, Lady Di? Klar. Und schon zieht die gesamte Reise am Gedächtnis-Horizont vorüber. Oder die Fährschilder der Minoan Lines, gut sichtbar im Auto zu platzieren. „Patras“ für hin, „Venice“für zurück. Oder der bröckelige Stein, echte erstarrte Lava vom Ätna. Um die Bücher herum Millionen an Lire, ein Platzschildchen vom Ristorante Belvedere in Cinque Terre (vorne, welches der Städtchen war es?). Eine Schnee(!)schüttelkugel von Naxos. Und was mache ich mit den Kicker-Sammelbänden von 1950 bis 1966? Rare Sammlerstücke. Zwei Bände schon vor Jahren verschenkt, einen zum Geburtstag einem Kollegen, den, ausgerechnet!, von 1954 an meinen Bruder. Ich sitze, denke, und alle halbe Stunde wird schweren Herzens ein Büchlein aussortiert. Aber ich glaube, Sie kennen das.

Veröffentlicht von gw am 7. Januar 2018 .
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