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Sport-Stammtisch (vom 30. Dezember)

Fast in einer Endlosschleife – Rückblicke gab es ja mehr als genug – haben wir die großen Momente des Jahres noch einmal Revue passieren oder »Paroli laufen« (Horst Hrubesch) lassen. Jetzt sind sie Geschichte – und die meisten schon bald vergessen. Aber es gab auch die kleinen Momente, scheinbare Nebensächlichkeiten, die keine Schlagzeilen machten, die sich aber im Kopf verhaken und dort länger bleiben als die »Blockbuster« des Jahres 2017.
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Bei mir ist es ein Satz aus der Online-Ausgabe einer neuseeländischen Tageszeitung. Aber von vorn: Im Juli 2011 hörte ich erstmals von Jacko Gill, seitdem verfolgte ich im »Anstoß« und im Blog »Sport, Gott & die Welt« den sportlichen Weg des jungen Kugelstoßers. Als ich bei Youtube auf ein ungeheuerliches Trainingsvideo des nun 16-Jährigen stieß, konnte ich es kaum fassen. Der Junge sprang buchstäblich über Tische und Bänke. Dunking mit der 7,26-kg-Kugel (!), wildeste Übungen mit der Langhantel, schon beim Zusehen schmerzte die eigene Wirbelsäule. Sprints und Sprünge wie aufgedreht, höchste Belastungen, unfassbare Leistungen. Den Jungen trieb etwas an. Hoffentlich nicht der Wahnsinn, schrieb ich, forschte nach und erfuhr: Jacko hatte die Schule geschmissen, war Profi-Kugelstoßer, trainierte dreimal am Tag bzw. in der Nacht – die dritte Trainingseinheit stand nachts um zwei auf dem Tagesplan.
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Der 16-Jährige kam mit der Männerkugel schon auf 20,38 m und hatte im Jahr zuvor, also mit 15, einen der unwirklichsten Weltrekorde überhaupt aufgestellt, als er mit der 5-kg-Kugel seiner Altersklasse 24,45 m stieß. Nur zum Vergleich: Ich war unglaublich stolz, als ich mit 15 Jahren 14,16 m schaffte und in der deutschen Bestenliste meiner Altersklasse Dritter wurde. Ich schaute mir jenes und einige andere Trainings-Videos dieses Jahrtausendtalents mehrmals an. Bei aller Faszination dachte ich: Hoffentlich geht das gut.
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Schon bald ahnte ich: Es geht nicht gut, gar nicht gut. Gill stagnierte, fiel mit knapp 20 Jahren sogar hinter die Leistungsfähigkeit zurück, die ihn als 15-Jährigen zum einzigartigen Phänomen gemacht hatte. Sein Stern schien schon verglüht, bevor er aufgehen konnte. Ausgebrannt. Doch er berappelte sich, schaffte es gerade so in den Endkampf bei großen Meisterschaften, trainierte immer noch wie ein Getriebener, manisch, ruhelos, erlitt einen Ermüdungsbruch, trainierte aber weiter, immer weiter, mittlerweile außerhalb Neuseelands so gut wie unbeachtet, da leistungsmäßig nur einer von vielen unter »ferner stießen«. Auch in dortigen Zeitungen, in denen ich ab und zu online nach ihm suchte, fand ich kaum noch etwas. Bis ich dieser Tage auf jenen fatalen Satz stieß: »Jacko Gill erleidet Herzattacke.« Myokarditis, Herzmuskelentzündung. Mit 22. Lebensgefährlich, wenn nicht rechtzeitig erkannt und wenn man sich sportlich belastet. Es gibt einige bekannte Fußballer, auch aus der Bundesliga, die daran gestorben sind. Auch mein bester Freund starb, weil er, trotz einer ihm bekannten Myokarditis und schon bald 50 Jahre alt, extremes Bodybuilding betrieben hatte.
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Jacko Gill hat Glück gehabt. Hoffentlich. Er wird mindestens ein halbes Jahr jegliche Anstrengung, selbst die kleinste, vermeiden müssen. Ob er jemals wieder kugelstoßen kann, steht in den Sternen, ist aber auch unwichtig. Allerdings nicht für ihn. Er denkt schon an das Comeback. Bereits für 2018. Er will einfach nicht stillhalten, müsste aber innehalten. Nicht nur in diesen Tagen, nicht nur im nächsten halben Jahr. Der Junge hat doch noch ein ganzes Leben vor sich.
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Ganz anderes Thema. Silvester ist an dieser Stelle auch traditioneller Rätsel-Tag mit altem und neuem Denksport, den im Lauf der Jahre Leser und Schreiber zusammengetragen haben. Heute ist nur noch, wg. Jacko Gill, Platz für ein Rätsel. Aber für den Klassiker. Allerdings im neuen Gewand, und zwar in dem des neuen Eintracht-Hauptsponsors »Indeed«, der »weltweit größte Jobsuchmaschine«. Motto: »We help people get jobs – das ist unsere Mission.« Indeed hat, indeed!, einen Sensationscoup gelandet und einen Job für Lionel Messi gefunden. Und zwei für Lothar Matthäus, als Trainer und als Pressesprecher. Beide haben ihre Verträge schon blanko unterschrieben. Indeed trägt alle Kosten, kann der Eintracht aber nur einen der drei Verträge überlassen. Der CEO des Sponsors lässt Fredi Bobic die Wahl, einen Umschlag von dreien zu ziehen, in dem die Verträge sind. Nachdem Bobic seine Wahl getroffen hat, öffnet der CEO einen der beiden anderen Umschläge, in dem einer der beiden Verträge mit Matthäus liegt, und gibt Bobic die Möglichkeit, seine Wahl zu überdenken. Bleiben seine Chancen gleich, verbessern oder verschlechtern sie sich, wenn er die Wahl wechselt?
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Mit der mathematisch identischen Ziegen-Version (statt Matthäus) haben sich Anstoß-Leser schon manche Silvesternacht um die Ohren geschlagen. Auflösung: Die Chancen verbessern sich, wenn Bobic wechselt. Die Wahrscheinlichkeit, Messi zu bekommen, nachdem der Sponsor einen Vertrag aus dem Spiel genommen hat, bleibt nicht bei 50:50, sondern steigt auf 66,6:33,3 Prozent. Viele Leser glauben’s auch nach Jahren noch nicht. Ich schon. Nicht weil ich’s verstünde – aber können so viele Mathematiker irren?
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Und dann ist da noch das herzzerreißende Bild unserer beiden Traditions-Ferkelchen im »Anstoß«, die dicht aneinandergedrängt, sich umarmend, vor ihrem Metzger stehen und inständig bitten: »Wir möchten zusammen in eine Wurst.«  – Wer könnte da noch »viel Schwein« im neuen Jahr wünschen?
Dann doch lieber: Guten Rutsch! (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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