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Ohne weitere Worte (vom 19. Dezember)

»Wir sind hier falsch«, diesen Gedanken hatte Günter Netzer damals schon, als sie zum Quemal-Stafa-Stadion kamen. Vor dem standen nur Fahrräder. Und es war, wie er sich erinnert, »pickepackevoll« mit Menschen, »die alle den gleichen Haarschnitt hatten und alle diese Perlonmäntel trugen«. (Christian Eichler in der Frankfurter Allgemeinen über das 0:0 in Albanien, mit dem Deutschland vor 50 Jahren zum einzigen Mal die WM- oder EM-Teilnahme verpasste)
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Ausgerechnet Manchester hat sich zum Mittelpunkt des europäischen Fußballs entwickelt. Dieser Ort, den (…)  Friedrich Engels (…) als »Hölle auf Erden“ bezeichnete. Die Textilfabriken und Chemiewerke von damals sind geschlossen, aber der Kapitalismus ist 170 Jahre später wieder da. Und im Zentrum stehen die Citizens, dieser von Pep Guardiola trainierte (…) Verein, der von einer Investmentgruppe aus Abu Dhabi und einem Medienunternehmen aus China gehalten wird. (Cathrin Gilbert in der Zeit)
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2016 beschäftigt der Klub einen »Torwarttrainer-Koordinator« für die Jugend, der 144 000 Euro im Jahr verdient. Ein leitender Angestellter im HSV-Nachwuchszentrum kassiert 375 000 Euro – mehr als die Kanzlerin. (Spiegel)
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Bei Geburtstagen werden künftig keine Blumen, sondern nur noch 20-Euro-Gutscheine für den Fanshop verschenkt. (Einsparungen 2016 auf der HSV-Geschäftsstelle/Spiegel)
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Im nächsten Sommer wäre die Ablöse frei verhandelbar. Dass Hoffenheim tatsächlich die von Mäzen Dietmar Hopp (…) mit einem Augenzwinkern erwähnten 400 Millionen bei einer vorzeitigen Freigabe einstreicht, ist eher unrealistisch. Aber über zehn Millionen Euro dürften es schon werden für den Wundertrainer. (Jens Bierschwale/Lars Wallrodt in der Welt zum Poker um Julian Nagelsmann)
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Wahrscheinlich gibt es momentan nur einen Fußballer, der dieses Kunststück draufhat. Keinen Hackentrick, Fallrückzieher oder solche Sachen. Viel schwieriger: sich mit nichts als einem ärmellosen Pelzleibchen bekleidet fotografieren zu lassen und dabei nicht total bescheuert auszusehen. (Silke Wichert im »Stil«-Ressort der Süddeutschen Zeitung über Neymar und Fußballer als Models)
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Heftig ist diskutiert worden über die Dystopien des Überwachungsstaates. (…) Was dabei übersehen wird: Es gibt schon seit Jahren das Modell eines lückenlos überwachten öffentlichen Raums. Das Fußballstadion. (…) Müsste man nicht (…) gerade aus den Problemen des Videobeweises im Fußball auch etwas über die Aporien der Videoüberwachung im Allgemeinen, über die Beweiskraft von Bildern und die Krise der Evidenz erfahren? (Peter Körte im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung / im Zweifelsfall Dystopien und Aporien bitte nachschlagen; habe ich auch gemacht)
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Wäre Ihr Vater froh darüber, dass Sie Beamter geworden sind? – »Ich denke schon. Er hat ja selbst vom ›langen Marsch durch die Institutionen‹ gesprochen. Den habe ich auf jeden Fall hinter mir.« (Hosea-Che Dutschke, Leiter der Pflege- und Gesundheitsbehörde der dänischen Stadt Aarhus, im FAS-Interview)
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Manch einer spricht vom Machtkartell der Altachtundsechziger, die ihre Vergangenheit schönfärben. – »Nehmen wir Joschka Fischer. Er hat damals Steine geworfen, heute ist er beinahe ein Oligarch.« (Dutschke/FAS)
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Was ist das Tolle daran, einen Hund zu besitzen? – »Dein Hund zwingt dich zum besseren Leben: Mehr Bewegung an der frischen Luft und stets ein paar getrocknete Bullenhoden in der Tasche. Was kann es Schöneres geben? (Bestsellerautorin Ildikó von Kürthy im dpa-Interview)
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Erinnern Sie sich an Ihre ersten schönen Fernseherlebnisse? – »Das muss in den frühen Sechzigerjahren in Hessen gewesen sein. Mein Opa (…) hatte einen Fernseher, auf dem wir Onkel Otto sehen durften, die Figur vom Hessischen Rundfunk. Ein Seehund mit Bart, seine Haare waren eine Antenne. Den fand ich immer witzig. Wenn der Spot zu Ende war, tauchte er ins Meer ab und sagte mit tiefer Stimme: ›Auf Wiedersehen!‹« (Olli Dittrich im Interview des SZ-Magazins)
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Ganz offensichtlich bin ich auf dem Weg zum Helikopter-Katzenvati. (…) Bleib locker, sage ich mir manchmal. Es ist doch nur eine Katze! Aber dann furzt Elfriede Jelinek zweimal auf der Couch, und ich renne wieder zum Tierarzt, weil ich denke, sie hat Darmkrebs. (Jochen-Martin Gutsch im Spiegel) (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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