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Sonntag, 17. Dezember, 6.50 Uhr

Trocken, kalt, klar, sogar ein paar Sterne am Himmel. Na ja, wo denn sonst? Nur die Engel habe ich nicht gesehen, die von „Rammstein“ (Lindemanns knarziger Bass: Sie müssen sich an Sterne klammern, damit sie nicht vom Himmel fallen. – Zartstimmiger Chor: Erst wenn die Wolken schlafen gehn, kann man uns am Himmel sehn / Wir haben Angst und sind allein … – Lindemann: Wenn das so ist will ich kein Engel sein).

Schon die Vögel gefüttert. Sind mehr als letztes Jahr und weniger als vor zwei Jahren. Ich tue jedenfalls alles für die Artenvielfalt: Wiese statt akkuratem Rasen, unbearbeitete Flächen, Benjes-Hecken (mein liebster Euphemismus für schlampiges Liegenlassen). Drei Futterstellen, eine gut einsehbar. Erst pickt sich eine Amsel satt, dick und fett im Futter sitzend, stoisch alle Anflugversuche der Meisen aussitzend. Die kommen erst später dran, picken immer nur ein Körnchen, fliegen weg, kommen wieder, picken ein Körnchen. Mensch, habt ihr einen Vogel!? Das verbraucht doch mehr Kalorien, als ich im Futterhäuschen habe!

Auch die erste Lektüre schon erledigt. Das Gemeindeblättchen. In den „Kirchlichen Nachrichten“ gesehen, dass unsere Gemeinde heute früh auf den Weihnachtsmarkt unten im größten Ortsteil einläd, „herzlich zu Eintopf und Waffeln“. Eintopf und Waffeln? Aparte Kombination.

Jetzt kommen die Tage, an denen die Einsamen unter ihrer Einsamkeit mehr leiden als sonst und die nicht Einsamen gerne etwas einsamer wären. Dazu mein Lieblingszitat aus dem Faust, vor Jahrzehnten auswendig gelernt, weil ich es für mich so treffend fand: Und niemand hat Erwünschtes fest in Armen /Der sich nicht nach Erwünschterem törig sehnte / Vom höchsten Glück / Woran er sich gewöhnte / Die Sonne flieht er / Will den Frost erwarmen.

Für meine Zitate gibt es keine Gewähr, ich schreibe sie im Blog aus der Lameng und prüfe sie nicht nach. Für die Montagsthemen werde ich nachher mal nachschauen, wie das „blaugeäderte Unding“ von Hannes Wader weiter geht. Der wird 75, wie sein Freund Reinhard Mey (waren sie nicht sogar Klassenkameraden? Auch eine aparte Kombination, der spröde Linke und der smarte Gefällige; was natürlich auch nur ein blödes Vorurteil ist). Ihr Vorbild heißt George Brassens, sehe ich auf dem FAS-Titelblatt. Den Text werde ich nachher lesen.

Einsamkeit. Aus den Mitteilungen der Gemeinde eines entfernteren Ortsteils: „Wir wollen unsere Kirche auch neben den Gottesdiensten für Sie geöffnet haben. Es gibt gute Gründe, die Kirche aufzusuchen – sei es, um sie sich anzuschauen oder an diesem besonderen Ort das Herz für Gott zu öffnen. Die Kirche ist deshalb regelmäßig geöffnet …“ – Sehr verdienstvoll, denke ich, und lese weiter: „… zu folgenden Zeiten: dienstags von 9.30 bis 12.00 Uhr und donnerstags von 13.30 bis 15.00 Uhr.“

Anderes Angebot: Rhythmische Sitzgymnastik für Senioren/innen. Am Altern schreckt mich wenig. Aber gäbe es Teilnahmepflicht an rhythmischer Sitzgymnastik, würde ich Kirchenasyl suchen. Zumindest dienstags von 9.30 bis 12.00 Uhr und donnerstags von 13.30 bis 15.00 Uhr.

 

 

Baumhausbeichte - Novelle