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Dienstag, 12. Dezember, 18.30 Uhr

 

20171212_185714Wer mich sieht, macht seine Witze. “Wohl auf die Nase gekriegt?” Nee, dann sähe der Andere so aus, nicht ich, antwortet der alte Angeber, der als 11-Jähriger letztmals jemanden geschlagen  hat. Dick verbundene Nase wegen kleiner Haut-OP. Rache der Sonne, die hat ein langes Gedächtnis.  Auf dem Zettel notiert: Basaliom/Senioren-Journal/kleines Thema. Wär’s ein großes, würde ich nicht darüber schreiben. Morgen kann ich den Verband abmachen und ein  normales Pflaster drauf kleben, dann bin ich wieder unsichtbar. An anderer Stelle hatte mich eine Geschwulst alarmiert. Mir war schon alles klar. Dann die lapidare Antwort der Hautärztin: Alterswarze, da mache mer nix, da kriegen Sie noch mehr von, völlig harmlos. – Mag sein, sieht aber scheiße aus. DAS ist ein schönes Themchen für meinen progressiven Alttag.

Bei Twitter angemeldet. Wollte mal sehen, was das ist und wie das geht. Muss ich vor Jahren schon mal gemacht haben, denn ich followe, wie ich jetzt lese, Jacko Gill und David Storl. Klingt einleuchtend. Deren Trainings-Wasserstandsmeldungen würden mich interessieren. Ich sehe aber nichts. Ich sehe gar nichts, alles leer. Wenn ich jetzt einen Text twittere, wo zwitschert der hin? Liest ihn die Welt oder landet er im Nirwana? Wie followe ich Donald Trump? Wahrscheinlich vergesse ich es und melde mich in ein paar Jahren noch mal an und wundere mich dass ich mich vor ein paar Jahren schon einmal angemeldet haben muss.

Nachher muss ich meine eigene Konferenz schalten: Eintracht und BVB, zwei Spiele, die ich gucken will. Aber immer, wenn  ich das mache, verpasse ich punktgenau die Tore.

Eklig an der verbundenen Nase: Man kann sich nicht richtig schneuzen. Ich kann es sowieso nur mit Taschentuch in beiden Händen, die Nasenflügel zusammendrückend und dann lostrompetend. Zweimal gemacht, zweimal fängt es unter dem Verband an zu bluten, es juckt und das Blut läuft raus und verschmiert den weißen Verband. Jetzt blase ich dezent durchs offene Nasenloch, aber das klappt nicht so richtig. Kaum etwas hasse ich so sehr wie eine verstopfte Nase. Früher, als Sportler, war sie fast immer zu, wegen Heuschnupfen und wegen Schwitzen/Trainieren/Abkühlen/Frieren/Trainieren/Duschen/mit nassen Haaren raus usw.  Da half nur Otriven. War aber Ephedrin drin. Durfte ich also am Tag und vor allem in der Nacht vor einem Wettkampf nicht nehmen. Jedesmal also gehandicapt durch Schlafentzug und zu-enner Nase. Ich war lange Zeit richtig abhängig von Otriven, habe später auch mal gelesen, das ginge vielen so. Weil ich nicht abhängig sein wollte, habe ich aufgehört und bin seit Jahrzehnten so gut wie clean. Nur in ganz verstopften Nächten, mit aufgerissenem trockenen Mund ratzend und schnarchend, gönne ich mir ein paar Tröpfchen. Aber nur Otriven für Kinder.

So, das könnte ich als kleine Materialsammlung für die nächste Alttag-Kolumne benutzen. Hat aber noch viel Zeit. Hoffentlich vergesse ich’s nicht. Wie …

Eigentlich könnte ich mich mal bei Twitter anmelden. Hab ich noch nie versucht. Mal seh’n, ob’s klappt.

 

Baumhausbeichte - Novelle