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Montagsthemen (vom 11. Dezember)

Bosz muss gehen, menschlich schade, sportlich unausweichlich. Gegen Bremen gab es das finale Trauer-Spiel. Der Holländer hat seinen Teil beigetragen. Einen ziemlich kleinen. Mit Klopp und dessen Crew flog der BVB hoch. Klopp ist weg, Buvac mit ihm, beide in Liverpool. Wagner beeindruckt bei Huddersfield, Wolf in Stuttgart. Mislintat, der Fußball-Trüffelfinder, von Tuchel vergrault, scoutet bei Arsenal. Lewandowski, Hummels, zwischenzeitlich Götze, Mikitarjan, Gündogan – alle weg. Seit Jahren bröckelt die Abwehr und mit ihr das ganze Spielgefüge. Jemanden oder etwas vergessen? Unter wessen Verantwortung das alles? Watzke und Zorc bleiben. Müssen sie auch. Um ihren ziemlich großen Anteil abzutragen.
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Fotos von Manuel Neuer bei der Bild-Spendengala. Immer noch auf Krücken. Das dauert schon lange und kann noch lange dauern. Dennoch wurde und wird die Verletzung(spause) erstaunlich unaufgeregt beziehungsweise kaum noch kommentiert. Auch die von Marco Reus. Beide in Topform, das würde die WM machbarer machen. Wird aber eng.
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Wenn es nach Mehmet Scholl geht, gewinnen wir jedoch gar keine WM mehr, sondern spielen nur noch solala mit. Wegen der Laptop-Trainer, die die Kinder »18 Systeme auswendig laufen und furzen«, aber nicht dribbeln lassen. Überhaupt sei die DFB-Trainerausbildung reine »Gehirnwäsche«. Etwa mit Waterboarding? »Oben ankommen wird eine weichgespülte Masse, die erfolgreich sein, aber niemals das Große gewinnen wird.«
Beifall für Mehmet, den Traditionspopulisten. Einer schweigt fein stille. Domenico Tedesco, den Scholl namentlich anprangert (auch Wolf, siehe oben). Das Beste, was er tun kann. Und auf dem Platz antworten. Wie am Samstag. Gladbach gegen Schalke, das war beiderseits prima Fußball, mit einem Trainer der alten und einem der neuen Schule. Alte oder neue Schule – egal, Hauptsache, gute Schule.
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Hinter Scholls populärsimpler Kritik steckt womöglich der Frust des einstigen Superdribblers mit dem Zauberfuß, der als Trainer von früheren Rumpelfüßlern überrundet worden ist. Und dem es offenbar gegen den Strich geht, dass der über Jahrzehnte hinterher hinkende Fußball den Rückstand zu anderen Sportarten immer mehr aufholt. Ohne  Relikte wie Scholl.
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Aber um seine Zukunft muss man sich nicht sorgen. Auch nicht um die des Freiburgers Jens Petersen, der öffentlich seine »Verblödung« durch zehn Jahre Profifußball beklagt. Erst recht nicht um die von Thomas Müller, der Petersen bestätigt. Wenn sich solche klugen oder zumindest schlauen Köpfe durch die zwangsläufige Eindimensionalität des Profi-Daseins verblödet fühlen, stehen sie immer noch hoch über den wirklich Verblödenden wie …. (Namen bitte nach Ihrem Geschmack ergänzen).
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Der Video-Beweis, der ja nun doch »meine« Video-Hilfe (= Assistent) für den Schiedsrichter sein soll, bleibt ein Reizthema. An der Umsetzung hapert es noch, wie auch an diesem Spieltag zu sehen. Aber die Sache selbst können nur Traditionspopulisten bekämpfen. Die kommen nicht nur im Fußball aus allen Ecken, gerne auch aus der linken. Und für alle gilt, was der Wirtschafts-Nobelpreisträger Jan Tirole sagt: »Populisten glauben nur, was sie auch glauben wollen.« Dagegen ist kein rationales Kraut gewachsen.
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Die taz raucht ein anderes Kraut und würde die »Videogerechtigkeitsnummer« am liebsten wieder abschaffen, denn »Fußball im Stadion«, das »ist reines Glück und pure Verzweiflung in der Unmittelbarkeit erlebten Moments«, und auf den Rängen »geht es um kollektive Verdichtung individueller Erfahrung«. – Noch ganz dicht? Ist Fußball nur die Ersatzdroge für den eigenen Gefühlsrausch und die größtmögliche sportliche Gerechtigkeit ein kalter Entzug?
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Am modernen Sport stören mich ganz andere Dinge. Die gleichen, die den Dopingforscher Perikles Simon veranlasst haben, aus dem Kampf gegen Doping auszusteigen. Im Spiegel-Interview resigniert er: »Alle wissen, dass die Russen nicht die Einzigen sind, die dopen. Das russische System kann ich mir in sehr vielen Ländern dieser Welt vorstellen, vielleicht sogar in den meisten.« Sag ich doch.
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Ein anderes Symptom scheint nur mich zu stören, aktuell personifiziert im Namen Völler. Nicht Rudi, sondern Marco, aber ein ebenso guter und nahbarer Typ wie der Papa. Gestern in Gießen, heute in Frankfurt, im fliegenden Wechsel. Die Statuten erlauben es, das Heute-hier-morgen-da gehört sogar zum Geschäftsmodell. Zum (vor allem Gießener) Basketball hatte ich viele Jahre lang ein sehr intensives Verhältnis, davon ist wenig geblieben.  Deshalb.
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Zu guter Letzt: Es gibt noch saubere Weltrekorde. Die Katze von Scott Sturtz sprang jetzt 3,40 m weit und pulverisierte die alte Bestmarke von 1,82 m gleich um … ach, das können sie besser ausrechnen als ich. Als Hotelier zweier Katzen, vergleichsweise armen Hüpfern, bin ich jedenfalls stark beeindruckt. Es sei denn, Mister Sturz hat sich die Hauskatze von Siegfried und Roy ausgeliehen. (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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