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Werner Haaser: Nonymität statt Anonymität

Ihre „Bauchschmerzen“ wegen der Entwicklung der Demokratie treffen bei
mir auf offene Ohren. Immer öfter beschäftigen mich ähnliche Gedanken.
Einen Splitter möchte ich mal vorstellen:

… was könnte die Alternative sein?

Kultur!

Die nämlich scheint mir in großem Maß verloren gegangen zu sein. Und
Kultur kommt nicht von allein, sie muss gemacht werden. Begonnen von
einigen Vorreitern, werden überzeugende Modelle auch Nachfolger und
Mitmacher finden.

Was mir da sofort einfällt, wäre eine ergänzende Variante des
Internetverhaltens: Nonymität statt Anonymität.
Ich stelle mir das so vor: Betreiber von Kommentarforen (z.B. Presse,
Blogger) oder soziale Medien bieten die Möglichkeit (nicht Zwang), sich
als ungetarnter Teilnehmer nachzuweisen. Ein solcher wird im Forum
hervorgehoben (z.B. mit einem Symbol, per Filtereinstellung oder in
einem seperaten Anzeigezweig) und erlaubt Zugriff auf den Klarnamen (und
bei Zustimmung auf mehr).

Sich so zu äußern, erfordert Mut und Zivilcourage, aber das ist ja eh
Bedingung für funktionierende Demokratie. Ich denke, dass jemand nur
wagt, Beleidigungen und Auswurf von sich zu geben, weil er das anonym
tun darf. Ihn als solchen auch kenntlich zu machen und ihn quasi
abzuwerten, wird ihm vielleicht die Lust darauf nehmen bzw. ihn in die
dunklen Ecken vertreiben.

Dass eine offene Kultur das Niveau hebt, sehe ich doch bei Ihren Seiten,
und ich denke, das geht nicht nur mir so.

Mir ist bewusst, dass dieses Modell nicht in jedem Kulturkreis oder
unter bestimmten politischen Verhältnissen akzeptiert würde. Ich sehe
aber keinen Grund, warum wir in D nicht damit beginnen könnten. (Werner Haaser/Gießen)

Baumhausbeichte - Novelle