Archiv für Dezember 2017

Werner Haaser: Spiegel online

Diese Schlagzeile hätte Ihnen sicher Spaß bereitet, aber der Autor scheint ja durch Ihre Schule gegangen zu sein und hat’s vorsorglich klargestellt:

Dieb reißt Frau Goldkette vom Hals und verschluckt sie (die Goldkette, nicht die Frau)

Guten Rutsch

(Werner Haaser/Gießen)

Veröffentlicht von gw am 31. Dezember 2017 .
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Jochen Pellatz: Matthäus und Messi

Alle Jahre wieder das Ziegenproblem. Ich hätte es auch vermisst, wenn es anders gewesen wäre.

Aber mit den Jahren werden wir ja immer klüger:

In dem kürzlich gelesenen Roman `Honig` von Ian McEwan geht die MI5-Agentin Serena das Problem wie folgt an:

„Angenommen, wir haben eine Million Kisten. Sagen wir, du wählst Kiste siebenhunderttausend. Monty (der Quizmaster, meine Anm.) öffnet eine Kiste nach der anderen, alle leer. Die Kiste mit dem Preis lässt er konsequent aus. Am Ende sind nur noch zwei geschlossene Kisten übrig, deine und sagen wir, Nummer fünfundneunzig. Wie stehen die Chancen jetzt?“

 

So betrachtet, wird die Sache auch für Nicht-Mathematiker anschaulich. Bleibt man bei seiner ursprünglich gewählten Kiste, stehen die Chancen eins zu einer Million, wenn man wechselt nahezu bei 100 %. Deutlich wird auch, welche Rolle der Quizmaster bei dem Problem spielt, da er mit seinem Insider-Wissen, die Wahrscheinlichkeit für den Kandidaten beeinflusst.

Damit wünsche ich einen guten Rutsch und ein viele gute Ideen für weitere Anstoß-Beiträge. (Jochen Pellatz)

Veröffentlicht von gw am 31. Dezember 2017 .
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Jens Reimann: Messi und Matthäus

Wahrscheinlich bekommen Sie jedes Jahr genügend Einsendungen zu
demselben Rätsel – aber das ist ja auch zum Teil Ihre eigene Schuld…
Wenn Sie es lesen mögen, hier mein erster (und einziger, ich verspreche
es) Versuch:

Stellen Sie sich zwei verschiedene Personen vor (wenn Sie mögen, die
Herren Bruchhagen und Bobic).

Herr Bruchhagen glaubt den Mathematikern nicht und bleibt bei seiner
Wahl, wenn der eine Umschlag geöffnet wird. Damit stehen seine
Messi-Gewinnchancen genau so, als wäre nichts geschehen, also eins
(Messi) zu zwei (der andere Kandidat).

Herr Bobic hingegen vertraut fest auf die Expertise der mathematischen
Zunft (oder hat Entsprechendes auf wikipedia nachgelesen) und ändert den
von ihm gewählten Umschlag ohne weiteres Nachdenken.

Falls er zu Beginn auf den Messi-Umschlag zeigte, wird er nun Pech haben
- also in einem von drei Fällen. In den beiden anderen Fällen wandelt
sich sein ursprügliches Pech (M-Umschlag) in Glück um.

Die Chancen, Herrn Messis Arbeitsbvertrag unterschreiben zu können,
stehen damit für Herrn Bobic viel besser als die für Herrn Bruchhagen
(selbst in rein mathematischer Hinsicht).

Beste Grüße und vielen lieben Dank für Ihre Gedanken-Anstöße (Jens Reimann)

Veröffentlicht von gw am 31. Dezember 2017 .
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Sonntag, 31. Dezember, 6.45 Uhr

Posarikó. Das “s” wie englisches “th” gesprochen. Ein griechischer Brauch, als Gast an Neujahr mit dem rechten Bein voraus in die Wohnung zu kommen. Wie ich bei Ihnen … wie ich? … ja is denn heut scho Neujahr? Sonntag ist, Silvester, und ich habe gerade zu früh das erste Blatt vom griechischen Sprachkalender abgerissen. Ich nehme es als gutes Omen. Schlechte Omen können wir nicht gebrauchen.

Also noch mal: Heute ist Sonntag, schon mit Neujahrsgefühlen, aber noch 2017. In den Meldungen der Nacht ruft Merkel zu mehr Zusammenhalt auf, und Lindner schließt Zusammenarbeit mit der AfD aus. Die üblichen Rituale. Für Aha!-und Och-sowas!?-Momente sorgt nur die Rubrik Vermischtes. Diebin bleibt mit Mountainbike im Kellerfenster stecken. Ebenfalls im Keller: Elektriker erwürgt sich im Porno-Raumschiff. Das interessiert mich, ich klicke bei Bild online rein und erfahre: Der Mann hat seinen Hobbykeller zu einem Raumschiff ausgebaut, als nackischer Käpt’n Kirk  in seinem Chefsessel Pornos geguckt und sich dabei mit Schrauben, Fesseln, Ketten und Knebeln einen zusätzlichen Kick gegeben, an dem erstickt ist. Sachen gibt’s. Echt außerirdisch. Na ja, klingt nur aus der Ferne witzig. Gefunden hat ihn die Mutter, die nichtsahnend nach ihm suchte. Die arme Frau.

Das Ziegen-Problem zieht auch im neuen Matthäus-Gewand. Nach dem Frühmorgenblog werde ich zwei Erklärungen in die Mailbox stellen. Aber ich fürchte, die einzige Erklärung, die Skeptiker überzeugen könnte, dauert denen zu lange: Sie sollten ganz einfach tausend Mal die Situation nachspielen und nachstellen, dann werden sie sehen, dass der Wechsel sich lohnt. Ob sich der Jahreswechsel lohnt, steht auf einem anderen Blatt.

Ein Thema, das ich am Samstag platzmäßig nicht untergekriegt habe: Missbrauch im Sport. Nach meinem Gefühl viel verbreiteter als das, was derzeit durchs globale Dorf getrieben wird. Machtstellung auf eklige Art ausnutzen, und nicht nur das, sondern sie auch als Erfolgsrezept einsetzen, war schon sehr früh ein Thema in meinen Kolumnen. Wie war das noch? Vier Handicaps von “normalen” Frauen im Leistungssport, eins davon ist … ich krieg’s im Frühmorgensflow nicht auf die Reihe, schaue nachher im Archiv nach, für die Montagsthemen, die ich ja dienstags nicht mehr Montagsthemen nennen will. Vielleicht “Montags-+1-Themen”?

Außerdem auf dem Zettel: Boris’ Fake selbstironisch? / Fischers Rangeschleime an den korrekten Zeitgeist / Streich und das Wort “Gier”, dazu Adenauerisches von Klopp … das war’s, bis jetzt. Zu schreiben aber noch heute, denn morgen mach ich bei ihnen nicht das Posarikó. Neujahr ist Ruhetag. Halten Sie die Ohren steif! Nur die Ohren. Vor allem im Hobbykeller. Beam me up, Scotty!

 

Veröffentlicht von gw am 31. Dezember 2017 .
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Sport-Stammtisch (vom 30. Dezember)

Fast in einer Endlosschleife – Rückblicke gab es ja mehr als genug – haben wir die großen Momente des Jahres noch einmal Revue passieren oder »Paroli laufen« (Horst Hrubesch) lassen. Jetzt sind sie Geschichte – und die meisten schon bald vergessen. Aber es gab auch die kleinen Momente, scheinbare Nebensächlichkeiten, die keine Schlagzeilen machten, die sich aber im Kopf verhaken und dort länger bleiben als die »Blockbuster« des Jahres 2017.
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Bei mir ist es ein Satz aus der Online-Ausgabe einer neuseeländischen Tageszeitung. Aber von vorn: Im Juli 2011 hörte ich erstmals von Jacko Gill, seitdem verfolgte ich im »Anstoß« und im Blog »Sport, Gott & die Welt« den sportlichen Weg des jungen Kugelstoßers. Als ich bei Youtube auf ein ungeheuerliches Trainingsvideo des nun 16-Jährigen stieß, konnte ich es kaum fassen. Der Junge sprang buchstäblich über Tische und Bänke. Dunking mit der 7,26-kg-Kugel (!), wildeste Übungen mit der Langhantel, schon beim Zusehen schmerzte die eigene Wirbelsäule. Sprints und Sprünge wie aufgedreht, höchste Belastungen, unfassbare Leistungen. Den Jungen trieb etwas an. Hoffentlich nicht der Wahnsinn, schrieb ich, forschte nach und erfuhr: Jacko hatte die Schule geschmissen, war Profi-Kugelstoßer, trainierte dreimal am Tag bzw. in der Nacht – die dritte Trainingseinheit stand nachts um zwei auf dem Tagesplan.
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Der 16-Jährige kam mit der Männerkugel schon auf 20,38 m und hatte im Jahr zuvor, also mit 15, einen der unwirklichsten Weltrekorde überhaupt aufgestellt, als er mit der 5-kg-Kugel seiner Altersklasse 24,45 m stieß. Nur zum Vergleich: Ich war unglaublich stolz, als ich mit 15 Jahren 14,16 m schaffte und in der deutschen Bestenliste meiner Altersklasse Dritter wurde. Ich schaute mir jenes und einige andere Trainings-Videos dieses Jahrtausendtalents mehrmals an. Bei aller Faszination dachte ich: Hoffentlich geht das gut.
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Schon bald ahnte ich: Es geht nicht gut, gar nicht gut. Gill stagnierte, fiel mit knapp 20 Jahren sogar hinter die Leistungsfähigkeit zurück, die ihn als 15-Jährigen zum einzigartigen Phänomen gemacht hatte. Sein Stern schien schon verglüht, bevor er aufgehen konnte. Ausgebrannt. Doch er berappelte sich, schaffte es gerade so in den Endkampf bei großen Meisterschaften, trainierte immer noch wie ein Getriebener, manisch, ruhelos, erlitt einen Ermüdungsbruch, trainierte aber weiter, immer weiter, mittlerweile außerhalb Neuseelands so gut wie unbeachtet, da leistungsmäßig nur einer von vielen unter »ferner stießen«. Auch in dortigen Zeitungen, in denen ich ab und zu online nach ihm suchte, fand ich kaum noch etwas. Bis ich dieser Tage auf jenen fatalen Satz stieß: »Jacko Gill erleidet Herzattacke.« Myokarditis, Herzmuskelentzündung. Mit 22. Lebensgefährlich, wenn nicht rechtzeitig erkannt und wenn man sich sportlich belastet. Es gibt einige bekannte Fußballer, auch aus der Bundesliga, die daran gestorben sind. Auch mein bester Freund starb, weil er, trotz einer ihm bekannten Myokarditis und schon bald 50 Jahre alt, extremes Bodybuilding betrieben hatte.
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Jacko Gill hat Glück gehabt. Hoffentlich. Er wird mindestens ein halbes Jahr jegliche Anstrengung, selbst die kleinste, vermeiden müssen. Ob er jemals wieder kugelstoßen kann, steht in den Sternen, ist aber auch unwichtig. Allerdings nicht für ihn. Er denkt schon an das Comeback. Bereits für 2018. Er will einfach nicht stillhalten, müsste aber innehalten. Nicht nur in diesen Tagen, nicht nur im nächsten halben Jahr. Der Junge hat doch noch ein ganzes Leben vor sich.
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Ganz anderes Thema. Silvester ist an dieser Stelle auch traditioneller Rätsel-Tag mit altem und neuem Denksport, den im Lauf der Jahre Leser und Schreiber zusammengetragen haben. Heute ist nur noch, wg. Jacko Gill, Platz für ein Rätsel. Aber für den Klassiker. Allerdings im neuen Gewand, und zwar in dem des neuen Eintracht-Hauptsponsors »Indeed«, der »weltweit größte Jobsuchmaschine«. Motto: »We help people get jobs – das ist unsere Mission.« Indeed hat, indeed!, einen Sensationscoup gelandet und einen Job für Lionel Messi gefunden. Und zwei für Lothar Matthäus, als Trainer und als Pressesprecher. Beide haben ihre Verträge schon blanko unterschrieben. Indeed trägt alle Kosten, kann der Eintracht aber nur einen der drei Verträge überlassen. Der CEO des Sponsors lässt Fredi Bobic die Wahl, einen Umschlag von dreien zu ziehen, in dem die Verträge sind. Nachdem Bobic seine Wahl getroffen hat, öffnet der CEO einen der beiden anderen Umschläge, in dem einer der beiden Verträge mit Matthäus liegt, und gibt Bobic die Möglichkeit, seine Wahl zu überdenken. Bleiben seine Chancen gleich, verbessern oder verschlechtern sie sich, wenn er die Wahl wechselt?
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Mit der mathematisch identischen Ziegen-Version (statt Matthäus) haben sich Anstoß-Leser schon manche Silvesternacht um die Ohren geschlagen. Auflösung: Die Chancen verbessern sich, wenn Bobic wechselt. Die Wahrscheinlichkeit, Messi zu bekommen, nachdem der Sponsor einen Vertrag aus dem Spiel genommen hat, bleibt nicht bei 50:50, sondern steigt auf 66,6:33,3 Prozent. Viele Leser glauben’s auch nach Jahren noch nicht. Ich schon. Nicht weil ich’s verstünde – aber können so viele Mathematiker irren?
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Und dann ist da noch das herzzerreißende Bild unserer beiden Traditions-Ferkelchen im »Anstoß«, die dicht aneinandergedrängt, sich umarmend, vor ihrem Metzger stehen und inständig bitten: »Wir möchten zusammen in eine Wurst.«  – Wer könnte da noch »viel Schwein« im neuen Jahr wünschen?
Dann doch lieber: Guten Rutsch! (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Veröffentlicht von gw am 29. Dezember 2017 .
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Baumhausbeichte - Novelle