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Sonntag, 26. November, 5.00 Uhr

Bisschen früh heute. Da ich wusste, früh aufstehen zu müssen, bin ich noch früher aufgestanden. Zwangsneurose. Muss gleich die beiden letzten K von den vieren abholen. Sauerlandlinie. Ob es da schon schneit? Hier nicht.

Montagsthemen schon gestern Abend in Rohfassung geschrieben. Gleich letzte Hand anlegen. Vorher Blick in die Meldungen der Nacht: Miss Germany Ü50 gewählt, Vulkan auf Bali spuckt drei km hohe Rauchwolke aus, und der Mann mit den beiden künstlichen Hüftgelenken und dem Bauchschuss ist Schwergewichts-Boxweltmeister. Irre Geschichte. Aber nicht so irre wie das, was gestern in Dortmund geschah. Nach dem alten Bayern-Beuteschema heißt der neue Trainer dort nicht Tuchel oder Nagelsmann, sondern Tedesco.

Gießen mal wieder in der Weltpresse. Vor zig Jahren, frisch in der Chefredaktion, wollte ich die Lokalredaktion inspirieren. Neben einer Interview-Serie („Die andere Seite von …“) gehörte auch eine Pro- und Kontra-Serie zu meinem Beitrag. Erste Folge: Paragraph 218. Abtreibung. Ein Physiker der Uni Gießen vertrat die christliche Auffassung, die Gießener Frauenbeauftragte war seine Gegenspielerin. Interessante Geschichte. Ich dachte wieder daran, als es jetzt um die Gießener Ärztin ging, die wegen unzulässiger Werbung für Abtreibung verurteilt wurde. 300 Sympathisanten hatten sich vor dem Gerichtsgebäude versammelt, hieß es, aus allen Teilen der Bundesrepublik seien sie angereist. 300 aus ganz Deutschland – ist das relativ viel oder relativ wenig?

Man kann die Sache aus mindestens drei Blickwinkeln sehen: dem juristischen (mangels Fachkenntnis passe ich), dem dualistischen (dem üblichen, das Lagerdenken, das den jeweils anderen so akzeptiert wie BVB-Fans die der Schalker und umgekehrt) und dem nachdenklichen, unsicheren, allen Argumenten gegenüber offenen. Ein zutiefst menschliches Problem, ein grundexistentielles, das juristisch nicht zu lösen ist, mit schrillen Tönen aus beiden Lagern sowieso nicht, und menschlich? Auch nicht.

Ein Problem kann ich lösen: Frühzeitig die Montagsthemen fertig zu haben und auf die Seite zu stellen. Auf geht’s.

Baumhausbeichte - Novelle