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Montagsthemen (vom 27. November)

»Fußball ist bekloppt«, sagte Sky-Moderator Frank Buschmann in der Halbzeit. Dann wurde es noch viel bekloppter. Am beklopptesten aber wäre, wenn ich erklären wollte, was da in Dortmund passiert ist und warum überhaupt. Andere mögen sich das zutrauen. Ich nicht. Ich staune nur.
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Ein Derby mit Vor-und Rückspiel in 97 Minuten. Faktisch zwei völlig verrückte Derbys in einem. Da jedes Derby nach dem gleichnamigen Earl heißt, der im Jahr 1780 per Münzwurf gegen einen gewissen Sir Bunbury das Recht gewann, einem Pferderennen seinen Namen zu geben, könnte man auch sagen: Erst war’s ein Derby, dann ein Bunbury. Oder andersrum. Oder so. Lächerlich? Mag sein. Aber ernsthafte Erklärungsversuche dieser unerhörten Begebenheit sind noch viel lächerlicher.
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Ziemlich lächerlich auch das Affentheater um die Testspiele der chinesischen Nachwuchsfußballer. Beide Verbände hätten wissen sollen, dass das, was geschah, auch geschehen musste. Nun sind die einen nach dem selbst provozierten Eklat empört beleidigt, die anderen zeigen empört Unverständnis für die Beleidigten. Wir haben schließlich Meinungsfreiheit, oder? Sicher. Aber an unserem Wesen werden die Chinesen nicht genesen. Und von selbstgerechten Langnasen wollen sie auch nicht bekehrt werden. Zur Strafe sollte man die Beleidigten und die Unverständigen zusammen in einem Harmonieraum einsperren. So heißen in China die Toiletten.
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Viel Verständnis haben wir in Deutschland aber mit Ausländern, die eingebürgert werden wollen. Das geht ganz fix, und den obligatorischen Sprachtest muss man auch nicht bestehen. Wie in der Schule. Das Zauberwort heißt allerdings nicht Ausgleichsnote, sondern Medaillenchance. Und schwupps ist der Franzose Bruno Massot eingebürgert, obwohl er vier Mal beim verbindlichen Sprachtest durchgefallen ist. Nun kann er bei Olympia Gold holen. Im Paarlauf. Mit Aljona Savchenko, einer Urdeutschen. Sie wurde bereits 2005 eingebürgert und hat mit ihrem früheren Partner Robin Szolkowy schon die geforderten Deutschmedaillen geholt. Was Katar kann, können wir auch.
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Noch einmal zum Fußball. In Brüssel spielten die Bayern schlecht und gewannen, in Mönchengladbach waren sie kaum besser und verloren. Der Heynckes-Hype ist schon vorbei. Was nicht am Trainer liegt. Der hat am wenigsten »gehaipt«. Der Hype war ein medialer. Nüchtern betrachtet: Unter Heynckes haben sich die Bayern stabilisiert und leicht erholt. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
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Kompliment an die Gladbacher. Eine der wenigen Mannschaften in der Bundesliga, die Fußball spielt, eine kreative Idee davon hat und nicht im frühen Kloppschen Stil verhaftet ist, den viele nachahmen,  der aber ohne junge genialische Wilde wie die um Götze und Reus, ohne einen absoluten Ausnahmestürmer (Lewandowski ist einer, Aubameyang nicht) und ohne ein stabiles Duo wie das mit einem souveränen Strategen wie Hummels und seinem damals hochklassigen Partner Subotic nur Feste-Druff-Fußball ist, der nicht agiert, sondern brachial reagiert.
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Schwenk zum Boxen. Der Mann mit den beiden künstlichen Hüftgelenken und dem Bauchschuss ist Schwergewichts-Boxweltmeister. Irre Geschichte. Aber nicht so irre wie das, was in Dortmund geschah. Nach dem alten Bayern-Beuteschema heißt der neue Trainer in München nicht Tuchel oder Nagelsmann, sondern Tedesco
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»Das Gehirn ist doch kein Fußball«, sagte einst ein Gießener Psychiatrie-Professor, als es um das Boxen und um einen Profi ging, der ins Koma geschlagen wurde und wenige Monate später wieder in den Ring steigen wollte. Nur sehr gestandene Leser wissen, was ich damit zu tun hatte, das ist hier aber kein Thema, sondern: Nach Christoph Kramers x-ter schwerer Kopfverletzung scheint eine Schutzsperre angebracht. Zuletzt gab es alarmierende Untersuchungen über Kopfbälle, über Gehirnerschütterungen und deren schlimme Folgen im NFL-Football. »Das Gehirn ist doch kein Fußball!«
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Apropos Gehirn. Während sich die Doping-Jäger an den Russen abarbeiten und der neue DLV-Präsident Jürgen Kessing seinem Vorgänger Clemens Prokop in Sachen Doping verspricht, »Holg ..« – Quatsch. Sorry. – »… der Kampf geht weiter«, sprechen sich laut »Nature« 80 Prozent der Akademiker für die Freigabe von Hirndoping aus. – Was hat Hirndoping mit Sportdoping zu tun? Nichts? Alles?
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Echt hirnrissig aber, dass den Dealern im Görlitzer Park in Berlin eine Ausstellung gewidmet wird, weil sie laut Kurator »unerschrocken und tapfer im öffentlichen Raum« arbeiten. (Quelle: SZ). Es wäre schön, wenn ich auf dem Schlauch stünde und die Satire darin nicht verstanden hätte. Aber ich fürchte, es ist gar keine.
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Ist es rassistisch festzustellen, dass die Drogen-Szene im Park von Westafrikanern und Libanesen beherrscht wird? Ist es rassistisch, wenn Nivea in Westafrika einen Hautaufheller bewirbt? Aber warum benutzen rund drei Viertel der Frauen dort eine solche Creme? Und warum legen wir uns in die Sonne und helfen mit Selbstbräunern nach? Fragen über Fragen. Die ich nicht beantworten will. Nicht mein Metier. Sie sollten mich nur über Nivea zurück zum Frust der BVB-Fans bringen: Ein Derby-Unentschieden tat … ni vea. AUA! (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle