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Sonntag, 12. November, 6.30 Uhr

Unter den Meldungen der Nacht wieder diverse Selbstbekenntnisse von Schauspielerinnen, die von früheren sexuellen Belästigungen berichten. Mag alles sein, ist schlimm genug. Auch wenn es schon fast wie ein biografischer Makel wirkt, nicht von einschlägigen Erfahrungen erzählen  zu können. Und niemand ist jemals freiwillig auf die Couch des Produzenten gekommen. Aber vielleicht fehlt Skeptikern wie mir die eigene leidvolle Erfahrung. Wer wie ich nie auch nur ansatzweise belästigt worden, nie von einem Pädophilen betatscht worden ist und dem eigene Übergriffigkeit wesensfremd ist, der wundert sich nun mal, dass die Welt plötzlich voller Opfer und Täter ist und dass man selbst nie damit in Berührung gekommen ist, obwohl man in obskursten Kreisen verkehrte und “ein Junge aus dem Leben” war, wie man das damals sagte, in jenen Zeiten, von denen ich in den Erinnerungen an mein Sportler-Leben (Link rechts: “Sport-Leben”) berichtet habe, in denen die Stadt ohne Sperrstunde und ihr Szene-Milieu keine kleine Rolle spielten. Wenn ich nur daran denke, ich hätte in einer wie auch immer gearteten Machtposition jemals den Macho herausgehängt und mich dreist und übergriffig daneben benommen, windet sich alles in mir vor Peinlichkeit.

Na ja, anderen scheint das nicht fremd zu sein. Dreist, übergriffig, brutal, uneinfühlsam und mitmenschlich strunzdumm zu sein (was nicht vom IQ abhängt), kann ja sogar in höchste Ämter führen.

Aus den Meldungen der Nacht ein Zitat von Trump, der über den nordkoreanischen Kontrahenten laut dpa sagt, er würde ihn “NIE” als “klein” oder “fett”  bezeichnen, sondern: “Ich bemühe mich so stark, sein Freund zu sein, und vielleicht wird es eines Tages dazu kommen.” – Unfassbar. Kindischkeit kennt keine Grenzen. Im Sandkasten schmeißen sich Buben die vollgespuckten Förmchen an den Kopf und wollen im nächsten Moment “dein bester Freund” sein.

Da fällt mir ein (und führt endlich zu den Montagsthemen-Vorübungen), dass der Intendant Flimm ziemlich viele beste Freunde haben muss. In diversen Interviews, auch gemeinsamen, hat er schon die Freundschaft mit Otto Rehhagel beschworen, nun liegt auf meinem Lese-Stapel das SZ-Magazin mit einem Doppelinterview, in dem Flimm und Marius-Müller-Westernhagen von ihrer wunderbaren Freundschaft erzählen. Dazu steht auf dem Themen-Zettel schon ein scheinbar harmloser Satz “Flimm und Rehhagel mögen sich, Westernhagen und Flimm mögen sich, sicher mögen sich auch Rehhagel und Westernhagen.” Das passt! Oh, wie böse von mir …

Muss mal im Archiv nachschauen, ich glaube, in früheren Jahren habe ich Rehhagel dummerweise oft mit nur einem “h” geschrieben, und niemand hat’s gemerkt.

Ein ganz böses Zitat steht auf einem anderen Zettel. Dem für “Wer bin ich?”-Kandidaten. Von einem Facebook-”Freund”. Was er, ein ehemaliger Weltklassesportler, über einen anderen ehemaligen Weltklassesportler und Konkurrenten gesagt hat. Das könnte ich, mit Zusatzinformationen, als schnelle nächste WBI-Runde in die Montagsthemen einbauen. Mal sehen. KKKK.

Baumhausbeichte - Novelle