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Sport-Stammtisch (vom 4. November)

Wie laut lacht Tuchel? Das habt ihr nun von eurem Gefühlsfußball! Dortmund wie es sinkt und singt. Klagelieder. Heilandzack, dieses Nikosia! Achter in der furchterregenden zypriotischen Liga, und so spielt Apoel auch. Wer den Schaden hat … »Was versteht man unter der Variante Apnoelfußball?«, fragt unser Leser Arno Baumgärtel (Gießen) und weiß auch die Antwort: »BVB.« Ja, Dortmund hat die Champions League verschnarcht.
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Große Trainer lernen aus ihren Fehlern. Heynckes aus seinen sturköpfigen in Frankfurt, Guardiola aus seinen an der Münchner Playstation. In Manchester vertraute er jetzt »über drei Partien hinweg einer eingespielten Elf, das war in München bei ihm undenkbar« (Zeit). Was lernt Bosz aus seinen Fehlern in Dortmund, und vor allem: wo? Noch beim BVB?
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In Paris hat sich Neymar beim FC Katar vertraglich garantieren lassen, keinerlei Defensivarbeit leisten zu müssen. Beim BVB rächt sich nun, dass dieser Neymar-Paragraph mit unsichtbarer Tinte in den Spielerverträgen zu stehen scheint. Aber meine Häme ist womöglich heute Nachmittag schon Schnee von gestern. Als BVB-Sympathisant sei mir gestattet: hoffentlich.
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Heiland … zack oder sack? Im Spiegel schreibt Jakob Augstein über den Einzug der AfD in den Bundestag, »Heilandsack, da wackelt der Reichstag!« In »Seelenarbeit«, einem seiner frühen und noch grandiosen Romane, lässt Jakobs Papa Martin Walser den Chauffeur Xaver Zürn auf Dienstreise im Mittelhessischen erstaunt ausrufen: »Heilandzack, dieses Gießen!« Sack oder zack? Jacke wie Hose.
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Heilandzack, diese Leser! Kriminalrat Obermoos, »den kennt keiner mehr. Oder?« (siehe »Montagsthemen«) – O doch! Bis 1970 begann beim HR eine Krimi-Ratereihe im Radio stets mit dem Intro: »Wer war’s? Wie geschah’s? Was war los? Das Wort hat Kriminalrat Obermoos.« Das weckte bei Lesern meiner Alters-Kohorte Erinnerungen. Bei Friedrich Eichenauer »an den Kollegen (oder Assistent, das weiß ich nicht mehr ganz genau), den Uwe Dallmeier mit seiner unverwechselbaren Stimme gespielt hat. Habe das alles als Kind begeistert am Radio verfolgt.« Wilfried Büttner (Melbach) erinnert sich an eine andere legendäre HR-Sendung, ihm ist »auch noch ›Mahlzeit Heiner, Mahlzeit Philipp‹ in bester Erinnerung.« – Diese und andere Leserpost ist in der Online-Mailbox von »Sport, Gott & die Welt« nachzulesen. Hier nur noch ein »magischer« Satz von Dr. Richard Wagner aus Lollar: »Wir hatten ja damals nichts anderes ;-) und sahen auch die Spielabläufe des Fußballs deutlich im magischen Auge des Dampfradios.«
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Noch einmal Dankeschön für viele freundliche Worte (einer für alle: Ferenc Allmann). Es gab jedoch auch Kritik. Das Plakat mit den beiden sich aus-, an- oder umziehenden Mädchen (»Montagsthemen«) sei »kein Unsinn, sondern eine konsistente und komplexe Geschichte. Um das zu verstehen, muss man auch den Text lesen. Den sieht der Betrachter natürlich nur, wenn der kleine Sexist in ihm nicht schon die Führung übernommen und die Augen auf andere Stellen des Plakats gelenkt hat. Und das scheint mir bei Ihnen, lieber Lieblingskolumnist, der Fall zu sein. Wie sonst wäre es zu erklären, dass Ihnen als einem Mann des Wortes dieselben auf dem Plakat nicht aufgefallen sind? Das fragt sich mit einem Augenzwinkern Ihr treuer Leser Matthias Weidner aus Lollar.« – Das lasse ich mir gerne gefallen.
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Mahlzeit Heiner, Mahlzeit Philipp … aber dann bitte nicht die Nudelsuppe so laut schlürfen, dass einem drei Tische weiter der Appetit vergeht. In Japan dagegen gehört das ungenierte Schlürfen zum guten Ton. Das soll sich ändern, um bei Olympia 2020 die Gäste aus aller Welt nicht zu schockieren. Geschlürft wird weiter, aber mit Tarngeräuschen vom Smartphone. Eine Technologie, die, lese ich in der FAS, auf japanischen Klos schon eingebaut ist, die Vogelgezwitscher abspielen.
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Aber vorher kommt noch Südkorea zum olympischen Zuge. Dort nahm man schon bei der Fußball-WM 2002 Rücksicht auf empfindsame Touristen: Ihnen versprachen die Südkoreaner, Hunde vor dem Schlachten nicht mehr zu schlagen, obwohl der Verzicht auf den daraus resultierenden Adrenalin-Ausstoß das Fleisch weniger zart mache. Sehr rücksichtsvoll. Wir dagegen lieben unsere Haustiere so sehr, dass wir sie sogar mit ins Grab nehmen wollen. Was mittlerweile sogar möglich ist. Der eingeäscherte Hund muss nur als Grabbeigabe deklariert werden. Kein Witz. Auch nicht, dass auf Grabsteinen immer öfter Gags stehen wie »Game over« oder »Tiefergelegt«. Bei aller Freude an schwarzem Humor – darüber kann man als Fremder lachen, aber wirklich auch als liebend trauernde Ehefrau, Vater, Mutter, Kind?
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Zu schlechter Letzt: Alle Welt arbeitet sich an Psychogrammen von Donald Trump ab, zuletzt die Zeit quer durch ihre aktuelle Ausgabe. Ich kann alle Diagnosen in einem Wort bündeln, das aber nur Leser verstehen, die in Obermoos-Zeiten aufgewachsen sind. Wer damals »Wir Wunderkinder« von Hugo Hartung gelesen hat, der weiß:  Trump ist einer vom Stamm der Meisegeiers. Aber das ist erstens gar nicht witzig und zweitens ein ganz anderes Thema, das mit Sport nicht mehr allzu viel zu tun hat. (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle