Archiv für November 2017

Sonntag, 26. November, 5.00 Uhr

Bisschen früh heute. Da ich wusste, früh aufstehen zu müssen, bin ich noch früher aufgestanden. Zwangsneurose. Muss gleich die beiden letzten K von den vieren abholen. Sauerlandlinie. Ob es da schon schneit? Hier nicht.

Montagsthemen schon gestern Abend in Rohfassung geschrieben. Gleich letzte Hand anlegen. Vorher Blick in die Meldungen der Nacht: Miss Germany Ü50 gewählt, Vulkan auf Bali spuckt drei km hohe Rauchwolke aus, und der Mann mit den beiden künstlichen Hüftgelenken und dem Bauchschuss ist Schwergewichts-Boxweltmeister. Irre Geschichte. Aber nicht so irre wie das, was gestern in Dortmund geschah. Nach dem alten Bayern-Beuteschema heißt der neue Trainer dort nicht Tuchel oder Nagelsmann, sondern Tedesco.

Gießen mal wieder in der Weltpresse. Vor zig Jahren, frisch in der Chefredaktion, wollte ich die Lokalredaktion inspirieren. Neben einer Interview-Serie („Die andere Seite von …“) gehörte auch eine Pro- und Kontra-Serie zu meinem Beitrag. Erste Folge: Paragraph 218. Abtreibung. Ein Physiker der Uni Gießen vertrat die christliche Auffassung, die Gießener Frauenbeauftragte war seine Gegenspielerin. Interessante Geschichte. Ich dachte wieder daran, als es jetzt um die Gießener Ärztin ging, die wegen unzulässiger Werbung für Abtreibung verurteilt wurde. 300 Sympathisanten hatten sich vor dem Gerichtsgebäude versammelt, hieß es, aus allen Teilen der Bundesrepublik seien sie angereist. 300 aus ganz Deutschland – ist das relativ viel oder relativ wenig?

Man kann die Sache aus mindestens drei Blickwinkeln sehen: dem juristischen (mangels Fachkenntnis passe ich), dem dualistischen (dem üblichen, das Lagerdenken, das den jeweils anderen so akzeptiert wie BVB-Fans die der Schalker und umgekehrt) und dem nachdenklichen, unsicheren, allen Argumenten gegenüber offenen. Ein zutiefst menschliches Problem, ein grundexistentielles, das juristisch nicht zu lösen ist, mit schrillen Tönen aus beiden Lagern sowieso nicht, und menschlich? Auch nicht.

Ein Problem kann ich lösen: Frühzeitig die Montagsthemen fertig zu haben und auf die Seite zu stellen. Auf geht’s.

Veröffentlicht von gw am 26. November 2017 .
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Sonntag, 19. November, 11.30 Uhr

Wenn ich die beiden Wochenend-Kolumnen und den Sonntagmorgen-Blog geschrieben habe, denke ich immer öfter (heute auch, weil ich recht zufrieden mit dem Geschriebenen bin), dass ich mich leer geschrieben habe und dass meine gw-Zeit langsam enden sollte. Manches interessiert mich einfach nicht mehr. FAZ, SZ und Co. arbeiten sich an der Fifa und an Russland ab, und ich mach, wie einst Hüsch sang, nur Quatsch. Auch dass ich mit Namen wie Hüsch hantiere, ist ein Indiz für einen Opa aus dem 20. Jahrhundert.

Das ist kein fishing for compliments, sondern nur eine Art post coitum omne animal triste. In ein paar Stunden freue ich mich wieder auf die Zusammenstellung von „Ohne weitere Worte“. Muss heute schon fertig, da ich morgen Klinikum. Nix schlimm. Vong!

Veröffentlicht von gw am 19. November 2017 .
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Sonntag, 19. November, 6.35 Uhr

Ekliger Auftakt. Im Dunklen die Treppe runter, am Fußende knackt es unter der Sohle, ich ahne, was da knackt, knipse das Licht an und sehe die Bescherung. Eine  echte Bescherung, denn die beiden Katzen zeigen ihre Liebe zu uns, indem sie uns Mäuse vor die Füße legen. Diesmal eine halb gefressene, deren Innereien jetzt an der Sohle kleben. Die zerplatzte Niere haftet hartnäckig zwischen den Rillen. Pfui Teufel.

In alten Dorfhäusern wie unserem sind Katzen Pflicht, trotz aller An- und Umbauten und Renovierungen. Als Fritzi, die Vorgängerin der beiden, im hohen Alter starb, wanderten die Mäuse der Umgebung in das einzige katzenfreie Haus und baten um, nein nahmen sich Asyl. Innerhalb weniger Wochen wimmelte es im Keller vor Mäusen, die sich in einer Urlaubswoche (von uns, nicht von ihnen) sogar durch eine Holztür in die Küche nagten. Als wir die beiden Katzenkinder ins Haus holten, war der Spuk schnell vorüber. Obwohl sie noch keine Mäuse fingen. Abschreckung. Und während des Schreibens merke ich, dass das vor mich hin Geschriebene als Parabel missverstanden werden könnte. Oder verstanden. Ist jedenfalls keine Absicht. Von den Nilgänsen fange ich lieber gar nicht erst an …

Aus den Meldungen der Nacht: „Hundebesitzer leben länger.“ Das will ich dann mal glauben. Und Katzenbesitzer leben kürzer? Das gliche sich aus. Weil sie nicht täglich Gassi gehen müssen?

Boris wird 50 und will nicht mehr Boris sein, sondern Herr Becker. Okay, Boris. Machen wir.

ATP-Finale: Goffin gegen Dimitrow. Böhmische Dörfer, wenn man langsam aus der heutigen Sportwelt fällt (kann man langsam fallen? Zu kompliziert für kurz vor sieben).

Freundschaftsanfrage bei Facebook von R., und schon ploppen Erinnerungen auf: Westberlin, die Siebziger, ISTAF, Ralf natürlich, wie wir mal bei R. zu Gast waren und ich mich schrecklich betrank. R., der große, langjährige ISTAF-Macher. Muss schon um die neunzig sein und entdeckt jetzt Facebook. Was immer man gegen dieses Medium  sagen kann und sagen sollte: Alleine für solche Flashbacks lohnt es sich, dabei zu sein. Man muss ja nicht, wie der eine oder andere „Freund“, jede Mahlzeit bildlich dokumentieren. Ich bin sowieso auch bei Facebook nicht Mitmacher, sondern Beobachter.

Schlagzeile bei Bild online: „Kriegt Bosz nur noch bis Weihnachten?“ Ist das ein Beispiel für diese angebliche neue (Jugend-)Sprache, aus der auch das Jugendwort des Jahres kommt? Heißt die Sprache „Vong“ und das Wort „I bims“? Oder „I bins“? Bedeutet es „Ich bin’s“? Was weiß ich. Falls ich es für die Montagsthemen übernehme, werde ich es googelnd nachprüfen.

Montagsthemen. Auf dem Zettel eine Mail, defätistische Gegenstatistik zur verheißungsvollen vom Samstag. Falls es in die Kolumne kommt, muss ich sicherheitshalber im Duden die Schreibung von „defätistisch“ überprüfen … nee, mach ich gleich: „Defätismus = Mut und Hoffnungslosigkeit, Neigung zum Aufgeben“. Kommt direkt nach „Defäkation = Stuhlentleerung“. Darüber haben wir doch gestern erst gesprochen: Sie arbeitet an der aktuellen Ausgabe des Gießener Senioren-Journals und hadert damit, nur 20 Seiten zu haben, davon eine doppelseitige Anzeige über Stuhl-Inkontinenz. Depri-Stoff. Da muss mein „progressiver Alttag“ aufmunternd gegenwirken. Habe die Kolumne schon geschrieben, ich bin begeistert, die Chefin hat sie gnädig entgegengenommen. Ich darf nur nicht vergessen, sie kurz vor dem Erscheinen des Journals am nächsten Samstag online zu stellen (die Kolumne, nicht die Chefin), zum Link „gw-Beiträge Kultur“, der so heißt, obwohl ich keine Nach-Lesen und Rezensionen mehr schreibe, sondern hier nur noch progressive Alttage reinstelle. Schluss jetzt, KKKK naht. Kaffee, Kuchen, Knicks und Kuss. Den habe ich mir verdient, alleine durch die Beseitigung der Mäuse-Bescherung.

 

 

Veröffentlicht von gw am 19. November 2017 .
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Mittwoch, 15. November, 9.35 Uhr

Die erbetene Extra-Kolumne geschrieben und online gestellt. Also, nicht geschrieben, das war schon erledigt, da es ein „Rück-Blog“ geworden ist, sondern zusammengestellt aus den letzten beiden Blog-Monaten. Damit es in der Zeitung besser lesbar ist, suche ich kurze, für sich stehende Absätze heraus. Anderes, Längeres, Komplexeres muss leider draußen bleiben, das würde  den Kolumnen-Rahmen sprengen. Aber dafür haben wir ja den/das Blog.

Breaking News: Tür öffnet sich, KKKK-Liebste schaut rein und mahnt: „Du weißt doch, dass du für mich etwas schreiben musst!?“ Ja, ich weiß. Fürs Gießener Seniorenjournal. Gehe gleich ran (erscheint übernächsten Samstag)

Die Überschrift des Rück-Blogs in der Zeitung ist eine andere als im Blog: „Re(h)hagels Spur(r)illen“.  Bisschen holzhämmerig, aber ich gehe lieber auf Nummer sicher, bevor mir eine mitleidige Seele den scheinbar doppelten Schreibfehler in „Rehagels Spurillen“ korrigiert. Wahrscheinlich unnötig, aber ich bin immer noch traumatisiert von der „Legalisierung der Okochas“, die ich im letzten Moment verhindern konnte. Damals ist spät am Abend, kurz vor Redaktionsschluss, ein Kollege aus der Technik triumphierend  zu mir gekommen, er habe mir den Arsch gerettet und die Überschrift verbessert. Die Überschrift, auf die ich stolz war: „Die Legatisierung der Okochas“.

So. Und jetzt ran ans Seniorenjournal.

Veröffentlicht von gw am 15. November 2017 .
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Sonntag, 12. November, 12.50 Uhr

Der Spott war zwischen den Zeilen, aber nicht gerade versteckt. Die Männerfreundschaft, Flimm, Marius M.-W., Rehhagel – „das passt“ usw. Jetzt habe ich auch das Interview gelesen. Ist doch recht sympathisch, wie die beiden miteinander frotzeln. Schon tut’s mir leid.

Manches vom Blog und vieles auf dem Zettel haben es nicht in die Montagsthemen geschafft. Auch der Satz nicht, der demnächst anderswo auftauchen wird, aber nicht zu googeln ist. „XY ist doch ein Penner, unsympathisch stinkend, asozial und arbeitsscheu und im Sport war er ein schlechter Verlierer, diese Pfeife!“ Aber Moment mal, ich versuche es … bis gleich.

… ist nicht zu googeln. Harte Nuss für Suchmaschinen-Profis.

Veröffentlicht von gw am 12. November 2017 .
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