Archiv für November 2017

Prof. Roland Bitsch: Trost und Schelte

Mit leichtem Schmunzeln lese ich im Senioren-Journal Ihre larmoyanten Sentenzen über das Älterwerden. Hierzu von meiner Seite Trost und Schelte zugleich. Zuerst die Schelte: Bei einem ehemaligen Hochleistungs-Leichtathleten (Kugelstoßen) verwundert mich, daß er bereits im gerade erreichten Rentenalter sich schon eines leistungsschonenden Pedelecs zur Fortbewegung bedient, denn Sie benutzen dies ja schon seit längerem. Jüngere Nichtsportler (oder auch Couch
potatoes) sollten diesbezüglich m. E. kein Vorbild sein.

Als Trost (?) empfehle ich Ihnen einen Blick auf die Internetseite www.youtube.com/watch?v=8cpvAVPWnts&list=PL3TtxV=XRs…..RLOG
Feierabendradtour v. 28. 07. 2017. In diesem Video können Sie bei Min.
10:16 – 11:15 einen “alten Alten” ( nach Ihrer Definition ) im Radlerdress mit Helm sehen, wie er auf “normalem” Fahrrad (ohne
e-Unterstützung) einigermaßen flüssig den leichten Anstieg in Allendorf hinaufradelt. Dies, obgleich er in jüngeren Jahren niemals Sport getrieben hat. Dieser Senior wird in Kürze in die Kategorie der Hochbetagten (80) wechseln. Die sommerlichen Radtouren des Giessener ADFC sind übrigens sehr zu empfehlen für Radler mit und ohne Pedelec. (Dr. Roland Bitsch, Prof. eme./Gießen)

Veröffentlicht von gw am 29. November 2017 .
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Drei Zeitzeugen (“Wer bin ich?” vom 30. November)

Olympia 1936, WM 1954 und der kalte Stellvertreter-Krieg zwischen der Bundesrepublik und der DDR – drei historische Ereignisse im deutschen Sport, von denen drei Zeitzeugen erzählen. Sehr unterschiedliche Menschen, auf sehr unterschiedlichem Niveau, aber alle drei fast ausschließlich im Originalton. Auch der Schwierigkeitsgrad ist sehr unterschiedlich. Was zu beweisen sein wird.
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Die Olympiade, die nun zu Ende geht, ist mir doppelt zuwider. 1. als irrsinnige Überschätzung des Sports; die Ehre eines Volkes hängt davon ab, ob ein Volksgenosse zehn Zentimeter höher springt als alle anderen. Übrigens ist ein Neger aus USA am allerhöchsten gesprungen, und die silberne Fechtmedaille für Deutschland hat die Jüdin Helene Meyer gewonnen. Und 2. ist mir die Olympiade so verhasst, weil sie nicht eine Sache des Sports ist – bei uns meine ich – sondern ganz und gar ein politisches Unternehmen. Die Sprechchöre sind (für die Dauer der Olympiade) verboten, Judenhetze, kriegerische Töne, alles Anrüchige ist aus den Zeitungen verschwunden, bis zum 16. August, und ebensolange hängen überall Tag und Nacht die Hakenkreuzfahnen. In englisch geschriebenen Artikeln werden »unsere Gäste« immer wieder darauf hingewiesen, wie friedlich und freudig es bei uns zugehe, während in Spanien »kommunistische Horden« Raub und Totschlag begingen. Und alles haben wir in Hülle und Fülle. Aber der Schlächter hier und der Gemüsehändler klagen über Warennot und Teuerung, weil alles nach Berlin gesandt werden müsse. Und die »Hunderttausende« in Berlin sind durch »Kraft und Freude« herangeschafft; die Ausländer, vor denen »Deutschland wie ein offenes Buch« aufgeschlagen liegen soll – aber wer hat denn die aufgeschlagenen Stellen ausgewählt und vorbereitet? – sind nicht sehr zahlreich, und die Berliner Zimmervermieter klagen. Auch davon will ich Zeugnis ablegen bis zum letzten.
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Im Nordhessischen sitze ich, nachdem ich den Kirchbesuch und das Mittagessen im Pfarrhaus überstanden habe, alleine vor dem Radio. »Hier sind alle Sender der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlins, angeschlossen Radio Saarbrücken. . . .« Von fern kommt die Stimme. Ich bin sofort gefangen von diesem Ton. Dann ist Halbzeit. »Schon vorbei, dein Fußball?«, fragt der Vater. – »Nein, Halbzeit. Unentschieden steht es! Zwei zu zwei!« Habe ich wirklich »zwei zu zwei« gesagt, habe die schwierigsten Wörter über die Zunge gebracht ohne zu stottern? Ich bin so verwirrt über meine Leistung, dass ich schnell vom Bad ins Amtszimmer zurück laufe. Zum Radio. Als Schreie, von Händeklatschen und Jubel unterstrichen, aus dem Stadion an mein Ohr drängen, reiße ich, eher hilflos als triumphierend, die Arme hoch und rufe leiser, als ich wollte: »Tor!«, leise, weil ich meine Freude noch nicht spüre, sondern nur den Reflex auf die Schreie aus dem vibrierenden Kasten. Das war der Sonntag, an dem ich Weltmeister wurde.
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Wegen »versuchter Republikflucht, verbotener Westkontakte und Abweichlertum« saß ich im Knast. Als die Stasi mich freiließ, versuchte ich noch drei Mal abzuhauen, bevor sie mich endlich freiwillig gehen ließen. Hier im Westen half mir einer. Auf andere bin ich nicht gut zu sprechen. XX, mein Freund, ich danke Dir nochmal für alles, was Du damals für mich getan hast. YY hätte so etwas nie getan. Ich weiß noch wie YY und ZZ sich geärgert haben, als ich endlich in Freiheit war. YY ist doch ein Penner, unsympathisch, stinkend, asozial und arbeitsscheu, und im Sport war er ein schlechter Verlierer, diese Pfeife! Und wenn nicht der Boykott gewesen wäre, Ihr wisst doch genau, wer dann nicht Olympiasieger geworden wäre!!
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Wie gesagt, Zeitzeugnisse auf sehr unterschiedlichem Niveau. Daher sind auch drei Namen im dritten Teil anonymisiert, zumal es nicht um sie geht, sondern um den kritisch beobachtenden Geist von 1936, den kleinen hessischen Buben von 1954 und den immer noch Wütenden von heute. – Wer sind sie?
(Einsendeschluss: Freitag, 8. Dezember) (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Veröffentlicht von gw am 29. November 2017 .
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Ohne weitere Worte (vom 28. November)

So viel emotionale Achterbahnfahrt sahen wir zuletzt auf dem Rummelplatz-Ausflug der örtlichen Nervenheilanstalt, ein Derby, das Verrückte macht. (…) Dieses 4:4 macht für kurze Zeit die ganze Kommerzkacke und die 100-Euro-Tickets, die Fifa, die WM und 200-Millionen-Transfers vergessen, deshalb dafür an alle Beteiligten ein fettes: Danke, Fußball. (aus dem Liveticker des Fußballmagazins 11Freunde)
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»Ich komme häufig hier runter in die Kabine, immer, wenn wir hoch gewonnen oder deutlich verloren haben.« (…) Mussten Sie hier auch mal laut werden? – »Das habe ich (…) auch schon machen müssen.« (…) – Bringt es was, wenn Sie vor einer Mannschaft brüllen? – »Nun ja – zumindest haben wir dann in der zweiten Halbzeit keine Tore mehr reinbekommen. Und haben das ein oder andere Spiel sogar gedreht.« (Schalke-Boss Clemens Tönnies im Kicker-Interview)
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»Man liest ja oft: Das ist ein Zeichen gegen Terrorismus, gleich wieder aufzustehen, gleich weitermachen. Ich halte davon nicht so viel.« (…) – The Games must go on, hieß es schon nach dem Olympia-Attentat 1972 in München. – »Ich glaube, es ist den Terroristen egal, ob man danach weitermacht oder nicht.« (Matthias Ginter, der bei der Nationalmannschaft und beim BVB Ziel von Anschlägen war, im Interview des SZ-Magazins)
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Charr sieht sich als medizinisches Wunder und Produkt einzigartiger Willenskraft. Früher quälte ihn Arthrose in den Hüftgelenken. »Oben rum war ich 30 Jahre, unten rum 80. Die Schlagkraft kommt aber aus den Hüften. Ich war ein Pfeil ohne Bogen.« (dpa über den neuen Boxweltmeister, dem zwei künstliche Hüftgelenke eingesetzt wurden)
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Hätten Sie noch den Speed? – »Auf einer Runde würde ich sofort wieder schnell sein. Das ist doch wie Fahrradfahren, das verlernt man nie. Aber ich habe nicht mehr die Halsmuskulatur, eine Renndistanz durchzuhalten.« (Nico Rosberg im FAZ-Interview)
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Erstmal spielten Sie Fußball bei Molde FK,immerhin erste norwegische Liga. – »Ich wollte Profi werden, am liebsten bei Tottenham Hotspur. Aber nach zwei Kreuzbandrissen war dieser Traum dahin.« (Bestseller-Autor Jo Nesbö im Interview der Süddeutschen Zeitung)
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»Zu seinem Geburtstag schrieb seine Ehefrau Lilly ihrem Mann einen offenen Brief, der Bunte exklusiv vorliegt«, lesen wir (…) und freuen uns dann über die niedliche Anrede »Mein liebes Schatzilein«. Im Brief zählt Lilly auf, was sie Boris alles verdankt: »Emotionale Dinge wie tiefe Liebe und Vertrauen, aber auch Materielles wie luxuriöse Reisen im Privatjet, elegante Designermode, noble Autos, exklusive Veranstaltungen und noch vieles mehr.« Da werden die Gläubiger gewiss schmunzeln. (Jörg Thomann in den »Herzblatt-Geschichten« der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung)
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»Politisch korrekt zu sein ist inkorrekt.« (der britische Sänger Morrissey im Spiegel-Interview)
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David Bowie hat (…) eine 15-Jährige entjungfert. Auch das eine Bagatelle? – »Das war damals absolut üblich. (…) Aber ich bin traurig, dass Berlin die Vergewaltigungshauptstadt geworden ist.« – Die was? Die Hauptstadt der Vergewaltigung? – »Ja, ja! Wegen der offenen Grenzen.« (Morrissey/Spiegel)
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»Ich verdanke ihm (Anm.: Rudolf Augstein) Begegnungen mit dem leider sehr betrunkenen Willy Brandt. (…) Helmut Schmidt (…) quoll seine Selbstherrlichkeit aus den Ohren.« (Heide Sommer, Sekretärin berühmter Männer, im Interview des SZ-Magazins)
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»Wenn ich mit ihm über unsere Probleme reden wollte, hieß es: ›Ich hatte heute schon meine Konferenz.‹« (Sommer im SZ-Magazin über ihren früheren Ehemann und Zeit-Herausgeber Theo Sommer
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Tragen Sie zu Hause Jogginghosen – »Eher selten. Jogginghosen leiern viel zu schnell aus, und dann sieht man so aus, wie man sich nicht fühlen möchte.« (Promi-Köchin Sarah Wiener im »Fragebogen« des FAZ-Magazins)
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»Man braucht nicht die Umgebung zu wechseln, um sich zu ändern. Wer meint, er würde an einem anderen Ort automatisch anders sein, täuscht sich.« (der Künstler Anselm Kiefer vor 27 Jahren in einem jetzt neu veröffentlichten Interview des SZ-Magazins)  (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Veröffentlicht von gw am 27. November 2017 .
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Montagsthemen (vom 27. November)

»Fußball ist bekloppt«, sagte Sky-Moderator Frank Buschmann in der Halbzeit. Dann wurde es noch viel bekloppter. Am beklopptesten aber wäre, wenn ich erklären wollte, was da in Dortmund passiert ist und warum überhaupt. Andere mögen sich das zutrauen. Ich nicht. Ich staune nur.
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Ein Derby mit Vor-und Rückspiel in 97 Minuten. Faktisch zwei völlig verrückte Derbys in einem. Da jedes Derby nach dem gleichnamigen Earl heißt, der im Jahr 1780 per Münzwurf gegen einen gewissen Sir Bunbury das Recht gewann, einem Pferderennen seinen Namen zu geben, könnte man auch sagen: Erst war’s ein Derby, dann ein Bunbury. Oder andersrum. Oder so. Lächerlich? Mag sein. Aber ernsthafte Erklärungsversuche dieser unerhörten Begebenheit sind noch viel lächerlicher.
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Ziemlich lächerlich auch das Affentheater um die Testspiele der chinesischen Nachwuchsfußballer. Beide Verbände hätten wissen sollen, dass das, was geschah, auch geschehen musste. Nun sind die einen nach dem selbst provozierten Eklat empört beleidigt, die anderen zeigen empört Unverständnis für die Beleidigten. Wir haben schließlich Meinungsfreiheit, oder? Sicher. Aber an unserem Wesen werden die Chinesen nicht genesen. Und von selbstgerechten Langnasen wollen sie auch nicht bekehrt werden. Zur Strafe sollte man die Beleidigten und die Unverständigen zusammen in einem Harmonieraum einsperren. So heißen in China die Toiletten.
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Viel Verständnis haben wir in Deutschland aber mit Ausländern, die eingebürgert werden wollen. Das geht ganz fix, und den obligatorischen Sprachtest muss man auch nicht bestehen. Wie in der Schule. Das Zauberwort heißt allerdings nicht Ausgleichsnote, sondern Medaillenchance. Und schwupps ist der Franzose Bruno Massot eingebürgert, obwohl er vier Mal beim verbindlichen Sprachtest durchgefallen ist. Nun kann er bei Olympia Gold holen. Im Paarlauf. Mit Aljona Savchenko, einer Urdeutschen. Sie wurde bereits 2005 eingebürgert und hat mit ihrem früheren Partner Robin Szolkowy schon die geforderten Deutschmedaillen geholt. Was Katar kann, können wir auch.
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Noch einmal zum Fußball. In Brüssel spielten die Bayern schlecht und gewannen, in Mönchengladbach waren sie kaum besser und verloren. Der Heynckes-Hype ist schon vorbei. Was nicht am Trainer liegt. Der hat am wenigsten »gehaipt«. Der Hype war ein medialer. Nüchtern betrachtet: Unter Heynckes haben sich die Bayern stabilisiert und leicht erholt. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
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Kompliment an die Gladbacher. Eine der wenigen Mannschaften in der Bundesliga, die Fußball spielt, eine kreative Idee davon hat und nicht im frühen Kloppschen Stil verhaftet ist, den viele nachahmen,  der aber ohne junge genialische Wilde wie die um Götze und Reus, ohne einen absoluten Ausnahmestürmer (Lewandowski ist einer, Aubameyang nicht) und ohne ein stabiles Duo wie das mit einem souveränen Strategen wie Hummels und seinem damals hochklassigen Partner Subotic nur Feste-Druff-Fußball ist, der nicht agiert, sondern brachial reagiert.
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Schwenk zum Boxen. Der Mann mit den beiden künstlichen Hüftgelenken und dem Bauchschuss ist Schwergewichts-Boxweltmeister. Irre Geschichte. Aber nicht so irre wie das, was in Dortmund geschah. Nach dem alten Bayern-Beuteschema heißt der neue Trainer in München nicht Tuchel oder Nagelsmann, sondern Tedesco
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»Das Gehirn ist doch kein Fußball«, sagte einst ein Gießener Psychiatrie-Professor, als es um das Boxen und um einen Profi ging, der ins Koma geschlagen wurde und wenige Monate später wieder in den Ring steigen wollte. Nur sehr gestandene Leser wissen, was ich damit zu tun hatte, das ist hier aber kein Thema, sondern: Nach Christoph Kramers x-ter schwerer Kopfverletzung scheint eine Schutzsperre angebracht. Zuletzt gab es alarmierende Untersuchungen über Kopfbälle, über Gehirnerschütterungen und deren schlimme Folgen im NFL-Football. »Das Gehirn ist doch kein Fußball!«
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Apropos Gehirn. Während sich die Doping-Jäger an den Russen abarbeiten und der neue DLV-Präsident Jürgen Kessing seinem Vorgänger Clemens Prokop in Sachen Doping verspricht, »Holg ..« – Quatsch. Sorry. – »… der Kampf geht weiter«, sprechen sich laut »Nature« 80 Prozent der Akademiker für die Freigabe von Hirndoping aus. – Was hat Hirndoping mit Sportdoping zu tun? Nichts? Alles?
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Echt hirnrissig aber, dass den Dealern im Görlitzer Park in Berlin eine Ausstellung gewidmet wird, weil sie laut Kurator »unerschrocken und tapfer im öffentlichen Raum« arbeiten. (Quelle: SZ). Es wäre schön, wenn ich auf dem Schlauch stünde und die Satire darin nicht verstanden hätte. Aber ich fürchte, es ist gar keine.
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Ist es rassistisch festzustellen, dass die Drogen-Szene im Park von Westafrikanern und Libanesen beherrscht wird? Ist es rassistisch, wenn Nivea in Westafrika einen Hautaufheller bewirbt? Aber warum benutzen rund drei Viertel der Frauen dort eine solche Creme? Und warum legen wir uns in die Sonne und helfen mit Selbstbräunern nach? Fragen über Fragen. Die ich nicht beantworten will. Nicht mein Metier. Sie sollten mich nur über Nivea zurück zum Frust der BVB-Fans bringen: Ein Derby-Unentschieden tat … ni vea. AUA! (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Veröffentlicht von gw am 26. November 2017 .
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Sonntag, 26. November, 5.00 Uhr

Bisschen früh heute. Da ich wusste, früh aufstehen zu müssen, bin ich noch früher aufgestanden. Zwangsneurose. Muss gleich die beiden letzten K von den vieren abholen. Sauerlandlinie. Ob es da schon schneit? Hier nicht.

Montagsthemen schon gestern Abend in Rohfassung geschrieben. Gleich letzte Hand anlegen. Vorher Blick in die Meldungen der Nacht: Miss Germany Ü50 gewählt, Vulkan auf Bali spuckt drei km hohe Rauchwolke aus, und der Mann mit den beiden künstlichen Hüftgelenken und dem Bauchschuss ist Schwergewichts-Boxweltmeister. Irre Geschichte. Aber nicht so irre wie das, was gestern in Dortmund geschah. Nach dem alten Bayern-Beuteschema heißt der neue Trainer dort nicht Tuchel oder Nagelsmann, sondern Tedesco.

Gießen mal wieder in der Weltpresse. Vor zig Jahren, frisch in der Chefredaktion, wollte ich die Lokalredaktion inspirieren. Neben einer Interview-Serie (“Die andere Seite von …”) gehörte auch eine Pro- und Kontra-Serie zu meinem Beitrag. Erste Folge: Paragraph 218. Abtreibung. Ein Physiker der Uni Gießen vertrat die christliche Auffassung, die Gießener Frauenbeauftragte war seine Gegenspielerin. Interessante Geschichte. Ich dachte wieder daran, als es jetzt um die Gießener Ärztin ging, die wegen unzulässiger Werbung für Abtreibung verurteilt wurde. 300 Sympathisanten hatten sich vor dem Gerichtsgebäude versammelt, hieß es, aus allen Teilen der Bundesrepublik seien sie angereist. 300 aus ganz Deutschland – ist das relativ viel oder relativ wenig?

Man kann die Sache aus mindestens drei Blickwinkeln sehen: dem juristischen (mangels Fachkenntnis passe ich), dem dualistischen (dem üblichen, das Lagerdenken, das den jeweils anderen so akzeptiert wie BVB-Fans die der Schalker und umgekehrt) und dem nachdenklichen, unsicheren, allen Argumenten gegenüber offenen. Ein zutiefst menschliches Problem, ein grundexistentielles, das juristisch nicht zu lösen ist, mit schrillen Tönen aus beiden Lagern sowieso nicht, und menschlich? Auch nicht.

Ein Problem kann ich lösen: Frühzeitig die Montagsthemen fertig zu haben und auf die Seite zu stellen. Auf geht’s.

Veröffentlicht von gw am 26. November 2017 .
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Baumhausbeichte - Novelle