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Sonntag, 29. Oktober, 5.45 Uhr

Wieder diese Uhrzeit. Diesmal aber ohne Zurückschieß-Gags. Nicht Gigs. Das Wort, das nicht zu meinem aktiven Wortschatz gehört, hatte ich für den Sport-Stammtisch  nachschlagen müssen, wobei mir meine Vermutung bestätigt wurde, dass es unter Künstlern, speziell Pop-Musikern, für “Auftritt” benutzt wird, auch für Teile der Inszenierung. So wäre also das Maß-Trinken der Helene F. als Teil der Inszenierung bei ihrer Tournee ein Gig als Gag. Oder so.

Überpünktlicher Blogbeginn, weil der Sturm ums Haus tost und der Hund Zwingerhusten hat. Oben auf dem Berg zu wohnen hat zwar den Vorteil, von Überschwemmungen verschont zu bleiben, dafür muss man bei solchen Winden befürchten, dass einem das Haus um die Ohren fliegt. Den Zwingerhusten haben Hunde auch ohne Zwinger, er grassiert zur Zeit, sagt die Tierärztin. Unserer leidet besonders stark, und wir mit. Er bzw. sie hustet und würgt und kotzt ganz erbärmlich.

Der Zwingerhusten soll zum Glück nach zwei, drei Tagen überstanden sein. Dennoch leicht makaber, dass ich unter den Meldungen der Nacht auf  jene über moderne Bestattungssitten stoßen, unter anderem darauf, dass es mittlerweile in Deutschland möglich ist, zusammen mit dem Haustier begraben zu werden. Auf dem Friedhof. Der eingeäscherte Hund muss nur als Grabbeigabe deklariert werden.

Zur neuen Zeit gehört auch, dass manche ihren Witz erst posthum zeigen. Auf den Grabsteinen stehen Gags (nicht Gigs) wie “Game over” oder “Tiefergelegt”. Bei aller Freude an schwarzem  Humor – darüber kann man als Fremder lachen, aber wirklich auch als liebend trauernde Ehefrau, Vater, Mutter, Kind?

Eine Schauspielerin aus der “Sopranos”-Serie (die ich nie gesehen habe; habe ich etwas verpasst?) verkündet, auch sie sei von Weinstein vergewaltigt worden. Mir ist schleierhaft, wie sich jetzt halb Hollywood als Opfer von Weinstein outet, dazu die halbe Welt als Opfer deren großer und kleiner Weinsteins, aber zuvor Jahre und jahrzehntelang geschwiegen hat. Meine pessimistisch bösen Gedanken dazu verschweige ich lieber, nicht nur in der Kolumne, sondern sogar im Blog, in dem ich ansonsten kaum Skrupel habe.

In die Kolumne will ich aber diesmal über Lindsey Vonn nachdenken und deren (Publicity?-)Wunsch, bei den Männern mitzufahren. Aktueller Anlass ist ihr Comeback gestern. Ansonsten weiß ich noch rein gar nichts, Wind und Hund haben den Kopf leergefegt und leer gehustet.

Über Vonn und Weinstein (warum fällt mir bei ihm immer nur der Vorname “Zeus” ein? Sehr alte Leser wissen es. Hat nichts mit dem geilen Göttervater zu tun, sondern mit einem Kollegen von Kommissar Obermoos; aber den kennt auch keiner mehr) bin ich auch über ein Werbeplakat gestolpert, das mir auf dem Weg in die Stadt entgegenblickt: zwei junge Mädchen ziehen sich aus oder an oder um und gickeln dabei, als wäre es die lustigste Sache der Welt. Die eine zieht die Hose rauf oder runter und zeigt ihren Slip, die andere zieht das Hemd hoch und nestelt an ihm und um ihren Busen herum. Keine Ahnung, was das soll. Es erschließt sich mir nicht. Zumal es Zigaretten-Reklame ist und keine Utensilien für Spanner anpreist (falls es so etwas gibt, außer Ferngläsern). Vor allem erschließt sich mir aber nicht, warum ausgerechnet dieser Unsinn in unseren überhitzten Sexismus-Zeiten nirgendwo angeprangert wird, ich finde jedenfalls nichts im Internet dazu, und das will was heißen. Gefunden habe ich im Netz aber  diesen Satz:

„Ich bin zunehmend schockiert über die gedankenlose Abwertung von Männern, die so sehr Teil unserer Kultur geworden ist, dass sie kaum noch wahrgenommen wird. Es ist Zeit, dass wir uns fragen, wer eigentlich diese Frauen sind, die ständig die Männer abwerten. Die dümmsten, ungebildetsten und scheußlichsten Frauen können die herzlichsten, freundlichsten und intelligentesten Männer kritisieren und niemand sagt etwas dagegen. Die Männer scheinen so eingeschüchtert zu sein, dass sie sich nicht wehren. Aber sie sollten es tun.“

Kommt nicht aus der AfD-Ecke, sondern aus einem Interview mit Doris Lessing, der Literatur-Nobelpreisträgerin und großen alten Dame des Feminismus. Ob ich es wage, daraus einen Gag für die Montagsthemen zu machen? Mal sehen.

 

Baumhausbeichte - Novelle