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Sport-Stammtisch (vom 28. Oktober)

Atemberaubende Spannung, irre Dramatik, ein Fußball-Spektakel – die Schlagzeilen ähneln sich, aber nicht die Spiele. Eintracht gegen BVB, das war ein wildes Ruff-un-Runner auf dem Bolzplatz, Red Bull (»Rasen-Ball« ist mir zu albern) gegen Bayern aber ein Schlagabtausch auf höchstem Niveau. Nur selten sieht man solch ein optisch, athletisch, technisch und taktisch beeindruckendes Fußballspiel.
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Schlagabtausch. Um im Jargon zu bleiben: In Frankfurt unterhaltsames Kirmesboxen, in Leipzig höchstklassiges Faust- bzw. Fußballfechten, als ob die Klitschko-Brüder in Höchstform und mit Höchsteinsatz kämpften. Und zwar den unmöglichen Kampf. Gegeneinander.
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Zwar liegt Dortmund mir auch gefühlsmäßig näher als München oder Leipzig, aber wenn jetzt von einem Dreikampf gesprochen wird, dann schleicht in ängstliche BVB-Gemüter der ungemütliche Gedanke, dass der Dreikampf  ein Duell werden könnte. Ohne  den BVB.
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Zum Vidal-Foul haben die Kollegen gestern alles gesagt. Schlussfrage: Hat sich Felix Zwayer »grob sportwidrig« verhalten? Eindeutige Antwort: Ja. Sogar vom DFB bestätigt. Ist aber schon länger her. Und wurde geheim gehalten. Zwayer war ein Berliner Kumpel des bestochenen Schiedsrichters Hoyzer, auch sein Linienrichter, und als solcher ließ er sich von Hoyzer zwecks Manipulation Geld zustecken. Der DFB sperrte Zwayer für ein halbes Jahr, vertuschte das Urteil aber, das erst 2014 von der Zeit aufgedeckt wurde. Lang ist’s her, Resozialisierung gilt auch für Schiedsrichter. Aber hätte Zwayer Karriere machen können, wenn der DFB nicht dem Gesetz des Schweigens gehorcht…, nein, nicht gehorcht, sondern es verordnet hätte? Omerta. So heißt der Ehrenkodex. Der Mafia.
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Einer schwieg nicht. Hätte er aber sollen. Als Rangnick lamentierend sein Smartphone schwenkte, kam er aus der Schublade des penetranten Fußball-Professors (legendärer ZDF-Auftritt, Sie erinnern sich?) und kehrte als schwäbisches Besserwisserle auf direktem Weg zurück. Schublade zu. Mancher ist selbst schuld, wenn er drin steckt.
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Wer Leipzig spielen sieht, zollt Rangnick dennoch großen sportlichen Respekt. Und dem Trainer, und den Spielern, und den Fans, von denen noch kein Irrsinn bekannt wurde (gelle, Eintracht-Ultras!?). Aber man stelle sich vor, Red Bull käme in ähnliche Nöte wie VW. Zuviel Diesel in der Dose, oder so. Andererseits: Ähnliches droht fast jedem Bundesligisten, allen Superklubs sowieso.
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Uns droht nur Halloween. Kennen Sie die Gemeinsamkeit von Halloween und dem olympischen Feuer, das gerade wieder mit Pomp und Brimborium entfacht wurde? Beide so überflüssig wie ein Pickel auf der Nase. Unterschied: Halloween kam aus den USA zu uns, das olympische Feuer von uns in die Welt. Nur noch einmal fürs Protokoll: Halloween wurde von der deutschen Karnevals-Industrie importiert, um den Umsatzeinbruch wegen des im Irakkrieg ins Wasser gefallenen Faschings auszugleichen, und der Fackellauf ist eine reine Nazi-Erfindung, Premiere in Berlin 1936.
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Nun ist auch Fats Domino tot. Den soll ich aber nicht beweihräuchern wie schon Tom Petty, Chuck Berry und Co., es gäbe schließlich auch tolle deutsche Sänger, flüstert mir jemand ins Ohr. Na gut. Dann ehre ich heute, und zum Glück nicht posthum, eine deutsche Sängerin, die auf ihrer Tournee mit einer reifen Leistung brilliert. Helene Fischer begeistert ihre Fans, indem sie als neuen Gig einen Liter Bier auf ex trinkt. Ihre Bestleistung: 17 Sekunden. Mannomann!
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Ich verkneife mir bierernste Vorbehalte bezüglich Alkohol oder skeptische, ob da nicht eine Fake-Maß im Spiel ist, sondern begnüge mich mit einem historischen Vorbild, denn das Geheimnis des sportlichen Schnellschluckens ist seit Wolfgang Clement kein Geheimnis mehr. Ich sage nur: Zäpfchen!
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Zur Erinnerung: Der ehemalige Bundesminister und Landeschef von NRW trank ein Glas Bier schneller aus als andere ein Glas Schnaps, denn er konnte das Zäpfchen in seinem Rachen nach oben klappen und die Flüssigkeit einfach laufen lassen, was vor allem seinem Chef und Kumpel Gerhard Schröder imponierte.
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Ohne Zäpfchen geht’s auf ex ab wie ein Zäpfchen, aber wieso eigentlich? Was bedeutet das? Ich habe die Redewendung im Internet »nachgeschlagen«, aber keine eindeutige Erklärung gefunden. Weil das Zäpfchen wie eine Rakete aussieht, meint einer, ein anderer, weil es bei bestimmungsgemäßer Anwendung schnell aus dem Sichtfeld verschwindet. Dazu gibt es von mir keinen Kommentar, nachdem ich wegen der letzten “Montagsthemen”-Kolumne einen strengen Verweis der Allerliebsten aus meiner liebsten Zielgruppe hinnehmen musste (»pubertärer Pipi-Kaka-Humor«).
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Sie lasen hoffentlich dennoch eine Kolumne, die abging wie ein Zäpfchen. (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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