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Montagsthemen (vom 23. Oktober)

Macht ihn das Alter nicht nur milder und reifer, sondern auch richtig witzig? Kaum hat die SZ (siehe »Sport-Stammtisch« vom Samstag) blitzgescheit analysiert, dass es »ganz einfach« sei, »warum Heynckes’ Bayern wieder gewinnen«, nämlich indem er Müller stärkt, streng nach Hierarchie aufstellt und nicht rotiert, da veralbert Heynckes die Sterndeuter des Fußballs, indem er Müller auf die Bank setzt, mit ihm Hierarchie-Spitzen wie Boateng, Thiago oder Kimmich, wilder rotiert als ein durchgedrehter Guardiola auf Speed und mit einer Mannschaft antritt, die einfallsloser und uninspirierter spielt als unter dem Tranquilizer Ancelotti. Einfach witzig, der Jupp!
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Und Glück hat er auch noch. Der Bayern-Dusel ist wieder da. In Reinkultur, denn erst wirft dieser Dusel einen HSV-Dussel vom Platz, der vergessen hat, dass sein Foul meistens mit Gelb bestraft wird und nur manchmal mit Rot, aber im Zweifelsfall immer zugunsten der Bayern, und dann lässt er die Bayern ihr lahmes 1:0 nach Hause schaukeln.
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Nur eine Sache ist wirklich neu: Thomas Müller, spät einrotiert, legt ein Tor vor und rotiert gleich wieder raus – mit einer Muskelverletzung! Obwohl bis Samstag als gesicherte Erkenntnis galt, dass Müller überhaupt keine Muskeln hat. Eine neue Form der Phantom-Verletzung? Spaß beiseite, im Ernst: gute Besserung!
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In Frankfurt sahen wir kein lahmes 1:0, sondern ein wildes 2:2, bei dem die Eintracht auch 7:5 hätte gewinnen können, denn der BVB spielte nicht mit seiner   chronisch anfälligen Defensive, sondern  lieber ganz ohne. Was die Leistung unserer hessisch integrierten »Stinker« (siehe ebenfalls »Sport-Stammtisch« vom Samstag) aber nicht schmälert. Auch Handkäs’ stinkt und schmeckt so gut. Vor allem, wenn Musik drin ist.
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Und damit zu den Beatles. Yeah, yeah, yeah! Im Kicker-Interview sagt der überaus sympathische spanische WM-Trainer Vicente del Bosque, als Jugendlicher sei Real Madrids »Generation Yé-Yé« sein Vorbild gewesen und der Name »abgeleitet von dem Beatles-Schlager«. Was? Gibt es einen Beatles-Titel, den ich nicht kenne? Kann nicht sein. Wikipedia klärt auf: »Yé-Yé leitet sich vom englischen Ausruf Yeah ab, der in der englischen Beatmusik, etwa in dem Beatles-Song She Loves You, ein beliebtes Füllselwort darstellte. Dem Yé-Yé werden im weiteren Sinne Popsänger verschiedener Stile zugeordnet, darunter Rocker wie Johnny Hallyday.« Ich bin beruhigt. Yeah, yeah, yeah!
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Del Bosque sinniert auch über die »Ungeheuerlichkeiten« der neuen Ablöse-Summen. Stimmt. Aber andererseits könnte man Katar auch dankbar sein. 200 Millionen für einen Jungen auszugeben, der mit einem Ball spielen kann, zwar besser als andere Jungs, aber eben nur mit einem Ball, das beweist doch nur im Freilandexperiment die These vom Geld, dessen Wert eine bloße irreale Übereinkunft ist.
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Scheinbar irreal auch, dass Trainer Martin Schmidt in Wolfsburg eine alte mütterliche Anweisung neuväterlich umsetzt: Nach dem Spiel und nach dem Training Zähneputzen nicht vergessen. Reimt sich zwar nicht, wie im Original mit Händen, Klo, Essen und vergessen, die Anweisung wird von Schmidt aber penibler überwacht als in den meisten Kinderstuben. Grund: Zähneputzen hemmt die Säure, die sich nach großer Anstrengung bildet und die Regeneration erschwert. Sagt Schmidt.
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Irgendwo habe ich das schöne Wort von der »Sauberkeitsdressur« gelesen. Ob exzessives Zähneputzen dazu gehört, weiß ich nicht. Ganz sicher schädlich, so die HNO-Medizin, sei aber das Puhlen im Ohr mit Wattestäbchen. Obwohl es viele (ich auch!) als angenehm empfänden, denn damit stimuliere man einen sensiblen Bereich, eine Art »G-Punkt« (ach so!). Ohrenschmalz sei nicht schädlich, im Gegenteil, es schütze die Haut. Früher habe man es sogar zur Lippenpflege benutzt, und manche schwören auch heute noch darauf, einen Batzen Ohrenschmalz auf ihren Lippenherpes zu schmieren. Na ja, geküsst wird mit Herpes ja sowieso nicht.
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Ohrenschmalz könnte, aber das ist nur meine Vermutung, sogar Asyl-Lügner überführen, denn es setzt sich bei verschiedenen Volksgruppen unterschiedlich zusammen. Den Pass kann man fälschen, sein Ohrenschmalz nicht. Nur für den Nasenpopel gibt es noch keine gesellschaftlich verwertbare Funktion. Weg mit ihm. Schnipp!  (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle