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Sonntasg, 15. Oktober, 6.30 Uhr

Halb sieben, pünktlich am Blog-Start. Die Ironmen sind schon im Ziel. Ein Deutscher siegt, aber nicht Frodeno. Damit habe ich, sorry, spekuliert, als ich ihn in der letzten “Ohne weitere Worte”-Kolumne zitierte. Dazu gibt es weitere Worte in den Montagsthemen. Mit Bezug auf Lance Armstrong (“Verlieren ist wie Sterben”). Hoffentlich ohne weitere Gemeinsamkeiten Frodenos mit ihm …

Triathlon wurde, glaube ich (muss nachher mal nachschauen), von einem Ami (und zwei Freunden) eher aus Jux erfunden, ist mittlerweile aber eine echte deutsche Sportart. Nachher vielleicht ein paar Worte dazu in den Montagsthemen. Sehr heikel, mal sehen, wie ich damit zurecht komme. Geht ungefähr in die Richtung der Polemik ganz früher “Kontra”-Kolumnen. Themen damals “Bizarres Getto Frauensport” und “Ist Laufen gesund?”. In die Reihe käme jetzt: “Triathlon – typisch deutsch”. Keine filigrane Technik nötig, kein begnadetes Talent, kein großes Bewegungsgeschick, sondern “nur” sportliche Sekundärtugenden Fleiß, Disziplin, Trainingsausdauer und vor allem das Überwinden des legendären “Schweinehunds”. Na ja, vielleicht trauen ich mich auch nicht. Beim Laufen und bei den Frauen hatte ich noch Spaß an den Shitstürmchen, mittlerweile bin ich konfliktscheu. Alterssache? Andererseits: Viele in meinem Alter werden jetzt zu Wutbürgern. Ich ertappe mich eher dabei, für alles und jeden Verständnis zu haben. Altersmilde statt Alterswut. Früher der Absolutismus der eigenen Überzeugung, auf der richtigen, der guten Seite zu stehen, heute der Relativismus, andere Auffassungen aus deren Perspektive nachzuempfinden. Aber die Lust an der Polemik   ist mir noch nicht ganz vergangen, daher: Triathlon auf den Themenzettel!

Relativität. Relativitätstheorie. Auf dem Bücherstapel liegt der Versuch eines Physikers (Name fällt mir im Flow des “unüberlegten” Blog-Schreibens nicht ein), die Relativitätstheorie einfachen Gemütern wie mir und seinem Hund zu erklären. Titel “Einsteins Hund” (glaube ich). Zum Nachschauen müsste ich nach oben gehen, zum Nachtisch …  ha! So weit darf der Flow nicht gehen, schnell korrigiert … Nachttisch, aber dann wecke ich sie auf, dann gäb’s zur Strafe kein KKKK, “beziehungs”weise kein KK zum KK.

Im Hund von Einstein bin ich noch nicht weit gekommen, erst ein paar Seiten. Ich lese immer  nur ein paar Seiten in einem Buch vom Stapel, bevor ich an die Hauptlektüre gehe, seit einigen Tagen das neue Buch von Robert Russo, “Ein Mann der Tat”.

Nochmal Relativität. Gemerkt habe ich mir bisher nur, dass Bewegung nur messbar ist in Bezug auf ein anderes Objekt, relativ also. Hier am Schreibtisch sitzend habe ich relativ zur Erde das Tempo null, relativ zur Sonne … na ja, schneller als Hamilton und Vettel jedenfalls. Ziemlich schnell auch, wie ich gestern an weiteren Gedanken zur Relativität der Bewegung gescheitert bin. Langer Spaziergang an der Flörsheimer Warte, grandioser Blick bei ebensolchem Wetter über Frankfurt. In der Ferne unaufhörlich startende und landende Flugzeuge, die startenden  kurz danach über uns. Abends, nach grandiosem Abendrot (nochmal grandios, aber sicher überall, nicht nur dort) in Richtung Flughafen ein faszinierendes Spiel der Lichter. Immer sechs, sieben Lichtpunkte auf einmal. Das einzelne Licht ploppt auf, wird heller, strahlt, scheinbar bewegungslos, und verschwindet. Ein neues ploppt auf, daneben, gleiches Spiel, und immer sind es sechs, sieben Lichtpunkte, die nach dem Aufploppen aufstrahlen und verschwinden, unbeweglich am Himmel hängend. Natürlich sind es, was mir erst nach zwei, drei Sekunden des Hinstarrens aufgeht, die landenden Jets. Relativ bewegungslos, aber absolut schnell. Wie im Kinderreim: Dunkel war’s, der Mond schien helle auf die grünbeschneite Flur, als ein Auto blitzesschnelle langsam um die Ecke fuhr. Aber haben die Jets etwas mit der Relativität von Bewegung zu tun? Nee, nur optische Täuschung, vermute ich. Mal Einsteins Hund fragen. Meiner sagt nichts dazu. Gähnt nur gelangweilt. Weiß doch jeder, denkt er, denk mal selbst nach, du kommst bestimmt auch noch auf den Trichter.

So, bevor ich im Schreibflow im Nirwana lande, zurück auf “Los”: Was steht neben Frodeno noch auf den Themenzettel für die gleich zu schreibende Kolumne? “Liga-Lage normalisiert sich / Sokratis / Eintracht, Augsburg als Symptom / Kastrop (Vorsicht, nicht Kastor schreiben!) /  Video, Köln / Inter, Milan / Lindsey Vonn / Gumbrecht.” Da muss noch vieles ins relativ Reine gedacht werden, bevor ich zu schreiben beginne. Absolut!

 

 

Baumhausbeichte - Novelle