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Sport-Stammtisch (vom 30. September)

Als Bosz den BVB mit Hurrafußball ins Verderben schickte, dachte jeder: Seppuku!
Als ich die Aufstellung der Bayern las, dachte ich Carlopuku!
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Mein alter Freund Brockhaus (Jahrgang 1958) klärt auf. »Harakiri, Seppuku (»Bauchaufschneiden«), das, eine nur noch selten vorkommende Art des Selbstmordes in Japan. Das H. wurde als eine dem Ritterstande vorbehaltene Strafe (als Ausweg aus einer Ehrensache) von der Regierung befohlen. Nachdem sich der Verurteilte mit einem Schnitt von links nach rechts den Bauch geöffnet hatte, schlug ihm gewöhnlich ein Freund den Kopf ab. Das H. sicherte eine ehrenvolle Bestattung.«
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Harakiri ist das umgangssprachliche japanische Synonym von Seppuku. Dessen sportsprachliche Entsprechung heißt fortan Carlopuku. Das ist eine dem Trainerstande vorbehaltene Strafe (als Ausweg aus einem ehrlosen 0:3) und wird von der Vereinsregierung befohlen. Nachdem sich der Verurteilte mit Schnitten der Klingen Neymar, Cavani und Mbappe von links nach rechts und rechts nach links den freiwillig entblößten Bauch der Innenverteidigung geöffnet hatte, schlug ihm Freund Rummenigge (»Carlo bleibt mein Freund, aber …«) den Kopf ab. Das Carlopuku sichert eine ehrenvolle Bestattung. In China? Dort warten Fantastillionen als Grabbeigabe.
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Direkt vor und nach dem Harakiri kennt Freund Brocki »Hara« und »Harald«, also die Gründe für das deutsche Desaster im Europapokal. »Hara (Sanskrit Zerstörer), Beiname des indischen Gottes Schiwa« hatte leichtes Spiel beim Zerstören, denn den deutschen Haralds fehlte einer wie ihr altnordischer Namensgeber, der »große Held und Heerführer Harald Kampfzahn«. Und also zog Hara der Bundesliga die Kampfzähnchen, ihren beiden Leitwölfen und vier Underdogs gleichermaßen.
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Kann man sich mit bildhaften Vergleichen von Wölfen und Underdogs vergaloppieren (was Caniden sowieso nicht tun)? Yes, i can. Mit »Underdogs aus Wolfsburg oder Wölfen aus Underdogsburg«. Dazu Prof Petra Ina Pfefferle (Langgöns, aber aus Braunschweig stammend): »Ihre montägliche Kolumne gehört eigentlich zu meinen morgendlichen Eustressoren. Heute morgen hat Ihre Kolumne bei mir zum ersten Mal so richtig Distress ausgelöst. Dass was ich da über die Stadt Wolfsburg lesen musste, ist schlicht und einfach verunglimpfend. Wer selbst in der Provinz lebt, sollte nicht mit Flachworten werfen. Wir sollten uns doch nicht auf das Niveau der Gauländischen Dumpfbacken begeben und nun schon innerdeutsch mit Ressentiments kommen. Bleiben Sie lieber weiterhin espiègle wie der bekannteste Sohn meines Heimatortes – Till Ulenspeygel!« – Autsch! Geschieht mir recht.
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Stichwort Gauländische Dumpfbacken. Nun will man die Störenfriede im behaglich eingerichteten parteipolitischen Heim einfach irgendwie wegzaubern, zum Beispiel im Sportausschuss des Bundestags, in dem die Zwölf-Prozent-Sieger nach dem Willen der Vorsitzenden von einer großen Koalition der Unwilligen ausgegrenzt werden sollen. Die SPD-Frau sollte lieber sich selbst als Vorbild nehmen: Sie hat ihren Wahlkreis direkt gewonnen. Hätten dies genügend viele andere getan, müssten sie jetzt nicht im Brechtschen Sinne das Volk auflösen wollen, weil es ihr Vertrauen verscherzt hat.
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Zurück zum Fußball. Der verscherzt das Vertrauen des Fanvolkes mit Mauschelei und Betrug in höchsten Kreisen und mit seinem aberwitzigen Geldkreisheißlauf. Ausgerechnet der Präsident der spanischen Liga kritisiert nun die Fatastillionen aus Katar, die »dem Fußball schaden. Das ist finanzielles Doping.« Stimmt. Klar. Aber in diesem Sinne dopen sie alle. Getreu der klammheimlichen Übereinkunft: Jeder dopt, so viel er kann und darf. Katar kann und darf am meisten. 200 Millionen für Neymar, 180 für einen 18-Jährigen, dazu das ganze Drumherum und Dummherum, da musst du ja gaga werden als junger Fußballer.
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»Mussdujagaga« – klingt wie ein Lärminstrument in südafrikanischen Stadien. Nee, das heißt ja Vuvuzela. Solche Dinger mit ethnologischem Alleinstellungsmerkmal werden gerne bei Olympia entdeckt. 2000   in Australien waren es die … Dildudeljös? … Dildoridoos? … jetzt hab ich’s: Didgeridoos. Die kamen aktuell  zu neuen Ehren, nämlich zum Ig.Nobelpreis (von ignobel = unwürdig). Den  bekam ein Mediziner der Uni Zürich für die epochale Entdeckung, dass Didgeridoodeln gegen Schnarchen hilft. Meine Begleitforschung dazu: Man kann auch eine Tröte nehmen. Wer bläst, schnarcht nicht. Nachteil: Er schläft auch nicht. Auch die Nachbarschaft nicht
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Zu meinen liebsten Ig.Nobelpreisen früherer Jahre gehörten jene für die Forschungsarbeiten, dass Coca-Cola bei intravaginaler Einnahme ein perfektes Verhütungsmittel ist, und dass sich Heringe bei Gefahr durch unterschiedlich langes und lautes Furzen verständigen.
Ich hoffe sehr, dass ich mit dieser Kolumne keinen Unwürdigkeitspreis gewinne, aber vor allem, dass sie ein Eustresser war und keinen Distress auslöst. (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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