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Dr. Hans-Ulrich Hauschild: Verein A

Ihre Geschichte vom Verein A trifft die Lage der Vereinsgemeinschaft, von der Sie ja in Metaphern sprechen, ganz gut. Aber – immer nur aus meiner Sicht – nur „ganz“ gut, will sagen: nicht vollständig.

Es sind drei Punkte, über die zu reden sein würde, wenn Sie denn reden wollen überhaupt.

1, Sie erwähnen den Vorstand nicht in der Bedeutung, die er als Metapher hat. Er ist lediglich geschäftsführend, das oberste Organ ist die Vollversammlung. Und die müsste bei derartig radikalen Veränderungen nach Satzung sicherlich gefragt werden. Denn:

  1. Es sind ja nicht nur zahlenmäßige und materielle Veränderungen, die bei einer derartigen Eintrittswelle auf den Verein zukommen. Es werden sich, bedingt durch die doch sehr unterschiedliche Sozialisation der Neu-und Altmitglieder, heftige Verschiebungen des Vereinszwecks ergeben – oder könnten sich doch nahe liegender Weise ergeben. Wie sagte doch die Vereinsvorsitzende vor einiger Zeit: „Eine solche Eintrittswelle wird unseren Verein stärker verändern als alles, was er in seiner langen Geschichte erlebt hat“. Dazu würde nicht nur die erwähnte kleine Opposition jedes Recht haben, eine Vollversammlung zu verlangen.
  2. Einige weitsichtige und rational denkende Mitglieder halten dem Vorstand entgegen, dass die Zahl jener, die grundsätzlich dem Verein beitreten wollen oder könnten, aufgrund ihrer Motivlage, die Zahl der aktuellen Mitglieder um ein zehnfaches übersteigt. Ob denn der Verein oder sein Vorstand dafür ein nachvollziehbares Konzept hat? Diese kleine Gruppe speist ihre Kenntnisse aus den Erkenntnissen einiger Wissenschaftler und der eigenen, durchaus menschlich mitfühlenden. Beobachtung. Der Vorstand antwortet nicht. Dann aber fragt sich, was mit „für seine Zwecke nutzen“ gemeint ist, wenn der Autor der kleinen, guten Geschichte von der Opposition spracht, die das für ihre „Zwecke nutzen“ wolle. Im Übrigen hat diese Gruppe keineswegs Angst, man verbittet sich einfache Psychologisierung. Es sind handfeste vereinsrechtliche Gründe vorhanden für diese Einwände.

Auch meine Darstellung ist natürlich metaphorisch schief mindestens in einem Punkt: ein Verein hat zwischen der Vollversammlung, die im wirklichen Leben nicht vorgesehen ist, oder angeblich nicht möglich erscheint, und der Vereinsgeschäftsführung, dem Vorstand, kein weiteres repräsentatives Gremium mehr, das opportunistisch stets dem Willen der Geschäftsführung folgt. Ich möchte nun einmal den Verein sehen, der sich es gefallen lässt, wenn der Vorstand ständig eine Geschäftsführung ohne Auftrag und ohne satzungsgemäße Deckung betreibt. (Dr. Hans-Ulrich Hauschild/Gießen)


                
      

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