Beitrag ausdrucken Beitrag ausdrucken

Ohne weitere Worte (vom 12. September)

Es fängt alles in den späten Siebzigern an, in Hallstadt, 8000 Einwohner, oberfränkischer Landkreis Bamberg. (…) In den Bundesligastadien dominieren damals die starken Männer. Vokuhila, Schnurrbart, Bier. (…) Frauen kann man in den meisten Kurven an einer Hand abzählen. Dafür sind sie Teil von Fangesängen (»Eine kleine Nymphomanin…«) oder prangen auf Kuttenaufnähern, in Form von atombusigen Vergewaltigungsphantasien. (Andreas Bock im Fußball-Magazin 11Freunde über das Debüt einer Schiedsrichterin in der Bundesliga)
*
Bibi besser als die Kerle. (Bild online zum Bundesliga-Debüt von Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus)
*
Nach einem Spiel urteilt der »Kicker«: »Vor Aufregung hielt sie die Fahnenstange in der Hand, als müsste sie eine Kartoffel zermanschen. (Bock/11Freunde über Schiedsrichterin Gertrud Gebhard, als Linienrichterin erste Frau in der Bundesliga – 22 Jahre vor Steinhaus)
*
Im Stadion rufen die Fans derweil, dass Gertrud Gebhard zurück an den Kochtopf gehen oder sich wenigstens ausziehen solle. (Bock/11Freunde)
*
»Ich hätte nichts dagegen, wenn es in der Liga mehr Frauen als Schiedsrichter gäbe.« (Vedad Ibisevic von Herthas BSC nach dem Steinhaus-Spiel)
*
Sind Verträge mittlerweile wertlos? – »Man sollte aufhören, den Profifußball mit solchen Emotionen zu überlagern. Loyalität ist zwar ein schönes Wort (…) und im Privatleben auch ein wichtiger Wert. Im Spitzensport zählen aber andere Parameter: Erfolg und Geld.« (Robert Lewandowski im Spiegel-Interview)
*
Beim FC Bayern erklären sowohl Hoeneß als auch Rummenigge, den »Ablöse-Irrsinn« nicht mitmachen zu wollen. Was sie stattdessen planen, haben sie (abgesehen von der Eröffnung eines Jugend-Leistungszentrums) noch nicht konkret gesagt. (…) Die wahren Bayern-Probleme könnten möglicherweise erst in zwei, drei Jahren zutage treten, denn die langfristige Perspektive des Rekord-Meisters ist vor allem auf internationaler Ebene längst nicht nur rosig. (»Nachgehakt« von Alfred Draxler in der Bild-Zeitung)
*
Während der ein oder andere Fußballstar die Millionen für Autos, Villen und Frauen ausgibt, investiert Lahm seit zwei Jahren in Müsli, Massageöle, eine Lotterie und mischt in der Start-up-Branche mit. (Bettina Weiguny in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung über die zweite Karriere des Philipp Lahm)
*
Besonders froh ist er, dass er den Sommer über nicht Joggen gehen musste. »Joggen ist eine Qual für mich. Solange ich mein Gewicht halte, fange ich das nicht an.« (Weiguny/Lahm)
*
Sie waren Sparringpartner, Boxringrichter, Kommentator für Boxkämpfe. Woher diese Faszination? – »Ich bin auch Schachspieler. Das amerikanische Schachgenie Bobby Fischer wurde mal nach dem Sinn des Schachspiels gefragt. To destroy an man’s ego, antwortete der.« (Kabarettist Werner Schneyder im taz-Interview)
*
Alle beklagen sich über den Narzissten Trump, aber unsere Straße hängt voller Plakate, auf denen der FDP-Chef Lindner Werbung für sich selbst macht. (…) Alle machen sich über Trumps Frisur lustig, aber niemand erinnert sich, dass Lindner seine Haare gekauft hat. (Alexander Osang im Spiegel)
*
Auch früher schon entfesselte Guttenberg bei seinem Publikum (…) Enthusiasmus. So wie Uli Hoeneß oder Boris Becker scheint er zu einer ganz besonderen Spezies zu zählen, den Unzerstörbaren: Sündenfall hin oder her, das Publikum will ihn einfach gut finden. (Matthias Geis/Tina Hildebrandt in der Zeit)
*
»Ich saß mal in einer Fernsehdiskussion mit zwei Abgesandten des Islam – übrigens immer die gleichen Leute: geschult, sympathisch, gut aussehend, gebildet, sehr ruhig und gelassen, aber unfassbar verlogen.« (Schneyder/taz)
*
»Wenn man geliebt werden will, soll man keine Kolumnen schreiben.« (Michael Herl, Kolumnist der Frankfurter Rundschau, im Interview der Frankfurter Rundschau) (gw)
*
(www.anstoss-gw.de   gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle