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Ohne weitere Worte (vom 5. September)

»Wäre, wäre, Fahrradkette, so ungefähr, wie auch immer.« Ja, so ungefähr. Lieber Lothar Matthäus: Der Spruch bezog seine Wirkung doch daraus, dass er sich reimte. Richtig also hätte es heißen müssen: Wäre, wäre, Stachelbeere. Oder wie auch immer. (»Herzblatt-Geschichten« von Jörg Thomann in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung)
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Nie war so viel Geld im Fußball, aber nie war das Geld im Fußball so wenig wert. Das Spiel befindet sich in seiner privaten Inflation, und wenn ein Fußballer bei seinem Verkauf doppelt so viel kostet wie bei seinem Einkauf, obwohl er doch nur die Hälfte der kalkulierten Leistung erbracht hat, scheint die Hyperinflation nicht mehr fern zu sein. (Philipp Selldorf in der Süddeutschen Zeitung)
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»Geld hat überhaupt keine Rolle gespielt.« / »Ich will hier Titel gewinnen.« / »Die Entscheidung ist mir nicht leichtgefallen.« / »Ich werde die Stadt und die Fans vermissen.« / »Ein Stück von mir wird immer hierbleiben.« (aus »Sätze für die Ewigkeit. Heute: Fußballer wechselt Verein« im Stern)
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Bild zumindest fragt schon wieder, ob Guttenberg zum Kanzler tauge. Wir sind uns da nicht sicher, haben aber die Worte von Lothar Matthäus im Ohr: Unverhofft kommt häufig. (Thomann/FAS)
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Ich habe als Kind schon früh die Zeitung gelesen, zunächst nur den Sportteil. Der war damals für mich als Sieben-, Achtjähriger am einfachsten zu verstehen. (Innenminister Thomas de Maizière in einem Gastbeitrag für die FAS)
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»Ich sehe zum Beispiel Siegerehrungen sehr gerne im Fernsehen.« – Warum? – »Weil mir dann immer die Tränen kommen. Und dann ist es scheißegal, ob der Wimpel von Argentinien oder von Südkorea hochgezogen wird, wenn ich sehe, der steht da jetzt als Zehnkämpfer, und seine Mama wird zu Hause weinen, und ich weine auch, und dann kommt noch eine Hymne. (…) Eines ist jedenfalls im Sport klar: Es zählt die Leistung.« (Schauspieler Klaus Maria Brandauer im SZ-Interview)
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Fiebern Sie auch richtig mit, wenn Deutschland spielt? – »Ja, natürlich. (…) Mir geht es aber nie ums Nationale, es geht um die Spieler, mit denen ich mich identifizieren kann. Der Thomas Müller zum Beispiel hat ja auch abseits des Spielfelds fast eine valentineske Qualität, das gefällt mir sehr.« (Schriftsteller Uwe Timm im SZ-Interview)
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Wenn ich auf die Bahn gehe und losrenne, kann ich alles um mich herum ausblenden und meinen Kopf ausschalten. Ich bin dann nur in diesem einen Moment und genieße die Bewegung, frei von allem Ballast, ganz bei mir. Es ist ein ganz besonderer, traumähnlicher Bewusstseinszustand. (Sprinterin Gina Lückenkemper in der Zeit-Serie »Ich habe einen Traum«)
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Und ich glaube sogar, dass wir uns erst am Anfang einer Ekelspirale befinden. (…) Bald werden Youtube-Teenie-Stars wie Bibi und Dagi Bee live aus den Kriegsgebieten berichten, immer gleich mit den richtigen Produktempfehlungen. Geflüchtete werden von Youtube-Teams an der italienischen Küste empfangen werden und vor der Kamera Stylingtipps bekommen. Für so was gäbe es 20 Millionen Klicks.« (der Rapper Benjamin Griffey alias »Casper« im SZ-Interview)
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Auf dem Nato-Gipfel schob Donald Trump den montegrinischen Premierminister beiseite, um in der ersten Reihe triumphierend das Kinn zu recken – eine Geste, wie sie selbst einem Gorilla zu blöd gewesen wäre. (Axel Hacke in der Zeit in einem Essay über Anstand)
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Ein reinrassiger Mischlingshund. (aus dem Göppinger Tageblatt, gelesen im Spiegel-»Hohlspiegel«)
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Reinrassije Strooßekööter (neue CD von Wolfgang Niedecken)
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Doch wie sagte schon der Seefahrtsexperte Lothar Matthäus: »Keine Panik auf der Gorch Fock.« (Thomann/FAS) (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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