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Montagsthemen (vom 4. September)

Zwischen den Länderspielen erobern, sorry, rechtsidiotische Drecksäcke die Schlagzeilen. Gestern in der FAS gelesen: »Es gärt etwas in Teilen des Publikums, selbst wenn das, aufs große Ganze gesehen, ein ziemlich kleiner Teil sein mag. Und der Fußball tut sich schwer, damit den richtigen Umgang zu finden.« Ja. Aber das ist nur pars pro toto. Man ersetze Publikum durch Volk und Fußball durch Politik, schon hat man das große Ganze.
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Verachtung allein genügt nicht. Moralische Verurteilung ist gut, strafrechtliche besser. Gilt natürlich auch für linksidiotische Drecksäcke. Und für rechtbrechende Drecksäcke überhaupt.
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So. Damit zum Fußball. Mats Hummels entwickelt sich immer mehr zum wahren Spielführer auf und neben dem Rasen. Klasse gespielt, prima gesprochen. Neben ihm konnte sich niemand profilieren, auch und vor allem die Confed-Cup-Heldchen nicht. Dieser Turniersieg wurde eh überschätzt, am meisten von Löw. Der Bundestrainer ärgert sich über die Leistung von Prag, aber er hätte sich selbst kritisieren sollen, denn die Mannschaft spielte so, wie sie aufgestellt war. Bemüht, aber ungenial.
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Zwischendurch mal was ganz anderes. Sommerhits. In der Süddeutschen Zeitung lese ich, »Despacito« sei der größte Sommerhit aller Zeiten. Despacito? Nie gehört. Egal. Gestolpert bin ich über die Behauptung: »›Summer in the City‹ von Mungo Jerry« erinnere »an Nächte auf der Spanischen Treppe«. Wie bitte? »Summer in the City« von Mungo Jerry? Da hat der SZ-Kollege aber in der falschen Erinnerungskiste gekramt. »Summer in the City«, einer meiner Lieblingssongs, hat einen magischen Sound und wird von Lovin’ Spoonful gesungen, von Mungo Jerry dagegen stammt der lästig unangenehm gedudelte Ohrwurm »In the Summertime«. Bei den wirklich wichtigen Dingen kann ich mich auf meine Erinnerung verlassen!
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Und die Spanische Treppe erinnert mich an die WM 1990 und das damals geschriebene »Italienische Tagebuch«. Rückblende: Eine Stufe tiefer hat sich ein Spanier niedergelassen und spielt Flamenco-Rhythmen. Unsere traute Zweisamkeit wird von zwei kleinen Italienern und einem Japaner gestört, die sich links und rechts neben den Spanier setzen. Sie reden über Fußball. Musikbanausen! Sie rattern Namen herunter, zu mehr reichen die gegenseitigen Sprachkenntnisse nicht. »Gullit, mhhm. Baresi sisi. Maradona!« Der Zuhörer fühlt mit dem Spanier, als dieser scheinbar entrüstet die Gitarre zur Seite legt und verstummt. Doch der Spanier ist weder entrüstet noch Spanier, sondern entpuppt sich als echt italienischer Tifoso, der jetzt seine Namen ins Gespräch bringt: Donadoni! Zenga! Buggno! Leicht indigniert verlässt der enttäuschte Zuhörer diese Namedropping-Runde der Fußball-Experten. Nicht einen deutschen Spieler haben sie genannt, die »Experten«. Ihr werdet euch noch wundern!
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Quod erat demonstrandum. Unprätentiös Gebildete würden sagen: Was zu beweisen war (sie mögen bitte auch »pars pro toto« entschuldigen; Brecht entlarvt solche Lateinisierungen als hochgestapelte Mittelmäßigkeit). Nun aber zu meiner Sportmeldung des Wochenendes, einem echten Montagsthema im Sinne des Erfinders: Ein italienischer Tennisprofi wurde disqualifiziert, weil er den Schiedsrichter als »hässliches Eichhörnchen« beschimpft hatte. Beinahe hätte ich nun, aber Brecht warnt mich ja davor, ein hässliches Eichhörnchen als »contradictio in adjecto« bezeichnet, aber lieber sage ich: ein rundes Quadrat. Denn ich habe noch nie ein hässliches Eichhörnchen gesehen.
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Vorgestern aber ein rabenschwarzes. Die braunen kennen wir ja, die robusten Einwanderer, die unsere roten verdrängen. Moment mal, da fallen mir Ahörnchen und Behörnchen ein, die beiden Putzigen aus Entenhausen in den USA. Waren die nicht rot, die Nüssleinsammler aus Donalds Vorgarten? Dass ich das nicht mehr weiß! Eine Schande. Aber noch einmal zum rabenschwarzen Eichhörnchen: Es lief über die Straße, vom Flüchtlingscontainer in einen deutschen Vorgarten. Wirklich! Was das nun wieder zu bedeuten hat?
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Damit diese Kolumne doch noch einen praktischen Nährwert hat, möchte ich mit einer Lebensberatung schließen, für die ich meine Hand ins rote Feuer lege. Sie hilft aber nur wenig mehr als einem Prozent der Weltbevölkerung – den Rothaarigen. Rund 3000 von ihnen trafen sich an diesem Wochenende in Breda, die meisten tauschten leidvolle Erfahrungen der Diskriminierung aus. Stichwort: »Rotfuchs, dein Vater hat Rost im Colt.« Mein lebenserfahrener Trost: Wenn die Dunkelhaarigen grau werden, werden wir blond. Nur Geduld! (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle