Archiv für September 2017

Sport-Stammtisch (vom 30. September)

Als Bosz den BVB mit Hurrafußball ins Verderben schickte, dachte jeder: Seppuku!
Als ich die Aufstellung der Bayern las, dachte ich Carlopuku!
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Mein alter Freund Brockhaus (Jahrgang 1958) klärt auf. »Harakiri, Seppuku (»Bauchaufschneiden«), das, eine nur noch selten vorkommende Art des Selbstmordes in Japan. Das H. wurde als eine dem Ritterstande vorbehaltene Strafe (als Ausweg aus einer Ehrensache) von der Regierung befohlen. Nachdem sich der Verurteilte mit einem Schnitt von links nach rechts den Bauch geöffnet hatte, schlug ihm gewöhnlich ein Freund den Kopf ab. Das H. sicherte eine ehrenvolle Bestattung.«
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Harakiri ist das umgangssprachliche japanische Synonym von Seppuku. Dessen sportsprachliche Entsprechung heißt fortan Carlopuku. Das ist eine dem Trainerstande vorbehaltene Strafe (als Ausweg aus einem ehrlosen 0:3) und wird von der Vereinsregierung befohlen. Nachdem sich der Verurteilte mit Schnitten der Klingen Neymar, Cavani und Mbappe von links nach rechts und rechts nach links den freiwillig entblößten Bauch der Innenverteidigung geöffnet hatte, schlug ihm Freund Rummenigge (»Carlo bleibt mein Freund, aber …«) den Kopf ab. Das Carlopuku sichert eine ehrenvolle Bestattung. In China? Dort warten Fantastillionen als Grabbeigabe.
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Direkt vor und nach dem Harakiri kennt Freund Brocki »Hara« und »Harald«, also die Gründe für das deutsche Desaster im Europapokal. »Hara (Sanskrit Zerstörer), Beiname des indischen Gottes Schiwa« hatte leichtes Spiel beim Zerstören, denn den deutschen Haralds fehlte einer wie ihr altnordischer Namensgeber, der »große Held und Heerführer Harald Kampfzahn«. Und also zog Hara der Bundesliga die Kampfzähnchen, ihren beiden Leitwölfen und vier Underdogs gleichermaßen.
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Kann man sich mit bildhaften Vergleichen von Wölfen und Underdogs vergaloppieren (was Caniden sowieso nicht tun)? Yes, i can. Mit »Underdogs aus Wolfsburg oder Wölfen aus Underdogsburg«. Dazu Prof Petra Ina Pfefferle (Langgöns, aber aus Braunschweig stammend): »Ihre montägliche Kolumne gehört eigentlich zu meinen morgendlichen Eustressoren. Heute morgen hat Ihre Kolumne bei mir zum ersten Mal so richtig Distress ausgelöst. Dass was ich da über die Stadt Wolfsburg lesen musste, ist schlicht und einfach verunglimpfend. Wer selbst in der Provinz lebt, sollte nicht mit Flachworten werfen. Wir sollten uns doch nicht auf das Niveau der Gauländischen Dumpfbacken begeben und nun schon innerdeutsch mit Ressentiments kommen. Bleiben Sie lieber weiterhin espiègle wie der bekannteste Sohn meines Heimatortes – Till Ulenspeygel!« – Autsch! Geschieht mir recht.
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Stichwort Gauländische Dumpfbacken. Nun will man die Störenfriede im behaglich eingerichteten parteipolitischen Heim einfach irgendwie wegzaubern, zum Beispiel im Sportausschuss des Bundestags, in dem die Zwölf-Prozent-Sieger nach dem Willen der Vorsitzenden von einer großen Koalition der Unwilligen ausgegrenzt werden sollen. Die SPD-Frau sollte lieber sich selbst als Vorbild nehmen: Sie hat ihren Wahlkreis direkt gewonnen. Hätten dies genügend viele andere getan, müssten sie jetzt nicht im Brechtschen Sinne das Volk auflösen wollen, weil es ihr Vertrauen verscherzt hat.
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Zurück zum Fußball. Der verscherzt das Vertrauen des Fanvolkes mit Mauschelei und Betrug in höchsten Kreisen und mit seinem aberwitzigen Geldkreisheißlauf. Ausgerechnet der Präsident der spanischen Liga kritisiert nun die Fatastillionen aus Katar, die »dem Fußball schaden. Das ist finanzielles Doping.« Stimmt. Klar. Aber in diesem Sinne dopen sie alle. Getreu der klammheimlichen Übereinkunft: Jeder dopt, so viel er kann und darf. Katar kann und darf am meisten. 200 Millionen für Neymar, 180 für einen 18-Jährigen, dazu das ganze Drumherum und Dummherum, da musst du ja gaga werden als junger Fußballer.
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»Mussdujagaga« – klingt wie ein Lärminstrument in südafrikanischen Stadien. Nee, das heißt ja Vuvuzela. Solche Dinger mit ethnologischem Alleinstellungsmerkmal werden gerne bei Olympia entdeckt. 2000   in Australien waren es die … Dildudeljös? … Dildoridoos? … jetzt hab ich’s: Didgeridoos. Die kamen aktuell  zu neuen Ehren, nämlich zum Ig.Nobelpreis (von ignobel = unwürdig). Den  bekam ein Mediziner der Uni Zürich für die epochale Entdeckung, dass Didgeridoodeln gegen Schnarchen hilft. Meine Begleitforschung dazu: Man kann auch eine Tröte nehmen. Wer bläst, schnarcht nicht. Nachteil: Er schläft auch nicht. Auch die Nachbarschaft nicht
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Zu meinen liebsten Ig.Nobelpreisen früherer Jahre gehörten jene für die Forschungsarbeiten, dass Coca-Cola bei intravaginaler Einnahme ein perfektes Verhütungsmittel ist, und dass sich Heringe bei Gefahr durch unterschiedlich langes und lautes Furzen verständigen.
Ich hoffe sehr, dass ich mit dieser Kolumne keinen Unwürdigkeitspreis gewinne, aber vor allem, dass sie ein Eustresser war und keinen Distress auslöst. (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Veröffentlicht von gw am 29. September 2017 .
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Prof. Petra Ina Pfefferle: Verunglimpfend

Ihre Montagskolumne gehört eigentlich zu meinen morgendlichen Eustressoren, denn Lachen ist ja bekanntlich gesund, besonders dann, wenn dabei der Denkkasten vorher nochmals richtig arbeiten muss. Heute morgen hat Ihre Kolumne bei mir zum ersten Mal so richtig Distress ausgelöst. Dass was ich da über die Stadt Wolfsburg aus Ihrer Feder – zwar in Klammern aber dennoch schwarz auf weiß – lesen musste, ist schlicht und einfach verunglimpfend. Und….burg! Selbst als bekennender Fan der Eintracht, nein, nicht der Frankfurter, natürlich der Braunschweiger, kann ich über solch einen Ausdruck nur den Kopf schütteln. Waren Sie schon einmal in Wolfsburg? Die Stadt hat mit 50 000 Facharbeitern sicherlich einen höheren Ausbildungsstand als Gießen, denn hier will der größte Bevölkerungsanteil erst mal eine Ausbildung abschließen. Trotz aller Konzernspitzen-gemachter Fehler der Wolfsburger Herzkammer sind die Menschen , die dort arbeiten und leben, beileibe keine Underdogs. Im Vergleich zu Mittelhessen ist die Braunschweiger Region wirtschaftlich gewichtiger als das Gießener Land. Und wer selbst in der Provinz lebt sollte nicht mit Flachworten werfen. Schätzt Euch glücklich, liebe Hessen, dass es viele der sturmfesten Niedersachsen aus dem Braunschweiger Land in Eure Region als Richter, Professoren und IT-Spezialisten verschlagen hat und im Gegenzug, viele Hessen Ihr Auskommen am Golf verdienen, egal ob dieser nun Diesel oder Benzin verheizt. Wir sollten uns doch nicht auf das Niveau der Gauländischen Dumpfbacken begeben und nun schon innerdeutsch mit Ressentiments kommen. Bleiben Sie lieber weiterhin espiègle wie der bekannste Sohn meines Heimatortes – Till Ulenspeygel! (Petra Ina Pfefferle/Langgöns)

Veröffentlicht von gw am 25. September 2017 .
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Dienstag, 25. September, 9.40 Uhr

Beim (Ab-)Schreiben der “Ohne weitere Worte”-Kolumne (schon online, siehe Link rechts) kam das Wort “Schiedsrichter” besonders oft vor, was mich immer irritiert, denn das Rechtschreibprogramm unterkringelt den “Schiedsrichter” seit Jahren unverdrossen rot als Schreibfehler. Dummer Automat.

Das sind so meine Sorgen.  Die Welt hat heute  andere, vor allem die deutsche Welt. Aber was ist eigentlich passiert? Die Prozentverteilung liegt noch im natürlichen Normbereich (siehe Blog von gestern) von ca. 10 jeweils links und rechts und 80 in der Mitte. Zuvor waren die Prozente der Rechten unnatürlich, das heißt, sie grummelten in anderen Parteien herum oder gingen gar nicht erst zur Wahl (siehe dazu auch Spiegel-Fleischhauer in “Ohne weitere Worte”). Überhaupt scheinen die Befürworter einer hohen Wahlbeteiligung von den Geistern, die sie riefen, irritierter zu sein als ich von den rot unterkringelten Schiedsrichtern. Mensch, Leute, das war doch klar! Mich wundert nur ein wenig, dass rechts nicht noch mehr Prozente aufschwollen, nach diesem historischen Fehler der Chefin und seinen Folgen. Das richtig dicke Ende kommt erst.

Ohrfeige in der Mailbox wg. “Underdogsburg”. Geschieht mir recht. Nur wegen eines schwachen Gags heimattreue Wolfsburger zu verärgern, ist auch ziemlich blöd von mir. Als Wolfsburger hätte ich noch deutlich unwirscher reagiert. Die Schreiberin gab mir sogar noch ein bisschen Zuckerbrot, und die Peitsche schwang sie nur human. Danke.

Veröffentlicht von gw am 25. September 2017 .
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Ohne weitere Worte (vom 26. September)

»Ich freue mich auf die Bezirksliga. Sonst pfeife ich Kreisliga, da spielen ja oft Leute, die keinen Fußball mehr spielen sollten. Manche sind noch betrunken vom Vorabend und trinken direkt weiter. Aber ich pfeife alles.« (Alexander Tiemann, Schiedsrichter, in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung)
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Die wichtigste Szene der Woche hat der Video-Schiri natürlich nicht gesehen. Weil PSG-Stürmer Edinson Cavani seinem neuen Teamkollegen Neymar vor einem Elfer den Ball wegnahm, griff der teuerste Fußballer aller Zeiten zur wohl schlimmsten Strafe, die man gegen einen Profi-Fußballer verhängen kann: Er entfolgte Cavani bei Instagram. Ob sich der Uru davon jemals erholt? (Kai Feldhaus in Bild)
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Seit die Bundesliga im Kampf gegen die Ungerechtigkeit den Videobeweis eingeführt hat, brauchte es nur fünf Spieltage, um festzustellen, dass einer der Kernsätze des großen Fußball-Gesellschaftsvertrags außer Kraft gesetzt wurde: Die Wahrheit ist nicht mehr auf dem Platz. (Lothar Gorris im Spiegel)
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»Eine weitere Herausforderung ist es zu vermitteln, dass der Eingriff des Video-Assistenten nur dann erfolgt, wenn er der Überzeugung ist, dass der Schiedsrichter klar falsch gelegen hat. (…) Aber was ist ein klarer Fehler? Das muss von uns noch deutlicher herausgearbeitet werden.« (Schiedsrichter-Chef Lutz Michael Fröhlich im Interview der Frankfurter Allg.  Zeitung)
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Der Videobeweis sollte die Schiedsrichter schützen. Nun hat er sie aus dem Tritt gebracht. (…) Auf all diese Störungen im Betriebsablauf war die Bundesliga offenbar vorbereitet wie die Bahn auf den jährlichen Wintereinbruch. Erst versagte die Technik, dann funktionierte die Kommunikation zwischen den Instanzen nicht, jetzt scheinen die Kompetenzen nicht abgegrenzt zu sein. Der Videobeweis braucht eine Pause. (Jörg Kramer in der Zeit)
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Wir trafen uns auch zweimal zum Tennis – für mich eine ungute Erinnerung, weil Schröder, der nach meiner Einschätzung der weitaus schlechtere Spieler war, gegen mich gewann; vor allem deswegen (…), weil er mich mit seinen gehässigen Bemerkungen über meinen Ballwurf beim Aufschlag aus dem Konzept brachte und einen selbstmörderischen Siegeswillen an den Tag legte. (Schriftsteller Peter Schneider in der FAZ »über meine Freundschaft mit Gerhard Schröder«)
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Gerhard Schröder (…) hat bekanntlich seit vielen Jahren ein Verhältnis mit dem russischen Demokraten Wladimir Putin. Der Mann aus dem Osten (…) finanziert den Lebensunterhalt (…) von Gerhard Schröder, der in Hannover in prekären Verhältnissen dahinvegetiert. (…) Jetzt hat sich allerdings herausgestellt,dass Schröder neben Putin noch eine andere Beziehung führt. (»Zippert zappt« in der Welt)
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Man stelle sich erst die Aufregung vor, hätte Schröder was mit einer Nordkoreanerin angefangen. Oder mit Melania Trump. (aus »Herzblatt-Geschichten« von Jörg Thomann in der FAS)
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Wie wird der gehörnte Putin reagieren? (Zippert/Welt)
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Wenn alle Leute ihre Stimmen abgeben würden, die dazu berechtigt sind, sähe es im Bundestag ziemlich anders aus. Ihren größten Erfolg erzielen sogenannte Protestparteien bei dem Teil der Wählerschaft, der normalerweise zu desinteressiert oder zu betrunken ist, um am Wahltag aus dem Bett zu finden. (…) Wer eine Million Fremde ins Land lässt, ohne Rücksicht auf die Leute zu nehmen, die das für falsch halten, züchtet eine Partei wie die AfD heran, das ist unausweichlich. (Jan Fleischhauer im Spiegel vor der Bundestagswahl)
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»Das ist eine Binsenweisheit: Wer mit den Jahren nicht konservativer wird, dem ist nicht zu helfen.« (der Maler Neo Rauch im Zeit-Interview) (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Veröffentlicht von gw am 25. September 2017 .
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Heiko Sichau: Alina Rehs Rekord

Letzten Sonntag bin ich in Ulm Marathon gelaufen.
Im Rahmen der Gesamtveranstaltung gab es auch einen Halbmarathon.
Über 4000 Männer und Frauen waren am Start. Die Siegerzeit: 1:11:20.
Gesamtsiegerin mit ca. 20 Sekunden Vorsprung Alina Reh aus Ulm.
20 Jahre jung. Damit hat sie einen neuen deutschen Rekord für Frauen in der U23 aufgestellt. Der alte Rekord ist älter als sie. (Heiko Sichau/Wettenberg)

P.S. Sie kam etwa 20 Sekunden vor dem schnellsten Mann ins Ziel!
Ich konnte in unserer Regionalpresse leider nichts darüber lesen.

Veröffentlicht von gw am 24. September 2017 .
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Baumhausbeichte - Novelle