Archiv für September 2017

Dienstag, 25. September, 9.40 Uhr

Beim (Ab-)Schreiben der „Ohne weitere Worte“-Kolumne (schon online, siehe Link rechts) kam das Wort „Schiedsrichter“ besonders oft vor, was mich immer irritiert, denn das Rechtschreibprogramm unterkringelt den „Schiedsrichter“ seit Jahren unverdrossen rot als Schreibfehler. Dummer Automat.

Das sind so meine Sorgen.  Die Welt hat heute  andere, vor allem die deutsche Welt. Aber was ist eigentlich passiert? Die Prozentverteilung liegt noch im natürlichen Normbereich (siehe Blog von gestern) von ca. 10 jeweils links und rechts und 80 in der Mitte. Zuvor waren die Prozente der Rechten unnatürlich, das heißt, sie grummelten in anderen Parteien herum oder gingen gar nicht erst zur Wahl (siehe dazu auch Spiegel-Fleischhauer in „Ohne weitere Worte“). Überhaupt scheinen die Befürworter einer hohen Wahlbeteiligung von den Geistern, die sie riefen, irritierter zu sein als ich von den rot unterkringelten Schiedsrichtern. Mensch, Leute, das war doch klar! Mich wundert nur ein wenig, dass rechts nicht noch mehr Prozente aufschwollen, nach diesem historischen Fehler der Chefin und seinen Folgen. Das richtig dicke Ende kommt erst.

Ohrfeige in der Mailbox wg. „Underdogsburg“. Geschieht mir recht. Nur wegen eines schwachen Gags heimattreue Wolfsburger zu verärgern, ist auch ziemlich blöd von mir. Als Wolfsburger hätte ich noch deutlich unwirscher reagiert. Die Schreiberin gab mir sogar noch ein bisschen Zuckerbrot, und die Peitsche schwang sie nur human. Danke.

Veröffentlicht von gw am 25. September 2017 .
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Sonntag, 24. September, 7.10 Uhr

Horror-Meldung der Nacht, Autofahrers Alptraum: Auf der Autobahn bei Rüsselsheim Stau, ein polnischer Kleinlasterfahrer will den Stau umfahren, wendet (!) und rast zurück. Drei Tote. Der Fahrer überlebt. Wie ist das eigentlich mit den selbstfahrenden Autos: Wenn das System ausgereift ist und auf die Straßen kommt,  gibt es dann keine Falschfahrer mehr? Oder zumindest keine, die aus Schusseligkeit in den Gegenverkehr geraten? Kriminelle Selbstmörder oder sonstige Wahnsinnige können wahrscheinlich den Automaten ausschalten. Da fällt mir der bekannte Theologe ein, der eine Ausfahrt verpasst hatte,  rückwärts zurückfuhr, von der Polizei erwischt wurde und keinerlei Unrechtsbewusstsein hatte. Wichtiger Termin in Sachen Gott, wichtiger Mann unterwegs, da könne der Wichtige auch mal die STVO ändern: Wie ich fahre, ist richtig. Es war aber nicht der Theologe, der nach einem EM-Spiel behauptet hatte, selbst Pferde träten keinen, der am Boden liegt, nur Kroaten. Der war von der anderen Fakultät.

Wahltag. Wahrscheinlich, nein, mit Sicherheit wird es ein Ergebnis geben, das die politischen Verhältnisse in unserem Land und in jeder funktionierenden Demokratie wieder so abbildet, wie es immer ist, war und sein wird: Zehn Prozent Linke, zehn Prozent Rechte, 80 Prozent große Mitte (jeweils plus/minus wenige Prozentpunkte). Aus dieser großen Mitte werden Regierung und Oppositionsführung kommen. Unnatürlich war es, als Linke und Rechte noch Splittergruppen waren, das hatte die wahren Verhältnisse nie gespiegelt. Dass diesmal die Rechten besser abzuschneiden scheinen, liegt nicht an ihnen, sondern an der Mitte, deren Parteien zunehmend austauschbarer geworden sind. Jeder ihrer Spitzenkandidaten wäre auch in jeder anderen ihrer Parteien denkbar und würde dort seinen Platz finden.

Ach, was stammtischlere ich mir da zurecht? Lass es lieber, verpennter Frühmorgensblogger. Denk an die Montagsthemen. Was steht auf dem Zettel, gestern abend hingekritzelt? Bayern-Karussell rotiert schneller als auf der Wiesn – 1. wirklich wichtige Spiel der Saison (PSG) / BVB-Defensive dennoch wacklig – 1. wirklich wichtige Spiel der Saison (verloren/Tottenham) / Video: extra schlecht umgesetzt, damit nach dem Test gesagt werden kann: weg damit? / Video: Spiegel-Vorschlag wie mein uralter; Rückblende: hat schon mal bei mir abgeschrieben / schönes Müller-Zitat, in der ARD gehört: „Die Menschen wollen immer alles erklärt haben, dann ist es leichter zu verstehen.“

Vor KKKK noch ein Wort zu WBI: Scheint diesmal so zu laufen, wie ich es mir vorstelle. Sehr selektiv. Aber jetzt, bin ja spät dran: Kaffee, Kuchen, Knicks und Kuss.

 

 

Veröffentlicht von gw am 24. September 2017 .
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Sonntag, 17. September, 6.40 Uhr

Schock in der Morgenstunde. Ich will die FAS aus dem Briefkasten holen, da sehe ich im Dunkeln (oder im Dunklen?) einen großen weißen Fleck mitten auf der Straße. Unsere kleine, zarte weiße Katze? Überfahren in der Nacht? Sie muss schon einmal überfahren worden sein, war tagelang verschwunden und kehrte mit verschorften Wunden und verformtem Köpfchen zurück, seitdem gibt sie beim Essen und Trinken gräuliche Geräusche von sich. Aber Entwarnung: Es ist ein weißes Kleidungsstück. Hat wohl ein Kneipenbesucher verloren, der oben auf der Burg zu heftig  gefeiert hat.

Christian Gentner hat es nicht ganz so schwer erwischt wie damals die Katze, aber schwer genug. Diverse Brüche am Kopf. Kruse bricht sich das Schlüsselbein. Keuta tritt Kramer gegen den Kopf, ein Bremer trifft den eigenen Spieler am Kopf und gleichzeitig das eigene Tor. Verletzungen, Brüche, Blut – das schreit nach den Merseburger Zaubersprüchen. Ben zi bena usw., muss ich nachher aus dem Archiv klauben, „schönes“ Thema für die nachher zu schreibende Kolumne.

In den Meldungen der Nacht lese ich, dass sich Hamas  und Fatha einigen wollen. Fatha ist die ältere palästinensische Gruppe, ich kenne sie seit … ha, ich schaue mal nach, im „Sport-Leben“ (Link rechts), denn ich erinnere mich, mein Kennenlernen der Fatah dort beschrieben zu haben. Moment … voila, hier ist es:

Im Studentenhochhaus wohne ich in einem Zimmer mit Abdullah, einem Jordanier, der mir stolz zu verstehen gibt, daß er Al-Fatah-Mitglied ist. Ich interessiere mich im Sommer 1970 nicht für den israelisch-arabischen Konflikt und weiß kaum etwas über Al Fatah. Abdullah will mich über den Kampf seines Volkes aufklären, doch da er dies regelmäßig erst ab drei Uhr morgens tut, stößt er auf wenig Gegenliebe. Abdullah stellt mittags den Wecker, schläft bis in die Nacht und reißt sich und mich um Punkt drei aus dem Schlaf. Er schaltet das Licht ein, öffnet das Fenster, setzt sich an seinen Schreibtisch und sucht in seinem Weltempfänger den Al-Fatah-Sender. In Minutenschnelle ist die Zimmerdecke schwarz von Fliegen und Faltern. Ich grunze Abdullah grimmig an, wenn er seinen Al-Fatah-Vortrag halten will, drehe mich auf die andere Seite und gleite, von aufgeregten arabischen Stimmen und orientalischer Musik sowie Knarz-, Piep- und sonstigen Kurzwellen-Störungen geleitet, zurück in den unsanft unterbrochenen Schlaf. Ich mache im Dienste der Völkerverständigung zunächst gute Miene zum nächtlichen Spiel, doch als ich erstmals Stagnation auf der Waage feststelle, ist meine Toleranzgrenze überschritten. Schlafmangel zehrt am Gewicht und damit an der Leistung, Schluß mit Völkerverständigung. Als in der nächsten Nacht der Wecker rappelt, schreie ich Abdullah wütend an: »Noch einmal, und ich schmeiße ihn aus dem Fenster!« Abdullah reagiert nicht, fummelt am Radio. Ich schlafe ein. Plötzlich kniet Abdullah auf meinem Bett, rüttelt mich, brüllt mir begeistert ins Ohr: »Hör zu, das ist beste jordanische Sängerin.« Aus Nahost schallt eine klagende Stimme an mein Ohr, angereichert mit dissonantem Wellensalat. Unwillig schüttele ich den Schlager-Fan ab, das Leichtgewicht Abdullah kullert auf den Boden. Ich schlummere endlich wieder ein. Plötzlich tobt der Wecker erneut los. Ich springe auf, schnappe ihn mir und werfe ihn im hohen Bogen aus dem neunten Stock. Abdullah schaut entgeistert zu, funkelt mich furchtsam-böse an und stürzt zur Tür hinaus. Am nächsten Morgen ist Abdullah verschwunden. Er kommt nicht wieder, jedenfalls nicht, wenn ich im Zimmer bin. Manchmal treffe ich ihn noch im Flur, Abdullah scheint bei einem Landsmann Asyl gefunden zu haben. Ich kann wieder schlafen, nehme zu und bleibe guten Mutes.

Das „Sport-Leben“ war auch die Grundlage für den Artikel der Zeit-Autorin Anna Kemper im „Zeitmagazin Mann“. Das mit Tuchel auf dem Titel. In meinem gebeamten Text vermisse ich eine andere Erinnerung an Abdullah: Nach dem Attentat in München 1972 glaubte ich auf den Fernsehbildern ihn unter den Attentätern zu entdecken. Vermutlich aber eine Fata Morgana. Eine Fatah Morgana.

Na ja, die heutigen Abdullahs sind leider nicht so leicht zu beeindrucken wie meiner von mir.

Für die Montagsthemen habe ich schon einige Stichworte auf dem Zettel. Jetzt kommen die Merseburger Zaubersprüche hinzu. Außerdem Kovac, Ullrichs 1,8 Promille, Rad-WM und neue EPO-Studie, Lewandowskis Kernaussage im Spiegel-Interview usw., aber alles bringe ich sowieso nicht unter, zumal ich mich jetzt weiter inspirieren lasse – von FAS, Samstags-SZ und KKKK. Bis dann.

Veröffentlicht von gw am 17. September 2017 .
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Dienstag, 12. Februar, 9.25 Uhr

Schon während des Schreibens am Blog hatte ich gestern ein unbestimmtes Deja-vu-Gefühl. Als ich jetzt zurückscrollte, um für die gleich zu schreibende „Mein progressiver Alttag“-Kolumne einen kleinen Text-Baustein zu suchen, stieß ich auf einen fast identischen Deutschlandverein-Text. Das Thema scheint mich einerseits zu beschäftigen, andererseits aber nicht so, dass ich es nicht vergessen könnte. Als alter Leistungssportler machte ich sofort den Leistungsvergleich – und der alte Text ist der schreiberisch bessere. Ich kille den neuen aber nicht. Auch die unfreiwillige Wiederholung gehört zur Authentizität. Geschrieben ist geschrieben.

Sporadische Vergesslichkeit gehört zu den unerheblicheren Begleiterscheinungen des Alterns. Solange sie nicht erste Anzeichen von Demenz sind. An und für sich beschäftige ich mich mit dem Altern nur wenig, da zum Glück noch nicht leidgeprüft. Außerdem habe ich noch zu viel zu tun bzw. zu schreiben. Zum Beispiel den Text für das Gießener Seniorenjournal. Aber da muss ich mich nun mal mit meinem progressiven Alttag befassen, und daher beschäftige ich mich momentan doch mit dem Altern. Womit mir eine unserer beiden Katzen soeben in den Schwanz beißt.

Jetzt aber raus aus dem Blog und rein in den progressiven Alttag. Die Chefin sagt, ich müsse ihr den Text schon morgen abliefern. Das Journal erscheint am übernächsten Samstag, am Tag vor der Wahl. Den Einstieg habe ich daher schon: „Bei der Wahl der Qual haben wir die Qual der Wahl. In unserem progressiven Alttag aber nicht. Da gibt es keine Alternative. Die einzig mögliche haben wir längst verpasst. Only the good die Young … „

Veröffentlicht von gw am 12. September 2017 .
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Montag, 11. September, 10.25 Uhr

Ich bin halt doch ein echter Demokrat. Noch mal den Wahlomat angeklickt und ernsthaft alle Fragen beantwortet. Sechs Parteien ausgewählt. Übereinstimmungen: keine mehr als 60, keine unter 40 Prozent. Was wählt man da?

Ich glaube, die tonangebenden Politiker und Medien irren sich, wenn sie annehmen, die an der Oberfläche abebbende Flüchtlingsdiskussion werde nicht entscheidend in die Wahlschale (huch, Wortwitz) fallen. Versuch der unemotionalen Annäherung eines national Ungesinnten an das wahre Problem: Die Mitglieder des Vereins A haben sich, durch Glück, Können und Fleiß, eine interne Infrastruktur geschaffen, von der andere Vereine nur träumen können (und träumen). Ich bin Mitglied des Vereins, seit Geburt, also durch unverdientes Glück. Darüber bin ich froh. Viele Mitglieder anderer Vereine wollen in den Verein A wechseln, um an dessen Vergünstigungen teilzuhaben. Die einen, weil ihr Vereinsheim abgebrannt ist, die anderen einfach so. Klar ist: Der überalterte Verein A, dessen Senioren die Vergünstigungen erarbeitet haben und nun genießen wollen, benötigt neue Mitglieder, die anpacken wie früher die Alten. Die sollte man natürlich aufnehmen, im Rahmen der Kapazitäten des Vereins. Auch den Mitgliedern der Vereine, deren Vereinsheim abgebrannt ist, sollte vorübergehend Hilfe angeboten werden. Aber was tun mit denen, die „einfach so“ kommen und unsere Infrastruktur nutzen wollen, zu ihrem Erhalt aber nichts beitragen wollen oder können? Vermutlich ist das der bei weitem größte Teil derjenigen, die Aufnahmeanträge stellen (die gleich über den Zaun steigen und sich illegal einnisten sind ein anderes Thema). Wenn alle, die in den Verein wollen, auch aufgenommen werden, kann das durchaus funktionieren – aber nur im Sinne kommunizierender Röhren. Die Infrastruktur, also die Lebensverhältnisse, in Verein A werden signifikant schlechter, bleiben aber signifikant besser als in den früheren Vereinen der Neumitglieder. Für sie bleibt Verein A daher im Vergleich zu ihren früheren Klubs ein Ideal, während die Altmitglieder von Verein A, auf deren Ansprüche und Verhältnisse die Infrastruktur zugeschnitten war, ohnmächtig und zunehmend ängstlich mitansehen, wie ihr Vereinsleben immer ungemütlicher und, ja, auch gefährlicher wird. Manche fürchten sogar Kollaps und Konkurs, eine Angst, die eine noch kleine, aber schon sehr laute Opposition für ihre Zwecke nutzen will.

Na ja, oder so. Aus dem Stegreif geschrieben, vielleicht mit schiefen Bildern, sicher nicht ganz zu Ende gedacht. Aber immerhin jenseits von nationaler bis nationalistischer und von gefühlsbetonter bis gefühlsduseliger Verzerrung der Lage.

Veröffentlicht von gw am 11. September 2017 .
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