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Ohne weitere Worte (vom 29. August)

Mayweather vs. McGregor ist ein Kampf, der in die Trump-Ära passt. Protzen zum Fremdschämen, hantieren mit unglaublichen Summen, so etwas wie soziales Gewissen offen verhöhnen. (Sebastian Moll/Martin Krauss in der taz)
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Noch hat die Branche wenig begriffen. Ihr Tenor lautet: Funktioniert der Videobeweis wie zum Auftakt nur partiell, mache er das Spiel ungerechter statt gerechter. Originelle Betrachtungsweise – was ist ungerecht daran, wenn wenigstens schon einige korrekter beurteilt werden? (Thomas Kistner in der Süddeutschen Zeitung)
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Schon am ersten Spieltag waren die Experten in Topform. Allen voran stürmte Lothar Matthäus, ein Altmeister der Wortakrobatik, als er in einer Diskussion um einen Elfmeter meinte: »Wäre, wäre, Fahrradkette. So ähnlich, Wie auch immer.« (Bettina Weiguny in ihrer Kolumne in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung)
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Ich persönlich glaube ja, mit Experten in Fußball-Sendungen ist es wie mit Fledermäusen und Flughunden (Anm.: Man hört eine weibliche Stimme, offenbar aus einer Tier-Doku:) »Fledermaus- und Flughundmännchen haben entweder ein großes Hirn oder große Hoden. Beides zusammen geht jedoch nicht.« (aus der Radio-Reihe »Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs«)
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»In Frankfurt hatten Alex Meier und ich bei den Fans zunächst einen schweren Stand. Das hat sich dann gelegt. Im Fußball ist es so: Heute bist du der Gott, morgen der Arsch.« (Benjamin Köhler im Kicker-Interview)
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Ein überwältigender, urgewaltiger Fußball, kraftstrotzend, zugleich betörend raffiniert und mit chirurgischer Präzision. (Christian Kamp in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über Liverpools »Volle Dröhnung für Hoffenheim«)
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Laut (Prof. Ingo) Froböse belegen diverse Studien, dass die Profis in der ersten Zeit nach einer Tätowierung Leistungseinbußen von drei bis fünf Prozent erleiden. Siebzig Prozent der Tinte gelangten in die Blutbahn, darunter leide die Regeneration, zudem könnten die Spieler nicht mehr richtig schwitzen. »Ich würde Tätowierungen verbieten (…)«, sagt Froböse. (Michael Wittershagen in der FAS-Kolumne »Schluss für heute«)
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Untergewicht haben außer Skispringern und Marathonläufern, bei denen es mühsam herbeipharmaziert werden muss, ganz überwiegend Frauen. (…) Heutzutage darf man sich nicht mehr einfach erheben oder lustig machen über die unterdurchschnittliche Körpergröße philippinischer Kindermädchen oder die erstaunlichen Hinterteile zentralafrikanischer Ärztinnen. (…) Was bleibt, ist das Übergewicht. (…) Seit Jahren erscheint kein Artikel über mich, in dem nicht mein Körper als ein dicker beschrieben wird. (Ex-Bundesrichter Thomas Fischer klagt im Zeit-Magazin: »Warum darf sich jeder über dicke Männer lustig machen?«)
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Da hilft es nicht, dass auch andere Tiere recht fettreich sind.(…) Hängebauchschweine sehen fett aus, erweisen sich aber als durchtrainiert; ebenso Sumo-Ringer. Und einen anständigen Silberrücken aus dem ugandischen Hochland kann man mit einem mageren Sixpack auch nicht beeindrucken. (Fischer/Zeit-Magazin)
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»Ich habe mal einen Mann erlebt, der hat im Kreißsaal die ganze Zeit zu seinem neugeborenen Sohn gesagt: ›Wilhelm, du hast keine Schuld.‹ Ich habe ihn dann gefragt, was das Problem sei. Er sagte, er habe gerade mit der Pränatal-Psychologin  telefoniert, und sie habe gesagt, das Baby hätte ein schlechtes Gewissen, weil die Hausgeburt abgebrochen werden musste. Eine Pränatal-Psychologin! Meine Prognose: Der kleine Wilhelm wird bestimmt noch mehr Therapien im Leben brauchen.« (Livia Görner, Hebamme, im SZ-Interview)
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»Frauen können noch fieser sein als Männer, wenn sie fies sind.« (Erika Pluhar, Schauspielerin und Autorin, im taz-Interview) (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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