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Wer ist “Allritsch”? (40 – 30 – 20 – 10 vom 10. August)

Vor 40, 30, 20 und vor zehn Jahren: Kleine Texte aus »gw«-Kolumnen, die heute nachdenklich stimmen können oder schmunzeln lassen. Oder beides.
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(Heute haben Spielerberater zu viel Macht. So wie früher der DFB: Ein Nationalspieler, der angstschlotternd unter einem Tisch sitzt, wird vom Bundestrainer erwischt. Es ist nach 22 Uhr, Zapfenstreich vorbei. Und auch die Karriere im DFB-Dress. – Ein sehr guter Torwart trägt das Nationaltrikot nie. Er hat den Umgangston beim DFB kritisiert. – Keine Einzelfälle, siehe WM-Bankett 1974. Ich wundere mich:) Warum lassen sich gestandene, wohlhabende Männer, deren Gehirn trotz mancher Unkenrufe noch nicht in das Schussbein abgesackt ist, von Männern wie Hermann »Hipp-Hipp-Hurra« Goesmann, seinem Nachfolger Hermann »Schnullermund« Neuberger und ihren Mitarbeitern, zu denen auch der Bundestrainer gehört, behandeln wie kleine Jungs auf einem Klassenausflug? Warum nur? Niemand weiß eine schlüssige Antwort. Es muss was Wunderbares sein, vom DFB geliebt zu werden. (8. Juni 1977)
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(Apropos Spielerberater. Einer der ersten war Manfred Ommer, ein früherer deutscher Meistersprinter, später eine schillernde Figur auch im Fußball.) – Längst nicht alle haben erkannt, welche substanzielle Gefahr vom Ex-Sprintmeister ausgeht, der mit Fußballern als Rendite-Objekten jongliert. Doch die Vorstellung, was passiert, wenn sich in jedem Klub Ommers kickendes Eigentum verzinsen soll, alarmiert selbst die phantasielosesten Gehirne der trägsten Fußball-Funktionäre. (1. August 1987 / … und die Gegenwart übertrifft alle Phantasie.)
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(Zehn Jahre später. Der Sommer des Jan Ullrich. Schon damals beschäftigte mich eine schizophrene deutsche Spezialität. Nein, diesmal nicht die beim Doping, sondern eine andere:) Jene merkwürdigen deutschen Sprach-Befindlichkeiten, die bei der Tour de France, aber nicht nur bei ihr, ihren Schabernack treiben. Deutsche Zungen verrenken sich fast dieselbige, um jeden Namen jedes ausländischen Fahrers korrekt auszusprechen, nehmen es gleichzeitig wie selbstverständlich hin und empfinden es als exotisches Flair, wenn Ausländer die deutschen Namen so undeutsch wie möglich aussprechen. Sie entblöden sich aber nicht, »unseren« Jan Ullrich vor Amerikanern als »Allritsch«, vor Franzosen als »Ülrik« zu verballhornen. Aber wehe, ein Deutscher spricht ausländische Namen deutsch aus, der gilt gleich als Neonazi oder zumindest als Volltrottel. Um Missverständnissen vorzubeugen: Dies schreibt jemand, für den Neonazis zumindest Volltrottel sind. (11. Juli 1997)
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(Goellner. Sagt Ihnen der Name noch etwas? Ein längst vergessener Trendsetter:) Marc-Kevin Goellner, der im Tennis die falsch herum aufgesetzte Baseballkappe eingeführt hat, scheint nun auch einen Jungdeutsch-Trend anschieben zu wollen. Sein Kommentar nach dem Erstrunden-Aus in New York: »Ich bin total abgeschifft. (30. August 1997 / Mehr als 30 Jahre zuvor in der Schule: Ich musste einen Text vorlesen, ich glaube, über die Argonauten, in dem der Satz »… und sie schifften sich ein« vorkam. Weil ich den Satz nicht ohne Lachkrampf aussprechen konnte, gab’s einen Eintrag ins Klassenbuch. Abgeschifft weil beinahe selbst eingeschifft)
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(Ob vor 40, 30, 20, 10 Jahren oder heute, fester Bestandteil von »gw«-Kolumnen waren und bleiben Rätselfragen, vom »Ziegen-Problem« bis zu »Wer bin ich?«) Schnell, schnell, es zählen nur Spontan-Antworten: 1. Beim Sprint überholen Sie kurz vor dem Ziel den Zweitplatzierten. Wievielter werden Sie? 2. Beim Marathon überholen Sie den Letzten, wievielter werden Sie? Lösung: Wer den Zweiten überholt, ist Zweiter. Und wie kann man den Letzten überholen? Zugabe: Steffis Vater hat fünf Töchter: Nana, Nene, Nini, Nono . . . wie heißt die fünfte? Nunu? Nee, nee: Steffi! – Auch reingefallen, wie ich? Mein englischer Sprachkalender, in dem ich dauernd rumstolpere, gibt mir jetzt den Rest: »According to Sigmund Freud, what comes between fear und sex?« (4. August 2007 / Da fiel mir viel ein zwischen Frühpubertärem und Spätphilosophischem, aber nicht die kalaumathematische Lösung … fünf.) (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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