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Ohne weitere Worte (vom 8. August)

Ihr bester Werbespruch – »Lassen Sie Ihr Geld für sich arbeiten, Sie arbeiten schließlich auch für Ihr Geld.« (Martin Suter, Bestseller-Autor und Ex-Werber, im taz-Interview)
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Bei ihm wird nie die Gefahr bestehen, dass er irgendwann aus Geldnöten oder falscher Eitelkeit zurück in den Ring steigt. (Timur Tinç in der Frankfurter Rundschau zum Klitschko-Rücktritt)
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Der Profifußball hat sich in diesem Sommer von ethischen Werten und zivilgesellschaftlichen Errungenschaften endgültig und umfassend gelöst. Es ist der Endpunkt einer Entwicklung, die in den Nullerjahren angefangen hat. Zur Blütezeit des Arschgeweihs wurde der Fußball zu Überlebensgröße aufgeblasen. (Holger Gertz in der Süddeutschen Zeitung)
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Im Fußball und in der Formel 1 gewinnen immer dieselben Teams. – »Mich interessiert dabei auch: Wie verhält sich der Fan in zehn Jahren? (…) Welcher Junge interessiert sich heute noch für Schalke gegen Mainz? Die interessieren sich für Manchester gegen Barcelona. Sie gucken auch ganz anders Fußball, mit Second Screening und kurzer Verweildauer. Zuletzt waren wir bei Google in einem Workshop. Die haben dort 100 Mitarbeiter, die gar keinen Führerschein mehr haben. Die interessieren sich nicht mehr für Autos. (…) Was bedeutet das für die Formel 1?« (DFB-Manager Oliver Bierhoff im Interview der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung mit ihm und Mercedes-Teamchef Toto Wolff)
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Wo wäre denn heute, unter Profis von Rang, ein weltverbessernder Kapitän? Stattdessen volltätowierte Leichtmatrosen, für jedes Tor eine einstudierte Pose, der Rest der Welt ist wurscht. (Gertz/SZ)
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Silvia Neid (…), der zuletzt von ihren Kritikern vorgeworfen wurde, die Trends der letzten Jahre verpasst zu haben, wurde vom DFB mit dem neu geschaffenen Amt der Trendforscherin betraut. Eine originelle Idee. (…) Wurde sie noch vor einem Jahr für die Stagnation ihres Teams gegeißelt, beklagt sie jetzt selbst die Stagnation (…) im Frauenfußball. (Johannes Kopp in der taz über die Ex-Bundestrainerin)
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»Ich kann nicht eine Unterscheidung mehr finden zwischen 220 und 440 Millionen. Es übersteigt meine Fähigkeit, das einzuordnen.(…) Ich glaube, es ist nicht gut. Aber ich werd’s nicht verhindern. Wir sind im irrealen Bereich. Aber es ist grad Realität.« (Freiburgs Trainer Christian Streich über den Wechsel Neymars, protokolliert vom »Teledialog« der FAS)
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Arme Leute waren die Hartings. Sie lebten in Cottbus-Sachsendorf, Plattenbausiedlung, Dostojewskistraße 5,   Russengetto genannt. (…) Die Eltern waren damals einfach in die Wohnung gezogen, verzweifelt und ohne Mietvertrag. Geld für die Miete hätten sie nicht gehabt. »Ich weiß, wie es ist, ohne Strom zu leben«, sagt Christoph Harting. »Hungern mussten wir nie, aber dass eine Stulle auch dann nach Wurst schmeckt, wenn man die Scheibe übers Brot reibt, das weiß ich wohl.« (Juan Moreno im Spiegel über die »Gebrüder Groll« Robert und Christoph Harting)
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Robert hat Christoph nicht zu seiner Hochzeit im vergangenen Jahr eingeladen. Christoph wäre ohnehin nicht hingegangen. (Moreno/Spiegel)
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Für die Dauer der Documenta in Kassel und Athen – zusammen immerhin 163 Tage – wird die Kunst zum Propagandamittel einer Kampagne gegen alles, was Szymczyk (Anm.: Künstlerischer Leiter der Documenta) als »zivilisiert, frei, wohlhabend, gesetzestreu, maßvoll und zurückhaltend« verdächtigt. (Philipp Meier in der Neuen Zürcher Zeitung)
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Was ist jetzt schlimmer, die vergifteten holländischen Eier oder die vergifteten deutschen Diesel? Sicher ist, man sollte in einem deutschen Dieselfahrzeug keine holländischen Eier essen, wenn man noch am Leben hängt. (»Zippert zappt« in der Welt)
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Ihr schlechtester Werbespruch – »Lassen Sie Ihr Geld für sich arbeiten, Sie arbeiten schließlich auch für Ihr Geld.« (Suter/taz) (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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